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Mit QR-Code unterwegs zur Burgruine Weißenstein Das Natur-Navi im Oberpfälzer Wald

Der Oberpfälzer Wald ist ein Ganzjahres-Wandergebiet. Wandern im Naturpark Steinwald geht immer, winters mit Schneeschuhen. Das überaus praktische „Natur-Navi“ verknüpft dabei das vielfältige Wandervergnügen draußen mit digitalen Zusatzangeboten. Ein gutes Beispiel dafür ist die Rundwanderung zur Burgruine Weißenstein oberhalb von Friedenfels im Landkreis Tirschenreuth.

Von: Christoph Thoma

Stand: 14.12.2019

Mit QR-Code unterwegs zur Burgruine Weißenstein | Bild: Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald - Thomas Kujat

Mit dem Natur-Navi steckt die Route sozusagen in der Jackentasche. Man ist smart unterwegs im Oberpfälzer Wald und plant seine Wanderroute nach Länge und Höhenmetern schon zuhause am Tablet, baut Sehenswürdigkeiten und Kulturziele am Wegrand und die besten Gasthöfe zum Einkehren gleich mit ein. Unterwegs nutzt man dann das eigene Smartphone als Guide. Karten stehen zur Verfügung, Stelen mit QR-Codes bieten zusätzliche Informationen.

Auf zur Burgruine Weißenstein

Friedenfels liegt versteckt zwischen Erbendorf und Wiesau am Südabhang des Naturparks Steinwald, dem kleinsten Naturpark Bayerns. Im Gästehaus von Sabine Friebus liegen in allen Zimmern die Info-Karten, die auf das „Natur-Navi“ hinweisen. Im Frühstücksraum, wo es gratis W-LAN gibt, wird am Tablet geplant. Die Gäste haben ihr Handy dabei. Auf den ersten Blick erscheint das interaktive „Natur-Navi“, an dessen Entwicklung an die zwanzig Partner im Oberpfälzer Wald beteiligt waren, „nur“ wie eine digitale regionale Landkarte. Es bündelt aber - bei näherem Hinsehen - die ganze Fülle der Wander- und Freizeitmöglichkeiten entlang der Qualitätswanderwege Goldsteig und Nurtschweg sowie an den Zu- und Verbindungswegen dazwischen. Das „Natur-Navi“ ist für alle Endgeräte optimiert. Es ist aber keine App, weil es nicht sinnvoll erscheint, in der Natur immer auf eine Online-Verbindung angewiesen zu sein. Im Internet auf der Seite „oberpfaelzerwald.de“ sucht man einfach „Tourentipps Friedenfels“ und schon geht es los. Stephanie Wenisch vom „Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald“ freut sich sehr über das rege Interesse.

Zuständig ist Stephanie Wenisch

Wir laden die Karte aufs Handy, gönnen uns ein Oberpfälzer Zoigl-Bier und gehen früh ins Bett. Am Morgen ist das Marktredwitzer Haus Startpunkt für die Tour zur Ruine Weißenstein. Es nieselt und riecht nach Schnee. Amelie Nöth ist Naturpark-Rangerin. Ihr gefällt das „Natur-Navi“ unter dem Aspekt der Besucherlenkung: „Sowohl unsere Kletterfelsen als auch die Wanderwege und die Aussichtspunkte sind im Natur-Navi abrufbar. Wir sind als Naturschützer einfach froh, wenn die Menschen im Steinwald auf den Wegen bleiben und nicht kreuz und quer durch die Landschaft rennen!“

Norbert Reger ist als Vorsitzender des Vereins „Steinwaldia“ Burgherr auf Weißen-stein. Sein Verein hat in Tausenden von ehrenamtlichen Arbeitsstunden die Ruine saniert. Er führt uns gleich zu den „Basalt-Pferden“, die versteckt im Wald liegen und daran erinnern, dass die Nördliche Oberpfalz einst ein Hotspot des Vulkanismus war.

Die typische Wollsack-Bildung

„Die Felsen gehören zu einem tertiären Basalt-Förderschlot“, erzählt er, „der einen Durchmesser von 20 bis 30 Metern hat“. Granit und Basalt sind die beherrschenden Gesteinsarten in der Oberpfalz. Das Naturdenkmal im Wald erinnert an zwei galoppierende Pferde. Die Wellenstruktur der abgekühlten Lava sieht aus wie die gelockten Mähnen der Rösser.

Die Säulen sehen aus wie Baumstämme

Der QR-Code tut seine Dienste. Erst auf Forstwegen, dann immer steiler über Stock und Stein erreichen wir nach einer knappen Stunde die Burgruine Weißenstein. Wie Baumstümpfe wirken die zwei hüfthohen Stelen, die Hintergrundinfos liefern, aber nicht den Blick versperren. Stephanie Wenisch weist darauf hin, dass man sich natürlich gut überlegt hat, ob und wie es möglich ist, hundert Säulen als Fremdkörper in den Naturpark zu „pflanzen“. Was herausgekommen ist, kann als gutes Beispiel dienen: Die Stelen sind bewusst unauffällig und stehen nie direkt im Blickfeld. Man erfährt Wissenswertes über Land und Leute, etwa über die besonderen Geotope des Oberpfälzer Waldes, die Artenvielfalt in der Natur-Landschaft sowie Rezepte zum Nachkochen regionaler Spezialitäten und Sagenhaftes, das über Audiodateien erzählt wird. Beim „Felsentor Kiebitzstein“ handelt es sich beispielsweise um einen gerundeten und gebogenen „Wollsack“, der von seiner Unterlage weggerutscht ist. Auf diese Weise ist gleich unterhalb der Burgruine Weißenstein ein Felsentor entstanden.

Die Burgruine Weißenstein im Naturpark Steinwald

Die Burgruine geht auf das 11. Jahrhundert zurück. Über Treppen und Leitern kann man den einstigen Bergfried erklimmen und den Panoramablick vom Fichtelgebirge bis zum Bayerischen Wald genießen. Faszinierend ist auch, dass die Burganlage in die Felsen gebaut wurde. Die gewachsene Struktur der Wollsack- und Matratzen-Formationen wurde ausgenutzt, um Küchentrakt und Rittersaal zu integrieren. Fast 1000 Jahre ist die Burgruine Weißenstein in ihren Grundfesten alt. Was Wunder, dass es hier eine Geistergeschichte gibt, die per QR-Code von einer Baumstumpf-Säule kommt. Die Stelen wurden übrigens von Schülerinnen aus Weiden in der Oberpfalz entworfen Sie bestehen komplett aus Glasschaum, einem Recycling-Material aus Altglas und sollen bald – so ist die Idee – von Flechten und Moosen besiedelt sein. So passen die Stelen für das „Natur-Navi“ dann auch in den Naturpark.

Das „Natur-Navi“ im Naturpark Steinwald ist ein gutes Beispiel dafür, dass intensives Naturerlebnis und digitale Welt kein Widerspruch sein müssen. Informationen, gute Karten und konkrete Tourenvorschläge gibt es gratis im Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald (Telefon 09631/88223) oder unter www.oberpfaelzerwald.de

Karte: Die Burgruine Weißenstein

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Die Burgruine Weißenstein


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