3

Es weihratzt im Woid Geheimnisvolle Novembertour auf den Rachel

Im Oktober vor 50 Jahren wurde der Nationalpark Bayerischer Wald gegründet. Seither hat sich die Region dank des Parks weiterentwickelt, und zwar so sehr, dass der Besucheransturm an manchen Tagen die Parkplätze an den Rand der Belastungsgrenze bringt. Eines der beliebtesten Wanderziele der Region ist der 1453 Meter hohe Rachel. Neben dem Hauptweg auf den Gipfel kann man auch auf kleineren Pfaden und ungewöhnlicheren Rundtouren nicht nur den Urwald des Nationalparks erleben, sondern dabei auch abwegige Geschichten entdecken.

Von: Andreas Pehl

Stand: 14.11.2020

Es weihratzt im Woid – eine geheimnisvolle Novembertour auf den Rachel | Bild: BR; Andreas Pehl

Auf den Rachel geht es durch dichten, dunklen Wald, über Bäche und Felsen, durch von Sturm und Borkenkäfer leergefegte Felder, auf denen Fichtengerippe in den Himmel ragen.

Eine gerne begangene Tour führt über den Gipfel und weiter in Richtung Rachelsee, der im Volksglauben eine Heimstatt der Druden, der Hexen und der Teufel ist, wie Karl-Heinz Reimeier weiß. Der Heimatpfleger, Schriftsteller, Musiker und Geschichtensammler aus Grafenau ist schon seit vielen Jahren geheimnisvollen Geschichten auf der Spur: Er fährt zu den Menschen und sammelt Weihratz-Geschichten.  Im Woid weihratzt es schon seit jeher. Allein der Begriff hat viele hundert Jahre auf dem Buckel: Der Begriff „weizen“ bedeutet „als arme Seele umgehen“. Im Niederbayerischen ist daraus dann das Weihratzen geworden.

Vom Gipfel des Großen Rachel, des zweithöchsten Bergs im Bayerischen Wald nach dem Großen Arber, ist es nicht weit zur hölzernen Rachel-Kapelle. Sie steht auf einem Felsvorsprung hoch über dem Rachelsee. Wie ein dunkles Auge leuchtet der See aus den Baumwipfeln heraus – ein lebensfeindlicher Ort, denn das Gestein und der Wald sorgen dafür, dass sein Wasser so sauer ist, dass kaum Fische oder andere Wassertiere darin leben können. Kein Wunder, dass gerade in der Nähe eines solchen Sees unheimliche Kreaturen angesiedelt werden: Des Teufels Großmutter soll hier in der Gegend hausen, berichten die Brüder Grimm, und natürlich die Wecklin, eine Hexe, die nach ihrem Tod in den See verbannt wurde und den Holzhauern in der Dämmerung und im Nebel so manchen Streich spielt. Da wird es einem sogar am helllichten Tag ein wenig unheimlich, wenn es von der Rachel-Kapelle auf dem aufgelassenen Kapellensteig über Wurzeln und Felsen direkt ans Ufer des Sees geht!

Wer gerne die Region mit den Weihratzgeschichten entdecken möchte, die Karl-Heinz Reimeier gesammelt hat, kann das mit zwei Bänden aus dem Verlag „edition Lichtland“ tun. Genaue Informationen zur Tour und eine Wegbeschreibung gibt es zum Beispiel im Wanderführer Bayerischer Wald – kurz und gut von Eva Krötz, der vor kurzem im Rother-Verlag erschienen ist.

Wenn’s weihratz … Band 1

Geschichten aus der Zwischenwelt – Volkssagen aus den Bayerischen Wald. Autor: Karl-Heinz Reimeier, Verlag: edition Lichtland, ISBN:978-3942509329, Preis: € 16,80

Wenn’s weihratz … Band 2

Neue Geschichten aus der Zwischenwelt Autor: Karl-Heinz Reimeier, Verlag: edition Lichtland, ISBN: 978-3947171019, Preis: € 16,80

Bayerischer Wald

Cham – Bodenmais – Zwiesel – Freyung- Passau Autorin: Eva Krötz, Rother-Verlag, ISBN: 978-3-7633-4225-9, Preis: € 14,90

Karte: Der Rachel

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Der Rachel


3