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Paddel-Abenteuer auf dem Bayerischen Meer Kanuwandern auf dem Chiemsee

Nicht umsonst nennen wir ihn „Das Bayerische Meer“: Der Chiemsee ist der größte See in Bayern und der drittgrößte in ganz Deutschland. Und was gehört zu einem richtigen Meer? Natürlich Inseln! Drei ganz kleine Inseln hat der Chiemsee und drei größere Inseln: die unbewohnte Krautinsel sowie die beliebten Ausflugsinseln Herren-und Fraueninsel. Eine besonders beeindruckende Methode, diese Inseln zu besuchen, ist es, sich ein Boot zu nehmen, am besten ein Kajak.

Von: Bernd-Uwe Gutknecht

Stand: 01.08.2020

Paddel-Abenteuer auf dem Bayerischen Meer | Bild: Chiemsee Alpenland

Ganz schön weit schaut das aus, wo ich in meinem Kajak hin paddeln will: von Bernau hinaus zur Herreninsel. Aber Christian Kaufmann vom Surf-und Bootcenter in Bernau beruhigt mich und empfiehlt, ganz entspannt los zu paddeln.

Jakob Nein, Parkranger, ist nach eigener Aussage für alles verantwortlich, was grün ist

Der See ist an diesem Tag spiegelglatt, was das Paddeln einfacher macht. Immer der Boots-Nase nach sind es etwa eineinhalb Stunden bis zum kleinen Anlegeplatz auf der Herreninsel - ein auch zum Baden einladender Sandstrand an der Nordspitze. Hierhin hat mich Jakob Nein gelotst. Er ist, wie er selber sagt, für alles zuständig, was grün ist auf der Insel. Mit dem Parkranger gehe ich auf dem Uferweg spazieren. Wir sind in einem Auwaldbereich nahe am See sind mit entsprechenden Gehölzen: Erlen, Weiden, Pappeln - schnellwachsende Baumarten in dieser so genannten Weichholzaue.

Der barocke Schlosspark auf der Herreninsel

Die Runde um die ganze Herreninsel herum ist an die acht Kilometer lang. Ein kleiner Abstecher zum Schloss von König Ludwig II. muss natürlich sein, aber Jakob Nein mag die Insel am liebsten dort, wo nicht so viel los ist – und vor allem dann, wenn andere Menschen noch schlafen. Früh am Morgen oder abends, wenn das letzte Schiff abgefahren ist, lässt sich die Ruhe in der Natur besonders eindrücklich genießen. Auch für Kindern gibt es auf der Herreninsel viele Möglichkeiten: Baden, „Dschungeltouren“ durch den Wald oder sonstige Entdeckungsreisen oder eben Kajakfahren.

Der liebevoll gepflegte Klostergarten

Die zweite Etappe führt von der Herreninsel zur Fraueninsel. Selbst gemütliche Paddler brauchen dafür nicht mal eine halbe Stunde. Schon von weitem ist das Wahrzeichen zu sehen: der Campanile, der freistehende Kirchturm der Abtei Frauenwörth. Vom Anlegesteg an der Südspitze sind es nur ein paar Meter zur Kloster-Pforte. Eine der 19 Benediktinerinnen ist Schwester Magdalena. Die Natur, sagt sie, spielt hier auf der Insel für die Nonnen eine große Rolle. Sie wird gepflegt und gehegt, dazu kommt die unglaubliche Weite des Sees, gerade wenn man an der Ostseite der Fraueninsel wandert. Manchmal verschwimmt das Ufer mit den Bergen am Horizont. Es ist Schwester Magdalena nicht anzuhören und schon gar nicht anzusehen, dass sie 85 Jahre alt ist und seit 63 Jahren auf der Fraueninsel lebt, arbeitet und betet.

Nach einem oder auch zwei Stamperl Klosterschnaps verrät mir die Benediktinerin ein kleines Geheimnis: „Wenn im Sommer die Tage so lang sind und es schon um halb fünf Uhr dämmert, dann ziehe ich in der Früh meinen Badeanzug an, meinen Bademantel und die Badeschuhe, stecke meinen Klausurschlüssel in die Tasche und geh da hinten raus und schwimme meine erste Runde.“

Schwester Magdalena sind ihre 85 Jahre wirklich nicht anzusehen

Mit Schwester Magdalena hätte ich noch stundenlang über Gott, die Welt und Badeanzüge reden können, aber irgendwann muss ich zurück ans Festland. Von der Fraueninsel nach Bernau ist es nochmal eine Stunde im Kajak – und von der Surfschule dort zum verdienten Abendessen nur eine Minute zu Fuß. In der Fischräucherei von Dominik Minholz werden die Fische am Vortag eingelegt in Salzlake mit ein paar Gewürzen, die natürlich nicht verraten werden, und dann über Buchenholz geräuchert und dadurch veredelt. Wie sein Vater ist auch Dominik ein passionierter Chiemseefischer und zudem auch noch Koch. Auf seiner Speisekarte steht vor allem heimischer Fisch: Brachse, Aal, Hecht, Zander und Barsch. Das Wichtigste ist, mit frischen Zutaten zu kochen und den Fisch mit etwas Rosmarin, Petersilie oder Knoblauch zu aromatisieren. Auf die Frage, was Dominik der Chiemsee bedeutet, antwortet er kurz und bündig: „Heimat!“


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