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Mit Schneeschuhen auf den Spuren empirischer Meteorologie Der Bauernregeln-Weg im Pongau

Wird es heuer auch wieder so einen langen, heißen Sommer geben wie 2018? Für eine Vorhersage nimmt mancher gerne die Bauernregeln her. Da heißt es beispielweise: „Gibt's im März viel Regen, bringt die Ernte wenig Segen“ oder: „Im Märzen kalt und Sonnenschein, wird's eine gute Ernte sein.“ Wer gerne mehr über Bauernregeln erfahren möchte, dem ist eine Wanderung mit Schneeschuhen oder zu Fuß in Altenmarkt im Pongau zu empfehlen.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 23.03.2019

Mit Schneeschuhen auf den Spuren empirischer Meteorologie | Bild: BR; Ulrike Nikola

Dort kann man auf dem Bauernregeln-Themenweg mit 22 Stationen einiges Interessantes erfahren. Ob Eisheilige oder Siebenschläfer, Föhn oder Schäfchenwolken - die Bauernregeln basieren auf langjährigen Beobachtungen der Bauern über das Wetter, sozusagen auf empirischer Meteorologie. Es gab sie schon vor der Christianisierung, doch später wandelte die Kirche viele bestehende Reime ab und bezog sie auf die Namenstage von Heiligen wie Pankratius, Sofie, Kunigunde, Gertrud und viele mehr.

Schneeschuhwandern auf dem Bauernregelnweg

Los geht es unterhalb vom Köpfer Bauern am Schwemmberg oberhalb von Altenmarkt. Wir legen die Schneeschuhe an und stapfen hinter Wanderführer Tomi Bruder in den Wald. Zwischen den Bäumen gibt es immer wieder herrliche Ausblicke auf die verschneiten Berge ringsum, zum Beispiel auf den Lackenkogel, den 2049 Meter hohen Hausberg von Altenmarkt, sowie auf die Niederen Tauern. Auf der Sonnenseite des Schwemmberges steigen wir zunächst leicht bergauf in Richtung Reitlehenalm auf knapp 1300 Metern. Dabei passieren wir die ersten der insgesamt 22 Stationen des Themenwegs mit weniger bekannten Bauernregeln zu Berg- und Talwinden, zum Föhn und zum Regen, aber auch mit weit verbreiteten Weisheiten: „Abendrot Gutwetterbrot, Morgenrot Schlechtwetter droht.“ Abendrot bringt also schönes Wetter, weil die im Osten beleuchteten Wolken meist Reste des abziehenden Schlechtwettergebietes sind. Morgenrot ist dagegen ein Zeichen des nahenden Wolkenbandes im Westen und deutet auf Niederschlag. Also wir hoffen auf Abendrot!

Bekannte Bauernregel

Bernhard Klieber vom Altenmarkt-Zauchensee-Tourismus freut sich, dass der Themenweg bei den Gästen gut ankommt. Denn viele möchten auch im Skiurlaub nicht jeden Tag auf der Piste fahren, sondern suchen nach Alternativen oder bevorzugen per se den sanften Wintertourismus samt Entschleunigung. Man ist draußen in der Natur, geht sein eigenes Tempo, kann wirklich abschalten und sich auf sich selbst konzentrieren. Es ist ein ganz anderes Gefühl, um die Winterlandschaft zu genießen. Vor der Kulisse des Tennengebirges laufen wir mit Schneeschuhen auf dem weiß-rot-weiß markierten Wanderweg. Problemlos findet man hier auch ohne Guide den Weg - im Sommer in Wanderstiefeln und im Winter auf Schneeschuhen.

Gute Beschilderung

Mit 300 Höhenmetern ist die Wanderung auf dem Bauernregeln-Weg auch für Familien gut machbar, denn die rund zweieinhalb stündige Tour bietet viel Abwechslung und die Suche nach den Schildern macht Spaß. An der nächsten Tafel werden wir bei der folgenden Bauernregel gleich hellhörig: „Am Neujahrstag kalt und weiß, wird der Sommer später heiß.“ Man wird sehen wie verlässlich die Vorhersagen dieser sogenannten Los-Tage sind, die nach der volkstümlichen Überlieferung einen Hinweis auf die zukünftige Witterung geben sollen.

Hundtage Bauernregel

Doch vieles hat sich bewährt und so richtet sich auch der Altenmarkter Bauer Martin Steffner in der Landwirtschaft und in der Tierhaltung nach den alten Bauernregeln. Er hatte auch die Idee für diesen Themenweg. Stichtage wie die Eisheiligen Mitte Mai oder die Schafskälte im Juni kommen mit fast 100prozentiger Sicherheit, sagt er. Ganz konkret heißt es am 11. Juni: „Regen an Sankt Barnabas, währet 40 Tage ohne Unterlass!“ Bis dahin vergeht aber noch viel Zeit und so genießen wir unsere Schneeschuhwanderung bei bestem Wetter und einer schönen Einkehr in der Habersatt-Jausenstation mit heimischen Speisen, die vom Jausenbrettl mit eigenem Speck über Kasnocken und Fleischkrapfen bis zu den gebratenen Forellen aus dem eigenen Teich reichen. Nach der Einkehr und kurz vor Ende der Wanderung, die uns zum Ausgangspunkt zurückführt, erwartet uns noch die letzte Tafel mit dem krönenden Abschluss des Bauernregeln-Wegs: „Fehlt der Knecht am Morgen ständig, dann ist die Magd nachts zu lebendig.“

Karte: Die Habersatt-Jausenstation

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Karte: Die Habersatt-Jausenstation


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