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Pilgern und Schweigen auf dem Martinusweg Spirituelle Wanderung im württembergischen Allgäu

Pilgern ist spätestens seit Hape Kerkelings Buch „Ich bin dann mal weg“ in Mode gekommen. Auch Menschen, die nicht viel mit dem christlichen Glauben anfangen können, begeben sich auf Pilgerfahrt – um der Selbsterfahrung willen. Pilgern im Kleinen kann man zum Beispiel im Westallgäu, beim so genannten Samstagspilgern. Wie der Name schon sagt, können sich die Kurzzeitpilger bis Oktober nun jeden Samstag gemeinsam auf unterschiedlich schwierigen Strecken und jeweils unter einem anderen Motto auf den Weg machen. Eine Pilgerwanderung nennt sich zum Beispiel „schweigsam-achtsam-naturverbunden“.

Von: Doris Bimmer

Stand: 08.06.2019

Eine spirituelle Wanderung im württembergischen Allgäu | Bild: BR; Doris Bimmer

Pilgerbegleiter Stephan Wiltsche führt die rund 30 Köpfe zählende Gruppe der Samstagspilger auf dem Martinusweg von Wangen im württembergischen Allgäu nach Eglofs.

Die obere Argen

Gut 13 Kilometer geht es über Wiesen und Bäche, durch Wälder und vorbei an kleinen Weilern. Achtsamkeit bedeutet in seiner Wahrnehmung aufmerksam zu sein und auch ganz kleine, unscheinbare Dinge bewusst zu registrieren. Als Menschen sind wir ein Teil der Schöpfung und sollten daher, so Stephan Wiltsche, auch auf unseren Atem und auf unsere Gedanken achten. Ein Stück weit geht es auch darum, von sich selbst weg Abstand zu gewinnen. Dabei kann es dann auch geschehen, dass man sich unfreiwillig selbst begegnet, obwohl man genau das vielleicht gerade nicht will.

Die Kennzeichnung des Martinuswegs, das rote Kreuz.

Ein großer Teil des Martinuswegs wird schweigend zurückgelegt, und das fällt allen nicht immer leicht. Doch auch wenn nicht geredet wird, ist die Stimmung unbeschwert und fröhlich. Der Reiz liegt im stillen Gehen, bei dem man seinen Gedanken freien Lauf lassen kann. So bleibt genügend Zeit und Raum, sich auf die Schönheiten der Gegend einzulassen: auf das Flüsschen Obere Argen, auf die sanfte Hügellandschaft des Westallgäus, fast immer mit Blick auf die Alpen. Im Weiler Zellers wartet ein Höhepunkt der Tour auf die Pilgergruppe: der Kräutergarten von Renate Tschöll.

Pause im Kräutergarten in Zellers.

Die Rentnerin hegt und pflegt diesen Kräutergarten mit viel Liebe und Hingabe und empfängt gerne wandernde Gäste in ihrem „Garten der Gesundheit, Sinne und Besinnlichkeit“. Der spirituelle Gedanke steht beim Samstagspilgern im Vordergrund. Teilnehmen kann jeder, auch wenn man mit der katholischen oder evangelischen Kirche nichts zu tun hat oder haben will. Wer aber neue Kraft für seinen christlichen Glauben sucht, der ist hier ebenfalls sehr willkommen. Schließlich geht es darum, die Welt mit anderen Augen sehen und zu erleben. Viele biblische Gleichnisse, so der Pilgerbegleiter, sollte man nicht in der Kirche lesen, sondern draußen in freier Natur hören, zum Beispiel, wenn es da heißt: „Seht die Vögel des Feldes, sie sähen nicht, sie ernten nicht, lebt ohne Sorge.“

Die Wanderung auf dem Martinusweg genießen alle Teilnehmer, jeder auf seine Art, auch wenn das Schweigen hin und wieder schwerfällt. Wenige Kilometer vor Eglofs führt die Route an der Martinuskirche vorbei. Ab hier ist dann auch Ratschen und Lachen „erlaubt“. Weitere Informationen zu den Touren gibt es unter www.westallgaeu.de/samstagspilgern

Karte: Von Wangen nach Eglofs

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Karte: Von Wangen nach Eglofs


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