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Von Zelten, Gewürzkugeln und sagenhaften Dingen Ladinischer Bergadvent auf dem Alfarei-Hof

Am unteren Rand der „Roda de Armentara“, der Armentara-Wiesen liegt der Alfarei-Hof, einer der ältesten Bergbauernhöfe im Gadertal. Im Zinsbuch der Abtei Sonnenburg wird dieser ladinische Erbhof bereits im Jahr 1286 urkundlich erwähnt. Schon seit vielen Generationen ist der Alfarei-Hof im Besitz der Familie Piccolruaz. Tradition wird hier großgeschrieben, gerade auch im Dezember, wenn Zeit ist für den stimmungsvollen ladinischen Bergadvent.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 18.12.2020

Ladinischer Bergadvent auf dem Alfarei-Hof | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Über windschiefe Steinplatten und knarzende Holzstufen geht es hinein in die gute Stube des Alfarei-Hofs.

Aufgang zum Alfarei-Hof

Mit seinem verwitterten dunklen Lärchenholz, den winzigen Fenstern und uralten Steinmauern verströmt der uralte Hof wohlige Geborgenheit. Man spürt förmlich die Geschichte und den Atem der Generationen, die hier schon gelebt haben - ein Hof, erbaut im damals üblichen römischen Stil, so archaisch und authentisch wie es ihn nur noch selten gibt. Mauerwerk, Tramen und Dachbalken sind noch original erhalten, erklärt der Besitzer und Bergbauer Anton Piccolruaz.

Auf der Veranda

Der Name Alfarei kommt vom ladinischen Wort für Zitterpappeln, die immer noch rund um das Hofensemble stehen. Für den Bergadvent auf dem Zitterpappelhof haben Anton und Rosa Piccolruaz schon alles vorbereitet: Tee und Glühwein, Gebäck und Zelten. Im Flur steht ein wohlduftender Christbaum, schön geschmückt mit getrockneten Orangenscheiben, Zimtstangen und Orangen, die mit Gewürznelken gespickt sind. Auch die Tschurtschen, die bemalten Lärchen- oder Zirbenzapfen gehören als Dekor dazu, ebenso Strohsterne und kleine rote Äpfel.

Vergangenheit und Gegenwart

Rosa verrät die Zutaten und Zubereitung des traditionellen Zelten: getrocknete Feigen, Walnüsse, Haselnüsse, Pinienkerne, Rosinen, Zitronat, Honig und Zimt werden mit Rum und Weißwein vermengt und über Nacht stehen gelassen, Dann wird der Brotteig untergerührt und der Zelten geformt und gebacken und mit Mandeln und kandierten Kirschen verziert. Früher gab es bestimmte Speisen zu bestimmten Zeiten, im Advent den Zelten und als Festessen zu Weihnachten mit Mohn gefüllte Germkrapfen.

Auch wenn die vermeintlich gute alte Zeit gar nicht so gut war, sondern harte Arbeit, gab es in der Adventszeit früher viel weniger Hektik, mehr Stille und echte Besinnlichkeit. Man saß oft mit den Nachbarn in der Stube zusammen und hat erzählt - Geschichten wie zum Beispiel die Sage vom Bau der Wallfahrtskirche unterm Heiligkreuzkofel, wo Vögel blutgetränkte Holzspäne an Ort und Stelle gebracht und mit ihnen den Grundriss der Kirche geformt haben sollen. Sagen und Legenden, Zelten und Zirbenzapfen, Gewürzkugeln, Gebäck und Glühwein – mit einem ladinischen Weihnachtslied gehört zum Bergadvent auf dem Alfarei-Hof.

Karte: Der Alfarei-Hof

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Karte: Der Alfarei-Hof


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