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Sturmschäden im Karerwald Auswirkungen des Orkans Vaia für die Wandersaison

Es war die Nacht vom 29. auf den 30. Oktober letzten Jahres als südlich des Alpenhautkamms der Orkan Vaia tobte. Besonders schlimm hat es das Trentino und Südtirol getroffen: zunächst tagelang Starkregen, dann heftige Schneefälle in der Höhe und zuletzt massive Sturmschäden im Wald. 8,6 Millionen Festmeter Holz liegen in Südtirol am Boden, und so gibt es hier nun Landschaftsabschnitte, die man kaum wiedererkennt, weil die Bäume flächendeckend wie Streichhölzer umgeknickt sind, so auch im Eggental, das sich von Bozen hinauf zum Karerpass, zum Rosengarten und Latemar erstreckt.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 27.04.2019

Auswirkungen des Orkans Vaia für die Wandersaison | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Es war ein Jahrhundertereignis und noch immer ist die Betroffenheit groß bei den Einheimischen im Eggental ob der jetzt kahlen Hänge. Fichten hat es komplett entwurzelt, Lärchen und Zirben sind am Stamm umgeknickt.

Mikado-Spiel im Bergwald

Auch Egon Seehauser, Tourismuschef in Welschnofen, erinnert sich noch gut an die mondlose Sturmnacht, in der man es überall gespenstisch krachen gehört hat. Zwar ist der Paradeblick über den Karersee hinweg in den dunklen dichten Karerwald unter den bizarren Felstürmen des Latemar weitgehend intakt geblieben, doch wer sich umdreht und Richtung Rosengarten blickt, der sieht eine devastierte Berglandschaft mit ausgefransten Wurzelstöcken und zerborstenen Baumstümpfen. Auch die berühmten Haselfichten im Karerwald hat der Sturm getroffen - ein bei Instrumentenbauern in aller Welt begehrtes Klangholz, wie der Forstfachmann Bernd Pardeller erklärt, denn aufgrund der kurzen Wachstumsperiode zwischen Ende April und August sind die Jahresringe extrem eng und oft nur einen Millimeter auseinander, und genau das macht die Klangqualität aus.

Viel Holz vor dem Wald

Zum Glück war der Winter sehr mild und schneearm, so konnte sofort nach dem Jahrhundertsturm mit den Aufräumarbeiten im Wald begonnen werden. Auch die kommende Wandersaison wird vermutlich sehr laut zwischen Rosengarten und Latemar, denn überall wird noch mit Motorsägen gearbeitet. Allein im staatlichen Latemarforst gibt es so viel Holz zu bewältigen wie sonst in 17 Jahren, resümiert der Leiter der Forstschule Latemar David Knollseisen. Firmen und Sägewerke aus Deutschland und Österreich helfen mit, denn es muss schnell gehen, damit Blaufäule und Borkenkäfer keine Chance haben. Deshalb wünscht sich David Knollseisen, auch wenn das die Wanderer nicht freuen dürfte, einen möglichst kühlen und nassen Frühling und Sommer. Es braucht nun auch viel Geduld, denn bis wieder schlagfähige Bäume im Bergwald stehen, vergehen 200 bis 250 Jahre, denn das Land Südtirol setz überwiegend auf Naturverjüngung statt Wiederaufforstung.

Neuer Durchblick zur Rotwand

Aber es gibt jetzt auch Ausnahmen, denn zerstörte Schutzwälder müssen aus Sicherheitsgründen aufgeforstet werden. Wanderer und Bergsteiger sollten die markierten und wieder freigegeben Wege nicht verlassen und keinesfalls Umsturzflächen betreten, denn die noch nicht Bäume stehen unter enormer Spannung und das kann lebensgefährlich sein. Außerdem wird noch viel im Wald gearbeitet, weshalb einige Forstwege noch gesperrt bleiben werden oder nur eingeschränkt von Wanderern genutzt werden können. Tourismuschef Egon Seehauser aber ist zuversichtlich, dass spätestens Ende Mai die meisten Wanderwege wieder sicher und begehbar sind.

Karte: Der Karersee

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Karte: Der Karersee


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