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Ein fast vergessener Alpenfluss zwischen Brenner und Bozen Mythos Eisack

Ein Rauschen durchzieht das ganze Tal. Rechts und links blicken hohe Berge herab – viele Dreitausender, die Gipfel bis weit ins Jahr hinein schneebedeckt. Im Talboden bricht sich die Sonne glitzernd und lässt einzelne Windschutzscheiben aufblitzen. Tausende und abertausende Autos und LKWs rauschen Tag für Tag vom Brenner in den Süden. Die Autobahn beherrscht das Tal, das eigentlich einem Fluss gehört: dem Eisack, der oben am Brenner „aus schmaler Felsenkluft“, wie es im Südtiroler Heimatlied heißt, herausspringt und nach ungefähr 100 Kilometern bei Bozen in die Etsch mündet.

Von: Andreas Pehl

Stand: 23.08.2019

Ein fast vergessener Alpenfluss zwischen Brenner und Bozen  | Bild: BR; Andreas Pehl

Aber kaum jemand scheint den Fluss inmitten des Verkehrs zu bemerken. Schon am Brenner fließt der Eisack als Bach in Betonplatten gefasst in Richtung Süden.

Selbst Goethe jagte in der Postkutsche – damals noch staufrei – vom Brenner den Eisack hinunter, schnell in Richtung Süden

Selbst Goethe jagte in der Postkutsche – damals noch staufrei – vom Brenner den Eisack hinunter schnell in Richtung Süden und notierte: „Die Postillons fuhren, dass einem Sehen und Hören verging, und so leid es mir tat, diese herrlichen Gegenden mit der entsetzlichsten Schnelle wie im Fluge zu durchreisen, so freute es mich doch innerlich, dass ein günstiger Wind hinter mir her blies und mich meinen Wünschen zu jagte. Mit Tagesanbruch erblickte ich die ersten Rebhügel.“

Heute lösen die Betonstelzen der Autobahn das Problem, wo einst Reisende auf die Berghänge ausweichen mussten

Erst bei Brixen wird das Tal breiter, denn dort mündet die Rienz in den Eisack. Nicht einmal das gesamte Tal trägt seinen Namen, erst ab der Franzensfeste wird aus dem Wipptal das Eisacktal. Dabei waren die Ufer des Eisack seit über 6000 Jahren Siedlungsgebiet für die Menschen, war der Brennerpass die wichtigste Reiseroute über die Alpen: Ein Vorteil, den Reisende bis heute schätzen. Die Blechflut hat längst die Fluten des Eisack überrollt. Aber der Weg war nicht immer so bequem. Durch steile Schluchten tobte sein Wasser, der Talboden war stellenweise so eng, dass er nicht passiert werden konnte.

Heute lösen die Betonstelzen der Autobahn das Problem, wo einst Reisende auf die Berghänge ausweichen mussten. Der Eisack machte es den Reisenden schwer, militärischen Strategen hingegen leicht. Das bezeugen auch die vielen Burgen entlang des Flusses wie eben auch die markante Franzensfeste, Seit 2017 beherbergt die riesige Talsperre das Südtiroler Landesmuseum.

Wirklich schöne Stellen, idyllisches Plätschern oder gar Plätze, die zum Baden einladen, sucht man eher vergeblich am Eisack. Durch Brixen fließt er in einem Bett aus Beton, das die Stadt vor Überschwemmungen schützen soll. Selbst sein Rauschen wird vom Motorenlärm der Autobahn übertönt. Aber immerhin bleibt der Eisack ja im Südtiroler Heimatlied präsent, auch wenn er im Tal ein Schattendasein führt.

Karte: Quelle des Eisack

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Karte: Quelle des Eisack


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