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Nach 150 Jahren mit dem DAV 150 Kilometer wandern "Gipfeltour" rund um Berlin

Ein aus alpiner Sicht besonderes Jubiläumsjahr geht zu Ende: 150 Jahre ist der Deutsche Alpenverein alt geworden. 2019 war auch das große Humboldt-Jahr mit dem 250. Geburtstag des berühmten Naturforschers Alexander von Humboldt. Beides trifft in Berlin zusammen:

Von: Georg Bayerle

Stand: 28.12.2019

Tegel war einer der Wohnorte der Brüder Humboldt und auch die DAV-Sektion Berlin gehört zu den ersten Sektionen des Alpenvereins, obwohl rund um Berlin von den Bergen weit und breit nichts zu sehen ist. Also hat die Alpenvereinssektion Berlin einen genau 150 Kilometer langen Rundwanderweg um die deutsche Hauptstadt angelegt und auch die höchsten „Gipfel“ miteinbezogen …

Nein, es gibt keinen Neuschnee und so kann die Alpenvereinsgruppe den Nordostgrat auf den Apolloberg auch seilfrei begehen, schmunzelt Bernd Schröder, Geschäftsführer der DAV-Sektion Berlin und einer der Initiatoren des Rundwanderwegs, dessen Maxime es ist, möglichst viele Gipfel einzubeziehen. Ganze 65,2 Meter ist der Apolloberg hoch – das soll ein Berg sein?

69 Meter - höher geht's praktisch nimmer

Aber ja, er ist der zweithöchste Gipfel im Bezirk Tegel und er hat Geschichte, denn im Bubenalter von 10 oder 11 sind hier schon die Brüder Wilhelm und Alexander von Humboldt hinaufgestiegen. Hier zwischen Tegeler See und Tegeler Forst ist vermutlich auch die Naturbegeisterung vor allem Alexander von Humboldts entstanden, der dieses Jahr seinen 250.Geburtstag gefeiert hätte. Seine Berichte vom Chimborazo und den Gebirgen Südamerikas haben wohl auch die Bergbegeisterung in Berlin mit entfacht, ohne die es wohl nicht so früh, gleich zur Geburtsstunde, eine Alpenvereinssektion gegeben hätte.

Das tote Holz lebt

30 Höhenmeter führen durch nasses Laub und über morsche Äste auf einen Buckel im Wald. Bernd Schröder hat Humor und den braucht man wohl als bergaffiner Berline, denn richtig schönen Schnee hat es hier seit Jahren nicht mehr gegeben – stattdessen schifft es in trostlos-grauem Schmuddelwetter. Aber tatsächlich finden die Hauptstädter hier draußen auch im Winter ihren Fluchtort in die Natur.

Zumindest der Name des Cafés verströmt alpines Ambiente

 Schwer von Wind und Wetter gezeichnet und ziemlich altersschwach steht die „dicke Marie“ da, eine Stieleiche - mit über 900 Jahren Naturmonument und vermutlich der älteste Baum der Hauptstadt. Nach Steinbock oder Gämse hält man hier vergebens Ausschau, doch Wildschweine verlustieren sich sogar innerhalb der Stadt. Es gibt auch Füchse, Biber und Waschbären, und die brandenburgischen Wölfe sind auch nicht weit weg. Zunächst schweift der Blick über zerborstene Baumstämme am Boden und über geradezu irrlichternd gefärbte Pilze, manche leuchten wie Sterne. Wieder einmal zeigt sich, wie gerade bei miesem Wetter im winterlichen Regengrau die Aufmerksamkeit für die kleinen Dinge am Wegrand erwacht. Ein echter Naturwald wächst auf dem welligen Gelände einer eiszeitlichen Moränenlandschaft. Die Erhebungen sind zwar nicht hoch, aber es geht ständig bergauf und bergab. So also verarbeitet der Berliner seine Sehnsucht seit 150 Jahren: auf 150 Kilometern durch die Landschaft rund um Berlin. Nach meiner persönlichen Erstbesteigung von zwei der höchsten Berliner Gipfel würde ich sagen: Die Geschichte lebt! Weitere 140 Kilometer rund um Berlin gilt es noch zu entdecken, aber erst, nachdem wir, durchnässt und durchgefroren, diesen unerwarteten Eindruck der Naturlandschaft zwischen Havel und Tegeler Forst verarbeitet haben.


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