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Die Schachtenbach-Runde Auf den Spuren der Glasmacher durch den Bayerischen Wald

Wenn die Blätter der Bäume bunt werden, streift sich der Bayerische Wald sein Festtagskleid über: die Morgennebel lichten sich und man taucht in einen farbigen Himmel ein. Eine der schönsten Wanderungen im Arberland jetzt im Oktober ist die Schachtenbach-Runde ab Zwiesel, dem uralten Glashütten-Standort.

Von: Christoph Thoma

Stand: 19.10.2018

Auf den Spuren der Glasmacher durch den Bayerischen Wald | Bild: BR; Christoph Thoma

Die Tour mit rund 600 Höhenmetern fasziniert einerseits durch die Schönheit der Wälder und vermittelt andererseits die Bedeutung der Glasherstellung für die Region – eine echte Kulturwanderung.

Der Gläserne Kreuzweg

Auf historischen Pfaden folgt man im Naturpark Bayerischer Wald den Spuren von Glasmachern, Glasschleifern und Köhlern. Der „Gläserne Wald“ ist viel mehr als nur ein touristisches Schlagwort. Die Wanderung kann man nach Belieben verlängern oder abkürzen. Höhepunkt der Halbtagestour ist der Hennenkobel mit knapp 1000 Metern – und - bei gutem Wetter mit Weitblick bis zum Watzmann. Übernachten kann man z. B. im Traditionsgasthaus „Zur Waldbahn“, das nicht nur so heißt, sondern tatsächlich seit mehr als hundert Jahren direkt am Zwieseler Bahnhof anreisende Gäste aufnimmt. Ausgangspunkt ist der Glasmacherort Rabenstein, heute Ortsteil der Stadt Zwiesel, der über dem Regental liegt. Dann spart man sich den Aufstieg vom Langlaufzentrum Zwiesel, meint der Wanderführer Fred Baierl.

Hinter einer massiven Mauer verbirgt sich ein schlossähnliches Gebäude, ein Glashütten-Herrenhaus. Früher war es die Behausung einer der berühmten Glasbarone im Bayerischen Wald. Hier wohnten die geadelten Von Kießling auf Rabenstein. Das Alte Schloss ist allerdings abgebrannt, noch gut erhalten ist das neue Schloss der Glasmacher-Familie Poschinger.

Einst stand hier die Glashütte Schachtenbach

Rabenstein ist der älteste Glasmacherort des Bayerischen Waldes, er wurde bereits 1421 urkundlich erwähnt. Und damit sind wir Glasmacher-Geschichte und -Geschichten auf der Spur. Der Wanderweg Nummer 29 bringt uns zum Dachsriegel und in die abgeschiedene Ortschaft Schachtenbach. Dort wurde in einer einst weltbekannten Glashütte durch die Beimengung von Knochenasche Mitte des 19. Jahrhunderts das undurchsichtige Beinglas erfunden.

Fliegenpilz-Schönheit

Ein Pfad führt am Waldrand bergauf. Tautropfen rollen über struppige Gräser. Sonnenstrahlen tasten sich zum Waldboden vor. Fliegenpilze leuchten aus dem Dickicht. Vor uns stehen Wanderer, die sich tief über ihre auf einen Baumstumpf gelegte Karte beugen. Der „Gläserne Steig“ bringt uns zu einer geologischen Besonderheit. Was wie ein aufgelassener Steinbruch aussieht, ist in Wirklichkeit der historische Quarzbruch am Hennenkobel. Dort wurden für die umliegenden Glashütten Rosenquarz und Rauchquarz abgebaut, Hauptbestandteil der Glasmasse.

Das Hochmoor der Kiesau ist ein kleines Naturschutzgebiet. Birken findet man hier und Unmengen von Preiselbeeren, aber auch den fleischfressenden Sonnentau. Weglos gehen wir ein Stück am Ufer eines torfbraunen Sees entlang. Nun ist es nicht mehr weit bis zum Abzweig in Richtung Hennenkobel. „Mit Gottes Hilfe“ geht es aufwärts, der „Gläserne Kreuzweg“ eines modernen Bayerwald-Künstlers begleitet uns. Der 967 Meter hohe Hennenkobel unterscheidet sich von anderen Bayerwaldgipfeln. Er ist nicht zugewachsen und bietet so freien Blick nach Süden bietet - ein perfekter Brotzeitplatz.

Gipfelkreuz Hennenkobel

Mit richtigen Boulder-Felsen ist der Gipfelaufbau des Hennenkobel durchaus alpin. In lockerem Hochwald, um die aufragenden Felsen im Abstieg herum, erreichen wir auf der vertrauten Wegnummer 29 Rabenstein, die Mauer des Schlosses und die Bushaltestelle Kaisersteig. Die Einkehr in einem der Zwieseler Gasthöfe ist fest eingeplant.

Übrigens: Die Schachtenbach-Runde im Arberland ist auch im Winter gut machbar. Vielleicht sogar auf Schneeschuhen.

Karte: Rabenstein

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Rabenstein


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