1

Auf Jakobsspuren Pilgern durch den Vinschgau

Jakobswege gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Vor allem die Zubringerwege zur Hauptroute erleben seit Jahren einen Boom und der ist auch am Vinschgau nicht spurlos vorübergegangen. In sieben Tagesetappen lässt es sich von Bozen über Meran und durch den Vinschgau bis nach Müstair in Graubünden auf Jakobsspuren wandern.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 10.04.2020

Pilgern durch den Vinschgau  | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Markiert ist der Vinschger Jakobspilgerweg durchgehend mit der Jakobsmuschel. Eine besonders schöne Etappe führt von Glurns über den mystischen Tartscher Bühel zum Kloster Marienberg bei Burgeis – eine meditative Wanderung. Der Südtiroler Kulturwanderführer und Sagenkenner Karl Perfler aus Goldrain hat den Vinschger Jakobspilgerweg erwandert und markiert.

Der Tartscher Bichl mit St. Veit

Insgesamt vier Jakobskirchen liegen am Vinscher Pilgerweg zwischen Bozen und Müstair. Die letzte ist die kleine Rundkirche St. Jakob in Söll bei Glurns. Von hier führt der Pilgerweg auf den sagenumwobenen Tartscher Bühel. Auch ihn schmückt eine romanische Kirche, allerdings ist sie dem heiligen Veit geweiht. Der steppenartige Tartscher Bühel mit seinem staubtrockenen Mikroklima ist ein ganz besonderer Hügel im Oberen Vinschgau, ein alter Kult- und Mysterienplatz, der auch Reste von rätoromanischen Häusern in sich birgt. Noch heute findet am ersten Fastensonntag das Scheibenschlagen am Tartscher Bühel statt.

Glühende Scheiben aus Birkenholz rollen den Hang hinab in Richtung Glurns. Reime mit Wünschen oder Liebeserklärungen werden ihnen hinterhergeschickt, bevor dann oben auf dem Tartscher Bühel die Strohhexe entzündet wird, um in alter heidnischer Tradition den Winter zu vertreiben.

Schon im Neolithikum besiedelt

Noch aber zeichnet sich die fahle Wintersonne hinter den Wolken ab. Schon allein der Ausblick vom Tartscher Bühel ist eine Wohltat für die Seele. Ortler und Königsspitze stehen vis-á-vis, wuchtig erhebt sich die Tschengelser Hochwand über dem Talgrund und die Winterstimmung zaubert mit ihren verschwommenen Tönen in Grauweiß und Graublau eine ganz eigene, magische Stimmung in die Landschaft.

Trockenrasen und Glimmerschiefer am Tartscher Bichl

Vom Tartscher Bühel führt der Vinschger Jakobspilgerweg dann über den Malser Unterwaal hinauf zur Malser Haide, ebenfalls kulturgeschichtliches Urland. Einst wurde hier Getreide angebaut, und dass die vielen Vogelbeerbäume alle nach Süden geneigt sind, hängt mit dem berühmten Vinschger Wind zusammen. Von fern sind dann schon die Glocken von Kloster Marienberg zu hören. Wie eine tibetische Vision klebt es schneeweiß am steilen Hang, hat so viele Fenster wie das Jahr Tage hat und ist ein Spiegel der barocken Blütezeit am Berg.

Abt Markus Spanier - 50. Abt von Kloster Marienberg

Abt Markus Spanier leitet als inzwischen 50. Abt das über tausend Jahre alte Kloster Marienberg. Die hier lebenden Benediktinermönche lassen sich auch von der Bergnatur ringsum inspirieren, von den Sonnenauf- und untergängen, von der Einsamkeit und Stille hoch oben am Berg. Vom Kloster Marienberg führt dann als letzte Etappe der sogenannte "Stundenweg" hinüber ins Val Müstair und zum Benediktinerinnen-Kloster St. Johann in Müstair. Acht mühsame Gehstunden, in denen man an 24 besinnlichen Schautafeln zum Thema Zeit vorbeikommt. Früher hieß dieser alte Saum- und Schmugglerpfad übrigens "Eselsweg".

Karte: Kloster Marienberg

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Kloster Marienberg


1