8

Über den Hochstein zur Berghütte Schareben Schneeschuh-Schlitten-Tour im Arber-Land

Auch der Bayerische Wald erlebt einen Winter wie lange nicht mehr. Der Schnee liegt so hoch, dass es im Arber-Land wohl bis weit ins Frühjahr hinein heißen wird: Talabfahrten möglich, alle Loipen gespurt. Hoch über dem Zellertal zwischen Bodenmais und Drachselsried ist die traditionsreiche Berghütte Schareben auf 1019 Meter Höhe ein Wintersportzentrum von Rang.

Von: Christoph Thoma

Stand: 23.02.2019

Über den Hochstein zur Berghütte Schareben | Bild: BR; Christoph Thoma

Geräumte Winterwanderwege gibt es hier, die 30 Kilometer lange Auerhahn-Loipe zum Bretterschachten und – ganz neu – mehrere markierte Schneeschuh-Routen, unter anderem zum Aussichtsgipfel Hochstein. Nach der Schneeschuh-Tour wartet dann mit 3,5 sportlichen Kilometern eine der längsten und vor allem schönsten, immer perfekt präparierten Naturrodelbahnen des Bayerischen Waldes. Sie bietet eine rasante Abfahrt bis nach Oberried.

Regeln im Auerhahn-Schutzgebiet

Am Dorfplatz in Oberried treffen sich Langläufer, Schneeschuhgeher, Spaziergänger und Schlittenfahrer – ein buntes Volk, das hinauf will ins Wintersportzentrum von Schareben. Die denkmalgeschützte Berghütte, ein kleines Berggasthaus mit Schlafplätzen, ist im Besitz der Sektion Drachselsried des Bayerischen Wald-Vereins.  

Aus dem Bus auf die Loipe oder Rodelbahn

Der Skibus Zellertal verbindet die Oberpfalz und Niederbayern, die Landkreise Cham und Regen und vier Bayerwald-Gemeinden, die zukunftsweisend denken und an einem Strang ziehen. Er bringt Urlaubsgäste und Einheimische aus Arrach, Arnbruck, Drachselsried, und Hohenwarth umweltschonend an den Start in 1019 Metern Höhe.

Die Wegmarkierung für die Route 1

An der Berghütte Schareben beginnt und endet auch unser Rundweg, markiert mit Nummer 1, erzählt Richard Windsor von der Touristinfo Drachselsried. Es geht darum, Naturschutz und Natursport zusammen zu bringen. Schneeschuhrouten dienen der Besucherlenkung, weil im Auerhahn-Schutzgebiet zwischen Mühlriegel und Kleinem Arber außerhalb dieser Korridore nur ausgebildete Landschafts- und Naturführer wie Helmut Jungbeck mit ihren Gruppen unterwegs sein dürfen, die Zahl individueller Schneeschuhgeher aber ständig wächst.

Im Interview mit Naturführer Helmut Jungbeck

Helmut Jungbeck erzählt, dass das Auerwild im Winter mit seiner Energie haushalten muss. Hennen und Hähne schützen sich in Schneehöhlen vor dem kalten Wind und ernähren sich überwiegend von Fichten- und Tannennadeln, die aber wenig Fett enthalten. Jede Fluchtbewegung, wenn die scheuen Tiere in Panik geschützte Einstände verlassen, weil zum Beispiel ein unwissender Schneeschuhwanderer querfeldein durch den Wald kreuzt, geht an die knappen Reserven und kann lebensbedrohend sein. Der Auerhahn ist der Wappenvogel des Bayerischen Waldes. Er war schon vom Aussterben bedroht. Jetzt nimmt sein Bestand ganz allmählich wieder zu. Unsere Wanderung auf einer Route, die mit Jägerschaft und Naturschutz abgestimmt ist, trägt ein wenig dazu bei.

Beim Abstieg vom Gipfel

Nur die ersten zweihundert Meter der Schneeschuhtour sind etwas steiler, gleich etwas zum Warmwerden. Auf dem tief verschneiten Forstweg über Schareben geht es dann fast flach dahin. Unter uns liegen eineinhalb Meter Schnee. Das sieht man daran, dass die Sommermarkierungen des Pfades nur zentimeterhoch aus dem Schnee ragen. Wir genießen die Stille und die Panorama-Aussicht bis hinaus ins Donautal.  Nach 45 Minuten stehen wir vor einer vereisten Felswand. Über uns das ragt das Gipfelkreuz des 1134 Meter hohen Hochstein auf - Hausberg des Zellertals. In einem sanften Bogen und über mehrere Buckel erreichen wir das Ziel. Die Aussicht lohnt alle Mühen und reicht vom Silberberg bei Bodenmais über Kronberg und Harlachberg bis zu Geißkopf und Vogelsang.

Im Gespräch mit Richard Windsor

Richard Windsor stammt aus dem benachbarten Böhmen und hat eine ganz spezielle, hochprozentige „Stärkung“ für uns im Rucksack – den neu kreierten Drachselsrieder Schneeschuh-Trunk, ein Bayerwald-Brand aus einheimischen Waldbeeren. Nach knapp zwei Stunden sind wir dann zurück in Schareben und überqueren vorsichtig die frisch gespurte Langlaufloipe, um die „Geleise“ für die Klassikläufer nicht zu beschädigen. Schon im 18. Jahrhundert gab es hier eine Forstdiensthütte. Das Wirtshaus wird seit 1880 betrieben. Interessant ist, dass Schareben nicht an das öffentliche Stromnetz angeschlossen ist und die Abwasserentsorgung über einen biologischen Klärteich erfolgt. Die Küche ist deftig kräftig. Auf der Speisenkarte findet man vom Schweinsbraten über Brotzeiten bis zum Kaiserschmarrn alles, was das Herz begehrt. Hütten-Spezialität aber sind die Kaspressknödel. Derart gestärkt, hocken wir uns auf die blauen Leihschlitten, die Hüttenwirt Uli Mühlbauer aus dem Schuppen holt. Sein heißer Tipp für die 3,5 Kilometer-Waldabfahrt ist einfach: „Beine hoch und laufen lassen!“. Wer sich halt traut! Die Abfahrt ist rasant, aber nirgendwo gefährlich, weil gut und jeden Tag frisch präpariert. Es ist hart, aber nicht eisig und die Durchfahrt zwischen den Bäumen immer breit genug. Abgesehen davon, dass bald die Bauchmuskeln zu Brennen beginnen, ist das Schlitten-Gaudi pur.

Die Spur ist breit und nicht eisig

Wer nach einer Abfahrt noch nicht genug hat - die Rodelbahn endet direkt an der Haltestelle in Oberried, und da kommt schon bald wieder der Bus hinauf nach Schareben. Mit der Waldbahn ist die Anreise bis Bodenmais möglich. Der Skibus Zellertal ist für Übernachtungsgäste gratis. Mit ihm kommt man in einer guten viertel Stunde auf einer für Autos gesperrten Passstraße umweltschonend von Oberried bei Drachselsried hinauf ins Wintersportzentrum Schareben. Mehr Informationen gibt es unter www.arberland-bayerischer-wald.de und www.berghuette-schareben.de

Karte: Der Hochstein und die Berghütte Schareben

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Der Hochstein und die Berghütte Schareben


8