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Die Silberroute der Kraniche in Spanien Wandern im Naturpark Moheda Alta in der Extremadura

Der Graue Kranich, lateinisch Grus Grus, fasziniert wegen seiner Schönheit und der spektakulären Balztänze. In der Antike waren die Kraniche Sinnbild für Klugheit und Wachsamkeit. Im Südwesten Spaniens, an der „Silberstraße“ in den Weiten der Extremadura, an den Stauseen in den Naturparks nahe der Grenze zu Portugal, überwintern rund 35.000 dieser stolzen Vögel, darunter auch Kraniche aus Deutschland.

Von: Christoph Thoma

Stand: 24.01.2020

Wandern im Naturpark Moheda Alta in der Extremadura | Bild: BR; Christoph Thoma

Im Dörfchen Navalvillar de Pela, gibt es im Infozentrum Videos und Vorträge, dazu Pirschgänge zu Schlaf- und Futterplätzen der Kraniche, bei denen man fast nebenbei auf eine stattliche Zahl von Geh-Kilometern kommt und die ein unvergessliches Erlebnis sind. Der Naturpark La Moheda Alta besteht aus fünf Stauseen, dem Guadiana-Kanal und mehreren Flüssen, die fächerartig zwischen jetzt abgeernteten Mais- und Reisfeldern verlaufen - ideale Bedingungen für Kraniche aus Mitteleuropa, die hier überwintern.

Ausguck für Kranichfreunde in Navalvillar de Pela

In China steht der Kranich für ein langes Leben, Weisheit, das Alter sowie die Beziehung zwischen Vater und Sohn. In Japan gilt der Kranich als ein Symbol des Glücks und der Langlebigkeit. In der Heraldik ist der Kranich das Symbol der Vorsicht und der schlaflosen Wachsamkeit. In der Dichtung steht er symbolisch für das Erhabene in der Natur. Friedrich Schillers berühmte Ballade „Die Kraniche des Ibikus“ kommt einem zwangsläufig in den Kopf, in der es heißt: „Schon winkt auf hohem Bergesrücken Akrokorinth des Wandrers Blicken. Und in Poseidons Fichtenhain tritt er mit frommem Schauder ein. Nichts regt sich um ihn her, nur Schwärme von Kranichen begleiten ihn, die fernhin nach des Südens Wärme in graulichtem Geschwader ziehn.“

Vor dem Auffliegen strecken Kraniche Kopf und Hals bogenförmig in Flugrichtung, um durch Stimmsignale den Abflug zu synchronisieren. Nach einigen Schritten stoßen sie sich vom Boden ab und fliegen mit ausgestrecktem Hals. Eltern nehmen Jungtiere zwischen sich. Die Flügelschläge gleichen sich an. Die Rufe der Kraniche sind für das Sozialverhalten wichtig. Man könnte sagen, sie reden miteinander, stimmen sich ab. Sie können bis zu dreizehn Stunden nonstop fliegen und erreichen dabei bis zu 65 km/h.

Biologe und Reporter Dirk Manderbach

Der Biologe und Journalist Dirk Manderbach bereichert unsere Gruppe mit genauer Kenntnis über das Verhalten der Vögel. Nachts suchen die Kranich-Schwärme flache Gewässer, die geschützt sind. Ihre Toleranzgrenze liegt bei etwa 500 Metern, das bedeutet also, sich in der beginnenden Dämmerung leise und vorsichtig heranzutasten. Wir wandern mit Bergführer Eduardo Mostazo durch die Dehesas, die schier endlosen, über den Hügeln der Provinz Badajoz wabernden Weideflächen für Schwarze Schweine, Schafe und Ziegen.

Vielzahl von Storchennestern

Ein Staatlich geprüfter Bergführer aus den Pyrenäen, der in der Extremadura zum Vogelkundler wird!? Carmen Frentiu arbeitet für das spanische Fremdenverkehrsamt und übersetzt auch Manuel Ortiz Lazaro aus Sancti Spiritus, ein Schafbauer, der sich gegen Pläne wehrt, in der Extremadura von extensiver auf intensive Landwirtschaft umzustellen, zum Beispiel beim Olivenanbau. Die Landschaft würde sich verändern und auch die Extremadura ärmer werden. Die Kraniche, die Störche und die Stare könnten ein beliebtes Winterquartier verlieren.

Kraniche steuern den Schlafplatz an

Während unserer Wanderungen wird deutlich, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Vogelparadies und der kleinteiligen Landwirtschaft gibt. Es hat mit der extensiven Bewirtschaftung durch Schafbauern und Schweinehirten zu tun, mit den noch vorhandenen Feuchtwiesen und mit dem reichen Nahrungsangebot, dass in vielen Dörfern auch noch Dutzende von Störchen nisten, mit bis zu zwanzig Nestern auf einem Kirchendach. Die Umgebung von Navalvillar de Pela ist eines der Epizentren auf der Winterwanderung der Kraniche. Trotzdem - die schönsten Erlebnisse muss man sich erarbeiten. Am frühen Morgen - es ist finster, kalt und klamm - machen wir uns im Nebel wieder auf und probieren unser Glück an den Futterplätzen der Kraniche, also an abgeernteten Mais- und Reisfeldern. Eduardo kennt die Wege zu gut platzierten Aussichtskanzeln.

Die Schwarze Madonna von Guadalupe

Der Südwesten der Iberischen Halbinsel ist ein beeindruckendes Naturparadies. 60 Gebiete stehen unter Naturschutz: Kastanienhaine, Steineichenwäldern und eine Kette von Stauseen. Die Extremadura ist ein Vogelparadies. 2000 Kilometer Wanderwege führen aber auch in die Römerstadt Mérida mit ihren antiken Theatern sowie in das mittelalterliche Cáceres, dessen Altstadt seit 1986 UNESCO-Weltkulturerbe ist oder nach Guadalupe, in das künstlerische und geistliche Zentrum der Region mit der berühmten Schwarzen Madonna im Real Monasterio de Santa Maria. Hier ist Christoph Columbus der katholischen Königin Isabella begegnet.

Wenn Sie sich selbst auf die Spuren der Kraniche begeben wollen oder eine Reise zum Kranichfestival 2019 planen - Auskünfte gibt es beim Spanischen Fremdenverkehrsamt Turespaṅa und direkt vor Ort unter www.navalvillar.com und www.tourismoextremadura.com

Karte: Navalvillar de Pela

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Navalvillar de Pela


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