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Vielklang der Natur bei Regenstauf in der Oberpfalz Klangteppich der Wildnis

Hinausgehen in den Wald und dort die Ruhe genießen – das war und ist in der Corona-Krise ausdrücklich erlaubt. Doch was, wenn der nächste Wald weit weg ist, um die Ecke herum nur Straßenbahnen klingeln statt Vögel singen? Dann lohnt vielleicht eine Reise zum „Klangteppich der Wildnis“, und genau die machen zwei Regensburger Künstler möglich. Sie haben alle deutschen Nationalparks bereist vom Bayerischen Wald über die Sächsische Schweiz bis zum Wattenmeer und dabei zwei Jahre lang die Klänge der Nationalparks eingefangen.

Von: Kilian Neuwert

Stand: 23.04.2021

Über den Vielklang der Natur bei Regenstauf in der Oberpfalz | Bild: BR; Kilian Neuwert

Dabei sind sie auf altbekannte Geräusche und Laute gestoßen, aber auch auf Klänge, die dem menschlichen Ohr eigentlich verborgen bleiben.

Die Geräusche von Kaulquappen, die unter Wasser an Algen nagen, sind uns eher nicht so vertraut, bleiben sie dem menschlichen Ohr doch in der Regel verborgen. Sie sind Teil einer Welt, die sich unserer Wahrnehmung entzieht. Um ihnen auf die Spur zu kommen, braucht es moderne Technik und viel Geduld. Frank Wendeberg und seine Frau Ursula aber haben genau solche Geräusche in den letzten beiden Jahren eingefangen. Wie sie arbeiten, demonstrieren sie auf einem Streifzug durch heimische Wälder bei Regenstauf in der Oberpfalz – bepackt mit Kabeln, Kopfhörern und Mikrofonen, zum Beispiel mit einem Unterwassermikrofon, einem Surround-Mikrofon, das den ganzen Raumklang aufnehmen kann. Für andere Aufnahmen wie beispielsweise Fledermäuse eignen sich dagegen Ultraschallmikrofone. Kontaktmikrofone wiederum lassen Käfer in den Bäumen hörbar werden.

An einem kleinen Bachlauf machen die beiden Halt. Frank Wendeberg setzt Kopfhörer auf, lässt ein Mikrofon ins Wasser und stellt ein weiteres ans Ufer. Ursula Wendeberg schleicht ein paar Meter weiter, zückt ein Tablet und notiert, wo sie um welche Uhrzeit welche Vogelstimmen hört. Dabei genießen beide die Stille, die Natur, den Duft und eben die Geräusche. Sie arbeitet als Trainerin in der Erwachsenenbildung, er ist Tontechniker, Musiker, Produzent und Psychologe – und beide sind vielleicht am besten als Tonkünstler zu beschreiben. Zwei Jahre lang sind sie quer durch die Republik gereist und haben den spezifischen Klangteppich in den 16 deutschen Nationalparks eingefangen: typische Laute von den ganz kleinen Tieren bis hin zu den Großen, vom Knabbern der Borkenkäfer bis zum Röhren der Hirsche, vom Rauschen des Windes an der Küste bis zum Knarzen der Bäume im Bayerischen Wald. Immer wieder kam den beiden dabei ein Spruch von Antoine de Saint-Exupery in den Kopf: „Wenn du ein Schiff bauen willst, dann lehre die Leute nicht das Werkzeug zu bauen, sondern lehre ihnen die Sehnsucht über das Meer zu fahren!“ Genau das wollen die Wendebergs machen: Die Sehnsucht nach der wilden Natur wecken.

In der Regel ist der Mensch darauf fixiert, in unserer Welt die Dinge mit den Augen wahrzunehmen. Als Musiktherapeut und Psychologe arbeitet Frank Wendeberg aber auch viel mit Klängen und hat dabei gemerkt, dass diese oft einen sehr direkten Zugang zu unseren Gefühlen, zu unseren Emotionen haben. Deswegen sprechen gerade auch die Naturklänge ganz stark unser Herz an. Nach und nach ist das Paar so zu einem Experten-Team für Tierstimmen und Tierlaute geworden. Beim Streifzug durch ihren heimischen Wald erkennt Ursula Wendeberg sofort den Gesang des Buchfinkens oder des Rotkehlchens. Das ist wie ein Musikstück mit Wiedererkennungs-Effekt, sagt sie.

Außerdem haben sie den Klangteppich der Wildnis auf CDs gebrannt und stellen die 16 akustischen Streifzüge durch die bundesdeutschen Nationalparks auch zum Download zur Verfügung. Es sind 16 akustische Streifzüge durch die Nationalparks der Bundesrepublik. Frank Wendeberg hat zudem Musikstücke mit den aufgenommenen Lauten komponiert, unter anderem: „Mit dem Drosselrohrsänger durchs Odertal“. In Zeiten der Corona-Krise können sich so auch Stadtbewohner Klänge der nur eingeschränkt erreichbaren Natur ins Wohnzimmer holen - ein Nebeneffekt, den die beiden so nie geplant hatten.


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