5

Auf dem St.-Wolfgangs-Pilgerweg von Böbrach nach Drachselsried Schneeschuhtour in die Frath

Das Zellertal im Herzen des Bayerischen Waldes ist im Sommer wie im Winter ein landschaftliches Kleinod. In einem schneereichen Winter wie diesem wird auch der St.-Wolfgangs-Pilgerweg, der von Regensburg auf einer West- und einer Ost-Route bis nach Böhmen hineinführt, auf einigen Abschnitten zu einer attraktiven Winter- bzw. Schneeschuhwanderung.

Von: Christoph Thoma

Stand: 19.01.2019

Auf dem St.-Wolfgangs-Pilgerweg von Böbrach nach Drachselsried | Bild: BR; Christoph Thoma

Als sportlicher Sonntagsausflug für die ganze Familie lohnt sich der besonders schöne Abschnitt von Böbrach in die Frath, eine baumlose, weite Hochfläche oberhalb von Drachselsried. Nach der geistigen Einkehr in der hoch gelegenen, aussichtsreichen Wolfgangs-Kapelle folgt dann die leibliche Einkehr in einem kleinen Gasthaus, das seit dem 13. Jahrhundert nachgewiesen ist und in dem der Schweinsbraten von der glühend heißen Platte eines uralten Holzofens kommt.

Die blaue Eins weist den Wolfgangweg

Böbrach ist ein Erholungsort im Bayerischen Wald. Die nächsten größeren Orte sind Viechtach und Bodenmais. In diesem besonders intensiven Winter überragen im Dorf die Schneehaufen sogar die Friedhofsmauer. Wegmarkierungen sind die rote Fünf und die blaue Eins, sagt Richard Windsor von der Tourist-Info Drachselsried. Die Zahl 5 auf rotem Grund weist in Richtung Frath, der blaue Einser kennzeichnet den Wolfgang-Pilgerweg.

Die Wolfgang-Kapelle von 1600

Die Tour beginnt mit einem Anstieg. Aus dem Auerkieler Winkel, in den sich Böbrach duckt, geht es in gut zehn Minuten hinauf an den Waldrand. Dunkel liegt der Wald über freiem weißem Feld, Hasenspuren verlaufen in jungfräulichem Schnee. Landschafts- und Naturführer Helmut Jungbeck stapft voraus. Er ist fast jeden Tag mit Gruppen in seinem „Woid“. Unser Weg wird schmaler, wir tauchen in den Hochwald ein und folgen einem Serpentinenpfad steil hinauf zur St. Wolfgangs-Kapelle, deren erste Anfänge um das Jahr 1600 beurkundet sind. Die Kapelle ist mit einem Gitter verschlossen, das sich aber leicht öffnen lässt. Dann schiebt man den Riegel zur Seite und die schwere Holztür schwingt auf. So können Beter jederzeit zu einer kleinen Andacht in das Kirchlein am Weg hineinkommen. Den Hochaltar schmückt das bunte Bildnis des Heiligen Wolfgangs, der Patron der Diözese Regensburg ist. Nach dem Besuch der Kapelle verschließen wir die Türe wieder sorgfältig, damit Kälte, Wind und Wetter dem Kirchlein keinen Schaden zufügen können.

Wir spuren abwechselnd

Weiter führt unsere Route durch den Hochwald mit Fichten, Tannen und Buchen. Es beginnt wieder zu schneien. Rhythmisch bewegen wir uns im Gänsemarsch auf dem breiten Forstweg. Wind kommt auf, die Schneeflocken bizzeln im Gesicht. Krähen krächzen in den Wipfeln, ansonsten aber ist es ganz ruhig. Nach zwei Stunden erreichen wir die Frath. In einem großen S wandern wir durch einen Hohlweg mit zu Skulpturen gefrorenem Buschwerk und dann über das weitgestreckte Plateau im Hochparterre des Erholungsorts Drachselsried. Die Auerhahn-Höhenloipe und drei Rundkurse bieten beste Bedingungen für Skater und klassische Langläufer. 66 Kilometer sind gespurt und die Höhenunterschiede für die Ambitionierten durchaus beachtlich.

Der Gutshof auf der Frath

Das Langlaufzentrum lassen wir Schneeschuhwanderer links liegen und zielen direkt auf den Gutshof in der Frath, der seit dem 13. Jahrhundert nachweislich in Besitz der Familie Geiger ist. Nikolaus Geiger erzählt, wie der Sage nach alles begann: Vor langer Zeit war der Graf von Nussberg zur Jagd. Im Wald wurde er von einem Bären bedroht. Ein Stierhüter namens Frao, der gerade seine Herde durch den Wald trieb, rettete dem Grafen das Leben, indem er den angreifenden Bären mit einem Holzpflock erschlug. Aus Dankbarkeit für seine tapfere Handlung schenkte der Nussberger dem Stierhüter diesen Berg. Er erlaubte ihm, sich hier anzusiedeln und als Freibauer das Land zu bewirtschaften. Frao musste also nicht, wie damals üblich, an den Adeligen Abgaben zahlen. Die Frath, was Freiheit heißt, war somit gegründet.

Hefe-Zimt-Schnitten als süßer Nachtisch

Gekocht wird beim Frath-Bauern auf einem historischen, mit Holz befeuerten Küchenherd. Die Platte glüht, Töpfe und Reinen werden darauf hin- und hergeschoben. Im Rohr brutzelt das Schweinerne, in der Pfanne wird gerade ein Rindssteak gewendet. Alles, was auf der Speisenkarte steht, vom Fleisch bis zum Apfelmus, wird selbst erzeugt. Als Nachspeise, bevor wir den 45-Minuten-Abstieg nach Drachselsried unter die Schneeschuhe nehmen, gönnen wir uns noch eine ganz besondere Spezialität: die Hefe-Zimt-Schnitten nach einem Rezept von der Oma.

Der St.-Wolfgangs-Pilgerweg zwischen Böbrach und Drachselsried kann – je nach Schneelage – in beide Richtungen mit Schneeschuhen oder auch ohne gegangen werden. Am Langlaufzentrum in der Frath gibt es die Möglichkeit, einen Rufbus für die Rückkehr zu bestellen. Böbrach und Drachselsried sind mit dem ÖPNV erreichbar. Alle Informationen gibt es unter www.arberland-bayerischer-wald.de und www.zellertal-online.de

Karte: Die Frath

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Die Frath


5