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Auf den Spuren von Eremiten, Piraten und Fischern Eine Küstenwanderung zur Penya Rotja auf Mallorca

Dass man interessante Wanderungen im Westen Mallorcas, in der Serra la Tramuntana, machen kann, hat sich mittlerweile herumgesprochen. Doch auch im Nordosten der Balearen-Insel, auf der Halbinsel Victoria, gibt es beeindruckende Küstenpfade mit spektakulären Aussichten, zum Beispiel von der Ermita de la Victoria bis zur Penya Rotja.

Von: Frauke Gerbig

Stand: 22.02.2019

Auf den Spuren von Eremiten, Piraten und Fischern | Bild: BR; Frauke Gerbig

Masio Vicenç steht mit mir am Ausgangspunkt der kleinen Wanderung auf dem Parkplatz der Ermita de la Victoria, einem ehemaligen Kloster aus dem 13. Jahrhundert.

300 Meter oberhalb des Meeres

Der kleine, von Energie strotzende Mallorquiner will mir seinen Lieblingsweg zeigen. Ich muss aber erst einmal tief durchatmen und mich umschauen. Erst am Morgen bin ich auf Mallorca gelandet und vom Licht, den Farben und Gerüchen der Balearen-Insel wie gebannt. Auf einem breiten Schotterweg steigen wir durch einen Kiefernwald in Serpentinen immer weiter nach oben, biegen dann auf einen schmalen Trampelpfad ab, der erst aufwärts und später dann in einen stetigem Auf und Ab am Hang entlangführt.

Aussicht auf Formentor

Auf einem kleinen Sattel breitet sich vor uns das türkisblaue Meer aus, die grandiose Aussicht reicht von der Bucht von Pollenca bis zur Halbinsel Formentor. Auch den El Pal, mit 434 Metern der höchste Berg auf Formentor, ist gut zu erkennen.

Masio

Während wir weiterwandern, erzählt Masio die Geschichte, warum die Menschen im 16. Jahrhundert eine Kanone auf den Penya Rotja hinaufgeschleppt haben.

Was heute Ziel und Attraktion für Wanderer ist, diente früher dem Schutz der Einwohner: Wurden von den Wachtürmen Piraten gesichtet, schossen die Soldaten eine Kanone ab und warnten so die Menschen. Der Küstenpfad schlängelt sich nun rund 250 Meter oberhalb des Meeres entlang.

Schmaler Pfad entlang der Küste

Kiefern, Kakteen und unterschiedliche Maccia-Büsche krallen sich an den steilen Berghängen fest. Bald sehen wir unser Ziel: die Penya Rotja, die roten Felswände. Die steil aufragenden Felswände hatten durchaus eine Bedeutung für den Alltag der Menschen früher. Es gibt die Penya de Megdina, den Tagstein, und die Penya Rotja, den Roten Stein. Wenn die Sonne über Polencia untergeht, wird der eisenhaltige Fels rot. Steht die Sonne im Zenith, dann produziert der Fels eine Schatten-Pyramide im Meer. Dann wussten die Leute, dass es jetzt Zeit ist für die Mittagpause.

Frauke Gerbig beim Durchschlupf

Schließlich gelangen wir zu einem schmalen Felstor, dem Überbleibsel eines Wachturms. Masio grinst verschmitzt und verschwindet im Inneren, ich folge ihm. Als würde eine neue Seite eines Buches aufgeschlagen, liegt vor mir die grün bewaldete Spitze der Halbinsel mit dem Cap Pinar. Es zählt zu den wichtigsten ökologischen Gebieten auf Mallorca und ist zugleich eine militärische Sperrzone, weshalb es kaum besucht wird.

Die Ermita de la Victoria

Hinter dem Felsdurchschlupf geht es auf einem steinigen und ausgesetzten Pfad weiter zu eine Plattform - ein Relikt der Wachmannschaften, die hier bereits im 16. Jahrhundert stationiert waren. Auch von hier hat man eine großartige Aussicht auf die Halbinsel und das Meer. Wer will, kann jetzt noch auf den Gipfel des „Kanonenberges“ steigen.

Karte: Ermita de la Victoria

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Karte: Ermita de la Victoria


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