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Mit spirituellem Proviant von Eschenlohe nach Garmisch-Partenkirchen Neuer Franziskus-Pilgerweg im Loisachtal

„Ich bin dann mal weg“ – so hatte der Komiker Hape Kerkeling seine Pilgerreise auf dem Jakobsweg überschrieben. Mit einem „Ich bin dann mal weg“ würden sicher auch viele in den anstehenden Pfingstferien ihre Rucksäcke packen. Aber die berühmten Pilgerrouten in Spanien oder Italien sind aktuell wegen der allgemeinen Reisebeschränkungen in der Corona-Pandemie nicht zugänglich. Wie gut, dass man fürs Pilgern gar nicht weit fahren muss.

Von: Antje Dechert

Stand: 30.05.2020

Mit spirituellem Proviant von Eschenlohe nach Garmisch-Partenkirchen | Bild: BR; Antje Dechert

Einen Ableger des italienischen Franziskuswegs gibt es zum Beispiel auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Wenn auch Pilgern in größeren Gruppen noch nicht möglich ist, alleine, mit der Familie, mit einer Freundin oder einem Freund kann man sich schon auf den Spuren von Franziskus auf den Weg machen und von Eschenlohe nach Garmisch-Partenkirchen wandern.

Auf den Wiesen entlang des Franziskusweges grünt und blüht es.

Los geht es oberhalb von Eschenlohe am Fuß des Estergebirges - und das gleich mit einem großartigen Blick auf Waxenstein und Zugspitze. Davor erstreckt sich ein großes Moorgebiet, das so genannte Pfrühlmoos, quasi die südliche Fortsetzung des Murnauer Mooses. Kühe grasen friedlich am Rand dieser jahrtausendealten Urlandschaft. Pilgerführer Benjamin Schwarz ist Biologe und Theologe und hat den Franziskusweg für das Kreisbildungswerk Garmisch-Partenkirchen konzipiert, und zwar entlang uralter Routen wie der Via Romea, über die Pilger schon im Mittelalter bis nach Rom gingen. Diese Route wurde im Loisachtal schon viel früher von den Römer genutzt als Handelsweg. Auch schon 2500 Jahre vor Christus gibt es Nachweise, dass hier ein Teil der Bernsteinstraße durchführte. So verläuft der Franziskus-Pilgerweg dann ab Farchant auf einem Teil dieses uralten Wegs.

Nördlicher Bereich der Sieben Quellen umgeben von Sumpf- und Bruchwäldern.

Auf dem Pilgerweg von Eschenlohe bis zum Franziskanerkloster Sankt Anton in Garmisch-Partenkirchen können die Wanderer ihre Sinne für die Natur im Alpenraum schärfen. Dabei hilft ein eigener Pilgerführer, der Anfang Juni als Buch erscheint – inklusive einer App samt Infos, die zum Download auf der Homepage des Garmischer Kreisbildungswerks zur Verfügung steht. Der Weg führt vorbei an Buckelwiesen, dann in die Sumpfwälder im Moorgebiet rund um die „Sieben Quellen“ im Loisachtal. Sie sind Lebensraum für unzählige seltene Tier- und Pflanzenarten wie zum Beispiel das Fettkraut, eine fleischfressende Pflanze, oder die Spargelerbse, die eigentlich im Mittelmeergebiet wächst, hier aber gedeihen kann, weil der Föhn immer wieder mal für warme Luft sorgt. 

Am Wegesrand blühen Akeleien

Das Wasser der Loisach rauscht, das Licht ist eigenartig gedämpft, in Wasserlacken spiegeln sich die Bäume. Wer mag, der kann auf dem Franziskusweg inspiriert von den Eindrücken aus der Natur auch immer wieder in sich Hineinhören, ausgestattet mit spirituellem Proviant des Heiligen Franz von Assisi. Geduld, Demut und Zeit braucht es auch, bis ein Geröllfeld bewachsen ist oder aus einem See ein Moor entsteht. Sinnbildlich kann dies für vieles im menschlichen Leben stehen. Durch die kontrastreiche Landschaft zwischen Geröllfeld und Hochmoor geht es vorbei an einem Wasserfall, über Streuwiesen und schließlich durch die Farchanter Föhrenheide bis zum Kloster Sankt Anton in Garmisch-Partenkirchen. Nach 16 Kilometern Strecke belohnt nun ein herrlicher Blick aufs Wetterstein-Gebirge alle Mühen.

Das Buch „Biologische Vielfalt trifft Schöpfungsspiritualität - die schönsten Pilgerrouten im Landkreis Garmisch-Partenkirchen“ von Benjamin Schwarz erscheint am 5. Juni im Oekom-Verlag und kostet 19 Euro.

Karte: Start bei Eschenlohe

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