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Unterwegs bei Dertingen an der Romantischen Straße Der Mundartweg in Tauberfranken

Dertingen an der Romantischen Straße ist ein sehenswerter „Grenzfall“. Auf der Gemarkung des hübschen Dorfs liegt der nördlichste Punkt Baden-Württembergs, aber vom Selbstverständnis und auch von ihrer Mundart her fühlen sich die Dertinger mehr ihren Nachbarn auf der bayerischen Seite der Landesgrenze verbunden. Jetzt ist der Weinort zwischen Tauberfranken und Unterfranken um eine Attraktion reicher, denn seit kurzem gibt es einen „Mundartweg“.

Von: Jochen Wobser

Stand: 10.04.2021

Unterwegs bei Dertingen an der Romantischen Straße | Bild: BR; Jochen Wobser

So also sieht ein Einstieg in den Dertinger Mundartweg aus: links Gärten mit Obstbäumen, rechts eine Gasse mit der alten Dorfmauer und dem Fachwerk-Rathaus aus dem 16. Jahrhundert. Hier steht eine Tafel zum Dertinger Dialekt: die Kostprobe eines „Kärwa-Zettels“. Gemäß der Kirchweih-Tradition wird dann das Ortsgeschehen vom ganzen Jahr resümiert und auch mal durch den Kakao gezogen.

Nadine Strauß, die Initiatorin des Mundartwegs.

Nadine Strauß und Ortsvorsteher Egon Beuschlein sind zwei von 900 Dertingern. Sie lieben ihr Dorf ganz im nördlichsten Zipfel Baden-Württembergs, der früher gern mal als „Badisch-Sibirien“ bezeichnet wurde - und sie lieben ihren Dialekt, der sie an Mainfranken anbindet und von den badischen Nachbarn unterscheidet. Nadine Strauß ist die Initiatorin des Dertinger Mundartwegs. Die 43-Jährige sammelt schon seit vielen Jahren Redewendungen, Lieder und Gedichte in ihrem Dorfdialekt und hat schon drei Wörterbücher herausgegeben - und jetzt hat sie, um ihre Freizeit im Corona-Lockdown sinnvoll zu nutzen, den bestehenden Dertinger Spazierweg zum Mundartweg gemacht, mit 22 neuen Tafeln entlang des Wegs. Die Tafeln besitzen keinen Vokabelheft-Charakter, bei dem neben einer Reihe mit hochdeutschen Begriffen dann die Dialektbegriffe stehen, sondern sind ansprechend gestaltet und thematisieren zum Beispiel den Wein- und Gemüseanbau oder die Blumen-Vielfalt.

Blick auf den Mandelberg, wo die Dertinger seit Jahrhunderten Wein anbauen.

Unser Begleiter auf dem Mundartweg ist der munter plätschernde Aalbach, der ein paar Kilometer westlich von Dertingen in den Main mündet. Vom Bachufer zieht sich der Südhang des Mandelbergs hoch, wo seit dem 13. Jahrhundert Wein abgebaut wird. Über 25 Rebsorten wachsen heute auf der Dertinger Gemarkung -  passenderweise gibt es auch eine Dialekttafel zu den „fünf Zuständen der Weinseligkeit“ von „Deawas“ über „Stöüwara“ bis zu einem „mords Drum Rausch“. Weinbeseelt besteht man möglicherweise ein bisschen leichter die Dialekt-Aufnahmeprüfung. Wir kämpfen mit den Wort Scheunentor, das hier “Schaüeretor“ heißt. Bei der „Aül“ handelt es sich um eine Eule. Die Buchstaben A und Ü zusammenbringen, ist nicht einfach, macht aber Spaß.

Eine alte Weinpresse im Dertinger Ortskern

So lässt sich also im Aalbachtal der Dertinger Dialekt erwandern. Wem im Verlauf des Mundartwegs die Wanderlust so richtig packt, der kann zum Beispiel weiter bis nach Homburg am Main auf der 12-Kilometer-Tour des Dertinger Weinwanderwegs marschieren. Begleitend zum Dertinger Mundartweg ist ein Heft mit sämtlichen Tafeln entstanden.

Mehr Infos dazu gibt es auf der Internetseite der Initiatorin unter www.nadinestrauss.de

Karte: Dertingen an der Romantischen Straße

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Dertingen an der Romantischen Straße


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