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Naturpark ohne Schranken Wandern an Kaliforniens Küste im Salt Point State Park

Bei Kalifornien denkt man an die Weinberge im Napa Valley, an die Redwood-Mammutbäume oder an den Yosemite-Nationalpark in der Sierra Nevada. Aber dieser US-Bundesstaat hat auch eine mehr als tausend Kilometer lange Küste. Im Süden, in der Gegend um Los Angeles, besteht sie aus Badestränden, doch weiter oben im Norden ist sie ziemlich wild, schroff und kantig.

Von: Guido Meyer

Stand: 14.07.2018

Naturpark ohne Schranken | Bild: BR; Guido Meyer

Ins Wasser gehen kann man hier nicht, jedenfalls nicht wir Menschen, einige wilde Tiere schon. Wer oder was hier so alles lebt, kreucht und fleucht, lässt sich auf speziellen Wanderungen beobachten, die das Ein-Mann- oder besser Ein-Frau-Unternehmen Unbeaten Pathtours an der kalifornischen Küste anbietet.

Margaret Lindgren und ihre Wandergruppe müssen nur schnell den Highway Number One überqueren. Auf der anderen Straßenseite angekommen, sind sie auch schon mittendrin im Salt Point State Park. Der Naturpark am nördlichne Ende von Sonoma County hat keine Zäune und keinen Eingang, es geht direkt die Wiese hinunter zur Küste. Er ist einer der ältesten Naturparks in Kalifornien mit mehr als dreißig Kilometern Wanderwegen und vielen Campingplätzen. Sonoma County ist - neben dem Napa Valley – eines der beiden großen Weinanbaugebiete Kaliforniens. Hier an der Küste erinnert jedoch so gar nichts an Weinberge. Die schroffe Küste mit steilen Abhängen und Felsvorsprüngen spiegelt die raue Natur. Nur die bunten Blumen auf der Wiese bilden einen farbenfrohen Gegensatz zu den grauen und braunen Flanken, die ins Meer führen. Die rosa Farbe, die hier überall den Boden bedeckt, kommt von einer bestimmten Blume, die „Butter an Eggs“ genannt wird, also Butter und Eier. Manchen sagen auch John Tuck, wenn man nämlich genau hinschaut, erinnert die Blüte an Spiegeleier in der Pfanne. Die Blütenblätter sind statt rosa manchmal auch gelb und weiß wie Eigelb und Eiweiß. Und John Tuck ist vielleicht derjenige, der dieser Pflanze den Namen gegeben hat. Jedenfalls gibt es hier eines der größten Vorkommen der Butter-and-Eggs-Blüten in ganz Amerika, und zwar in allen farblichen Variationen. Die Wiesen vor der Küste sind mit rosa, gelben und weißen Blüten geradezu übersät. Der Grund für ihr prächtiges Gedeihen ist die Isolation dieses Küstenabschnitts.

Plattentektonik sorgt dafür, dass diese Gegend hier geografisch isoliert ist von der Außenwelt und damit auch von anderen, invasiven Arten, die sich hier ausbreiten und Schaden anrichten könnten. Man steht hier auf der Pazifischen Platte, der Gebirgszug im Hinterland trennt die Pazifische von der Nordamerikanischen Platte. Wo sich die beiden Platten treffen, reiben sie sich aneinander, drücken sie sich gegenseitig hoch, es entsteht ein Gebirgskamm, der jedes Jahr um drei Millimeter wächst. Die Felsen, auf denen man hier wandert, lagen einst unter Wasser. So ist der Salt Point State Park quasi eingekesselt von den tektonischen Verwerfungen des Sankt-Andreas-Grabens auf der einen und vom Pazifischen Ozean auf der anderen Seite.

Margaret Lindgren hat auf den Felsen einen Seehund erspäht - und der Seehund sie. Es ist eine Mutter mit ihrem Neugeborenen. Seehunde unterscheiden sich vom kalifornischen Seelöwen, denn sie bellen nicht. Seelöwen können auf ihren Flossen watscheln, Seehunde hingegen rutschen nur auf ihrem Bauch hin und her. Dennoch haben die Seehund-Mutter und ihr Nachwuchs einen der schroffen Steine vor der Küste erklettert. Von dort aus betrachten sie nun die Wandergruppe. Um Felsen zu erklimmen, warten die Seehunde auf die Flut. Dann können sie sich leichter auf die Felsplattform rollen. Wenn der Meeresspiegel dann etwa zwei Meter sinkt, sind sie erst einmal in Sicherheit vor Weißen Haien und vor den Orcas. Steigt der Meeresspiegel wieder ab, gleiten sie ganz leicht wieder von ihrem Felsen hinab ins Wasser.

Nicht nur die Tier- und Pflanzenwelt in diesem Küstenabschnitt ist vom Ozean geprägt, auch die Felsstruktur. Ist eine Gesteinsformationen jahrhundertelang brechenden Wellen ausgesetzt, hinterlässt das seine Spuren und die Felsen seltsame Blüten treiben. Der Sandstein hier sieht fast aus wie ein versteinerter Pilz. Sandstein ist sehr weich. Er wird ständig von Salzwassertropfen aus dem Ozean besprüht. Das Wasser verdunstet; das Salz bleibt zurück. Mit der Zeit erodiert der Sandstein und erhält so seine pilzförmige Struktur. Der Salt Point State Park ist ein Naturpark ohne Schranken, gleich neben dem Highway, umringt von Gebirgen und Ozean. Tier- und Pflanzenwelt haben sich hier eine ganz spezielle ökologische Nische geschaffen, die sich gut erwandern lässt.

Karte: Der Salt Point State Park

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Karte: Der Salt Point State Park


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