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Wadis, Wüstensöhne und Wandmalereien Wandern im jordanischen Petra

Petra - der Name, der einfach nur „Fels“ bedeutet, steht für eine der erstaunlichsten Stätten der Antike und ein Ziel, das auf dem Wunschzettel vieler Reisender steht. Entsprechend vielbesucht ist diese besondere Stätte in einem Tal zwischen wulstigen Sandsteinbergen.

Von: Georg Bayerle

Stand: 27.04.2019

Wadis, Wüstensöhne und Wandmalereien | Bild: BR; Georg Bayerle

Wie so oft aber sind es nur ein paar Schritte, die wegführen von der Hauptroute der Touristen. Eine Wanderung durch die Täler und über die Berge macht den Besuch der Felsenstadt dann zu einem besonderen Erlebnis

In der Eingangsschlucht von Petra

Spätestens am „Qasr al Bint“, dem so genannten „Mädchenschloss“ sind die meisten Besucher müde und leichte Beute für die Eseltreiber, die sie nun für eine Handvoll Dinar zurücktransportieren zum Siq, der verwunschenen Felsschlucht, die den Zugang zum antiken Petra bildet. Von hier führen aber auch Wege in die Wüste und durch ein Seitental hinauf auf die Berge über der Schlucht. Schon nach ein paar Metern ist es schlagartig still. Gerade an einer Stelle in dem unübersichtlichen Gelände aus Felsbuckeln, wo sich nun die Spuren im Sand verzweigen, kommt treffen wir auf ein Paar aus den Niederlanden. Sie sind auf dem Weg zurück vom Hohen Opferplatz, den kaum einer besucht, obwohl sich dort kleinere Tempel befinden und die Szenerie überwältigend ist. Die beiden von der anderen Seite herüber gewandert. Das ist insofern einfacher, als der Weg dort nicht zu verfehlen ist, denn nur eine Felsentreppe ermöglicht den Aufstieg. Hier im Wadi al Farasa führen dagegen mehrere Trampelpfade in verschiedenste Senken und Schluchten.

Auf der Wanderung im Wadi al Farasa

Die Suche im unbekannten Gelände schärft die Aufmerksamkeit für die Umgebung – und die ist magisch: Überall befinden sich die in den nackten Felsen gehauenen Fassaden der Totentempel. Der warme rotbraune Farbton der Landschaft bannt jede Unruhe. Ein sesshaft gewordener Beduine verkauft im Schatten eines der alten Grabtempel würzigen Tee und kalte Getränke. Ansonsten ist niemand unterwegs. Eine abenteuerlich in den Felsen gehauene Treppe führt links den Berg hinauf und über Absätze und durch kleine Schluchten zum „Hohen Opferplatz“, dem wohl besten Aussichtspunkt über Petra. Es ist einer jener verwunschenen Plätze, wo die Zeit stillsteht. Wieder einmal bewahrheitet sich, dass das Gehen abseits der ausgetretenen Pfade erst recht das Fenster öffnet in eine andere Welt. Die ganze Stadt liegt einem hier zu Füßen.

Die heutigen Bewohner sind Beduinen

Beim Rückweg durch den Siq, die Felsenschlucht, ziehen - begleitet vom Klang der Rabada, der einsaitigen Geige der Beduinen - zeitlose Bilder vorbei aus der weitgehend unbekannten Epoche, als sich hier am Kreuzungspunkt wichtiger Karawanenwege am Rand der Arabischen Wüste das Machtzentrum der Nabatäer befand, eines arabischen Volksstammes, dessen Kultur weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Umso ergreifender aber ist es, zweitausend Jahre später auf Wegen zu wandern, die noch genau in dem Zustand zu sein scheinen, in dem sie von ihren Erbauern verlassen wurden. Es sind genau solche Erfahrungen, die nur im Gehen entstehen können, wenn die Umgebung so direkt und pur wirkt, wie der nackte Fels, aus dem diese erstaunliche Stadt gemacht worden ist.

Mehr zu Petra und Jordanien erfahren Sie morgen am Sonntag in den Radioreisen in Bayern2 um 13.05 Uhr.

Karte: Petra

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Karte: Petra


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