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Wasser auf die Mühlen der Nachhaltigkeit Das ladinische Bergsteigerdorf Lungiarü

Zwischen dem Gadertal, Grödnertal und Villnösstal liegt das kleine Tal von Campill im Naturpark Puez-Geisler. Besser bekannt ist Campill vielleicht unter seinem ladinischen Namen Lungiarü. Anfang August letzten Jahres erhielt Lungiarü als zweiter Ort in Südtirol das Prädikat Bergsteigerdorf, nach Matsch im Vinschgau und vor dem dritten italienischen Bergsteigerdorf Val di Zoldo in den Belluneser Dolomiten.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 24.08.2019

Wasser auf die Mühlen der Nachhaltigkeit | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Abgelegene Almen und zwei Berghütten zwischen Antersasc, Doleda und Peitlerkofel, Bergbauernhöfe und artenreich blühende Bergwiesen, kleine Handwerksbetriebe und Pensionen und nur ein kleines Berghotel – das ist Lungiarü.

Willkommen in Lungiarü

An die 600 Einwohner verteilen sich auf den Hauptort und mehrere Weiler - Viles, wie sie auf Ladinisch heißen. Seilbahnen und Liftanlagen – Fehlanzeige. Zum Glück. Dabei wäre es fast anders gekommen für Lungiarü, erzählt Erwin Clara, Banker und Biolandwirt aus Passion. Schon in den 1940er-Jahren wollte ein Einheimischer ein großes Hotel und Liftanlagen im Campiller Tal bauen, ging aber pleite mit dem Vorhaben, sonst wäre Lungiarü noch vor den touristischen Hotspots Kronplatz und Alta Badia massiv erschlossen worden. So aber fließt Wasser auf die Mühlen der Nachhaltigkeit.

Der Agriturismo Lüch de Vanc in Seres

Die Mühlen mahlen langsam in Lungiarü. Sechs historische Kornmühlen stehen als Kulturdenkmäler im Mühlental zwischen den Weilern Seres und Misci, verbunden durch einen Wanderweg. Einst waren die Mühlen Gemeinschaftseigentum mehrerer Bauern, die im Herbst hier ihr Korn mahlen konnten und aufeinander angewiesen waren..Eine clevere Sozialkomponente gibt es auch in den Viles, den Weilern, deren Höfe sich dicht wie eine Wagenburg rund um den Dorfplatz mit Backofen und Brunnen schließen: Der Grund vor jeder Haustüre gehört einem Nachbarn, so dass bei Streitigkeiten ein Verlassen des Hauses nicht mehr möglich gewesen wäre und alle friedlich mit- und nebeneinander leben mussten, und das ist bis heute so. Die Roda dles Viles, der Weiler-Wanderweg, verbindet alle Ortsteile von Lungiarü.

Die nachhaltigen Trinkflaschen

Tradition und Gemeinschaft werden großgeschrieben, und seit Lungiarü Bergsteigerdorf ist, ziehen alle noch mehr an einem Strang, sagt die junge Einheimische Noemi Clara vom Arbeitskreis Bergsteigerdorf. Hier entstand auch die Idee zu einer nachhaltigen Trinkflasche aus Edelstahl, die in einer kleinen Manufaktur in Bruneck gefertigt wird. Wer nach Lungiarü kommt, kann seine Plastikwasserflasche zu Hause lassen, denn die formschöne Trinkflasche ist überall in Lungiarü für 9 Euro zu erwerben und das Wasser im Bergsteigerdorf und am Berg von bester Trinkqualität. Auch plastikfreie Speisekarten im Tal wie auf den Hütten und Almen, eingefasst mit Holz oder Lodenstoff, und viele durchdachte Kleinigkeiten mehr setzen das Thema Nachhaltigkeit vor Ort in die Tat um. Das unterstützt auch der Südtiroler Alpenverein. Das Auto kann man getrost stehen lassen in Lungiarü, sagt Bürgermeister Giorgio Costabiei, und direkt von der Ortsmitte aus zu Bergtouren und Wanderungen starten.

Zudem gibt es vom Gadertal aus gute Busverbindungen ins ladinische Bergsteigerdorf und mehr Informationen unter www.bergsteigerdoerfer.org/lungiarue

Karte: Lungiarü

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Karte: Lungiarü


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