22

Von der Litzauer Schleife nach Lechbruck Wanderung auf einer einsamen Lechweg-Etappe

Lech-Erlebnisweg, Lechhöhenweg oder auch nur Lechweg – gemeint ist dasselbe: der Wanderweg entlang des Lechs von Augsburg bis Füssen. Zwischen Schongau und Lechbruck, südlich von Burggen, befindet sich die Litzauer Schleife – ein Naturschutzgebiet und wahres Kleinod.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 30.05.2018

Von der Litzauer Schleife nach Lechbruck | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Engagierten Naturschützern ist es zu verdanken, dass die Litzauer Schleife in den 1950er-Jahren nicht einem Stausee weichen musste, so wie die Illasbergschlucht weiter oben bei Roßhaupten dem Forggensee. Eine einsame, aber wunderschöne Lechweg-Etappe führt von der Litzauer Schleife nach Lechbruck. Ausgangspunkt ist der Parkplatz am Rathaus in Burggen.

Das Litophon bei Dessau

Der Lech klingt interessant - an der Staustufe bei Dessau befindet sich das „Litophon“, ein Xylophon aus Lechkieselsteinen. Lechkiesel zum Anfassen hängen dagegen am Aussichtspunkt oberhalb der Litzauer Schleife bei Burggen. Wirklich gut gemachte Info-Tafeln erklären an der Litzauer Schleife den Fluss, die Flora und Fauna. Für sich allein spricht das Panorama: tief unten der türkisschillernde Lech, duftiger lindgrüner Auwald, dahinter die sattgrünen Wiesen der Moränenlandschaft und die Bergkulisse von den Ammergauer bis zu den Lechtaler und Tannheimer Bergen – und dazu ein Fernrohr, das im Sichtfeld alle Berge auflistet, von der Hochplatte über die Zugspitze und den Säuling bis zum Aggenstein.

Das charakteristische Lechtürkis

Die Litzauer Schleife mutet wildromantisch und naturbelassen an, ist für den Schwangauer Geologen und Lech-Experten Peter Nasemann aber dennoch ein Beispiel für einen Etikettenschwindel. Auch wenn hier der Bau einer Staustufe verhindert werden konnte, so hat der Lech in diesem Bereich seinen Wildfluss-Charakter verloren und ist ein reines Fließgewässer ohne Geschiebe. Doch auch ohne Lech-Krallen, sprich Geröll, lohnt die Wanderung von der Litzauer Schleife nach Lechbruck, obwohl der Wanderweg oft nicht direkt am Fluss entlang verläuft, sondern durch Wiesen und lichten Wald.

Der Biobauernhof Forchenmühle

Nach einer Dreiviertelstunde ist die idyllische Forchenmühle am Steinbach erreicht, ein Biobauernhof mit Hofladen und viel Geschichte wie Irmgard und Georg Bock erzählen. Die Forchenmühle liegt direkt an der Via Claudia Augusta, der Handelsstraße von Augsburg nach Venedig und war schon zur Römerzeit eine „Mansiones“, eine Raststation. Nur einen Kilometer entfernt befindet sich auch ein Meilenstein. Die Chronik der Forchenmühle reicht bis in das Jahr 1535 zurück. Schon immer waren hier eine Mahlmühle und ein Sägewerk. Tagsüber wurde gesägt, nachts gemahlen. Doch seit den 1920er Jahren stehen die Mühlräder still. Im liebevoll eingerichteten Hofladen gibt es die hausgeräucherten Forellen aus der eigenen Zucht und noch andere gute Sachen für eine Brotzeit: Schinken, Käse, Wildspezialitäten und exquisite Schnäpse vom Bodensee.

Wem noch eine Brotzeit fehlt, der wird fündig

Der Name Forchenmühle kommt übrigens von den „Forchen“, den vielen Föhren ringsum. Laut Sage soll einst auch eine Hexe aus dem nahen Schongau über den Forchenwald geflogen sein. Wie dem auch sei - so mancher Lechweg-Wanderer fühlt sich im Bereich der Forchenmühle schon mal wie verhext – der etwas irreführenden bzw. fehlenden Markierung wegen. Kein Wunder also, dass sich Wanderer hier immer wieder mal verlaufen und von Familie Bock dann wieder auf den richtigen Weg gebracht werden. Von der Forchenmühle geht es nun flussaufwärts auf der rechten Lechseite nach Dessau und weiter nach Lechbruck. Die kleinen großteils asphaltierten Sträßchen führen durch eine wunderbar wellige Wald- und Wiesenlandschaft, die auch viele Radfahrer schätzen.

Die Einkehr lockt

Von der Litzauer Schleife bis zum Oberen Lechstausee bei Lechbruck wandert man an die zweieinhalb Stunden und sollte dann die Einkehr im Cafè Seeblick bei Christine und Siegfried Mayer nicht auslassen. Die hausgemachten Kuchen sind jede Sünde wert. Christine Mayer bäckt nur mit Dinkelmehl, zaubert zur Zeit köstliche Erdbeer- und Rhabarberkuchen, wobei auch der Eierlikörkuchen mit Mohn oder Birne verführt. Wer lieber Herzhaftes mag, dem wird zum Beispiel ein warmes Floßbinder-Brot mit Kräutercreme serviert, das an die alte Flößertradition in Lechbruck erinnert.

Fast wie in Kanada: Ufer zwischen Litzauer Schleife und Schongau

Zurück nach Burggen geht es nun auf der Staumauer des Oberen Lechsees hinüber nach Illach und auf der anderen Seite des Lechs bis zur Staustufe bei Dessau und dann wieder hinüber zur Forchenmühle - vorbei an Föhren und Feuchtwiesen mit unzähligen, leuchtend violetten Knabenkräutern. Offen bleibt nur die Frage, welche Farbe der Lech hat: Zur Auswahl stehen Smaragdgrün, Türkis oder Blau. Die Meinungen der Wanderer gehen auseinander - ich wäre für Türkis!

Auf dem Lechweg von der Litzauer Schleife nach Lechbruck und zurück – da ist eine gute Karte angeraten, zum Beispiel die Kompass-Wanderkarte 179 „Pfaffenwinkel“. Das Cafè Seeblick am Oberen Lechstausee in Lechbruck hat von Freitag bis Sonntag von 13 bis 19 Uhr geöffnet, und im Hofladen der Forchenmühle darf man einfach klingeln.

Karte: Die Litzauer Schleife

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Die Litzauer Schleife


22