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Über den Henkersteig vom Frauenberg zum Galgenberg Hexen-Wanderung rund um Eichstätt

Die Bischofsstadt Eichstätt gilt als „Perle des Altmühltals“ und liegt romantisch an der Altmühl. Das Altmühltal ist vor allem beliebt bei Paddlern, Radlern und Wanderern auf dem Altmühltal-Panoramaweg. Was aber kaum jemand weiß - im „dunklen Mittelalter“ war Eichstätt eine Hochburg der Hexen-Verfolgungen. Seit diesem Jahr bietet die Stadt, wenn es die Corona-Lage erlaubt, geführte Wanderungen zu den historischen Hexen-Stätten an.

Von: Bernd-Uwe Gutknecht

Stand: 28.11.2020

Über den Henkersteig vom Frauenberg zum Galgenberg | Bild: BR; Bernd-Uwe Gutknecht

Unten im Tal läuten die Glocken des Eichstätter Doms. Ich stehe oben am Frauenberg mit Blick auf die Domtürme. Verabredet bin ich mit Mani Bauer, der viele Fakten zur Hexenverfolgung gesammelt hat.

An der Henkerskapelle durften die als Hexen verurteilten Personen ihr letztes Gebet sprechen

Wir schauen vom Frauenberg durch eine Lindenallee hinüber zur stolzen Willibaldsburg, wo einst die Hexenjäger des Hochstifts residierten. Die Frauenberg-Kapelle ist ein schöner Barockbau, die Linde mit ihren herzförmigen Blättern ein klassisches Symbol für die Jungfrau Maria. Vom Frauenberg führt ein Waldweg nach unten, auf halber Höhe kommen wir an einem anderen mystischen Ort der Eichstätter Vergangenheit vorbei: Ein Geheimorden hatte hier im 18. Jahrhundert eine Höhle in den Hang gegraben, das sogenannte Cobenzlloch. Vermutlich hat es den Illuminaten als Weih-Höhle für die Illuminaten gedient.

Aussichtspunkt am Schönblick. Die Willibaldsburg ist von überall her gut zu sehen

Wir verlassen den Mischwald und durchqueren Eichstätts Altstadt. Es geht vorbei am Rathaus, in dem die Hexenprozesse stattfanden. Im 15. und 16. Jahrhundert wurden etwa 220 Frauen und 30 Männer als Hexen bzw. Hexer verurteilt. Zuvor wurden sie in einem Kellerverlies bis zum Geständnis gefoltert. Außerhalb der alten Stadtmauer liegt ein liebevoll restauriertes Natursteinhaus, das seinerzeit dem am meisten gefürchteten Mann der Stadt gehört hat - dem Henker. Das Henkerhäusl oder Scharfrichterhäusl ist noch ein Teil der alten Stadtmauer, allerdings an die Außenseite der Stadtmauer angebaut, denn der Henker war nicht gut gelitten in der Innenstadt. Man hat ihn gebraucht, um eine unangenehme Arbeit zu erledigen, aber man wollte ihn nicht in der Mitte der historischen barocken Gesellschaft haben.

Das Hohe Kreuz wurde in Gedenken an die Toten einer Cholera-Epidemie errichtet

Die Verurteilten mussten am Henkerhäusl vorbeigehen bzw. wurden auf Holz-Karren vorbeigeschoben, wenn sie nach der Folterung kaum mehr gehen konnten. Der steile Anstieg wird auch Henkersteig genannt und führt auf den Galgenberg. Dieses kleine Hochplateau liegt gegenüber der Willibaldsburg. Auf der Wiese am Galgenberg wurden die Urteile vollstreckt und die Delinquenten zumeist auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Eine Henkerkapelle und ein Hexendenkmal erinnern an das unmenschliche Treiben der Kirche. Die als Hexen gebrandmarkten Personen durften an der Kapelle ihr letztes Gebet sprechen.

Vom Galgenberg wandern wir auf dem Hochplateau weiter und an Jurasteinbrüchen vorbei zum höchstem Punkt Eichstätts, dem Schönblick. Hier erinnert das sogenannte Hohe Kreuz an die Verstorbenen von Pest- und Cholera-Seuchen, die noch im 19. Jahrhundert grassierten. Von hier aus geht der Blick wieder hinab ins idyllische Tal mit der sanft dahinfließenden Altmühl. Die Wandertour zu den Stätten der Hexenverfolgungen rund um Eichstätt dauert je nach Varianten drei bis fünf Stunden. Details und Wanderkarten gibt es bei der Tourist-Info in Eichstätt.

Mehr über die Hexenverfolgungen im Hochstift Eichstätt hören Sie morgen am 29. November in der „Katholischen Welt“ von 8.05 bis 8.30 Uhr hier im Programm Bayern2.

Karte: Der Galgenberg

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Karte: Der Galgenberg


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