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Wilde Wurzelsteige im Zauberwald und ein Aussichtsturm Auf den Geißkopf im Bayerischen Wald

Im niederbayerischen Landkreis Regen, wo der Vorwald in den „richtigen“ Bayerischen Wald übergeht, ragt hinter dem Breitenauer Riegel bei Bischofsmais der knapp 1100 Meter hohe Geißkopf auf. Zum Gebiet gehören auch Dreitannenriegel und Einödriegel. Den Geißkopf kennt man vor allem als Sportzentrum - als Mountainbike-Dorado im Sommer und als Ski- und Langlaufzentrum im Winter. Als Hausberg von Bischofsmais ist der Geißkopf aber auch ein attraktives Ziel für Wanderer, die um oder auf den Berg wollen.

Von: Christoph Thoma

Stand: 26.10.2019

Wilde Wurzelsteige im Zauberwald und ein Aussichtsturm | Bild: BR; Christoph Thoma

Wanderweg Nummer 4 führt um den Berg herum, es gibt aber immer wieder Möglichkeiten, auf mehr oder weniger langen Abstechern den Gipfel zu erreichen.

Gut markierte Wege

Ein ganz spezielles Geräusch begleitet noch hin und wieder die Wanderer im Bayerischen Wald:  Die Aufarbeitung der Schneebruch-Katastrophe vom Spätwinter noch nicht beendet, erzählt Michael Kramhöller, Vorsitzender der Waldvereins-Sektion Bischofsmais, beim gemeinsamen Aufstieg zum Geißkopf. Inzwischen haben wir die Skipiste, die MTB-Downhill-Runs und den Parcour zum Bogenschießen am Sportzentrum Unterbreitenau hinter uns gelassen und sind nach wenigen Minuten auf dem Wanderweg Nummer 4 ganz allein. Nach 45 Minuten auf dem Forstweg ist es wichtig, den Haken nach links nicht zu verpassen, der nicht ganz einfach zu finden ist, weil der Wegweiser rechts im Unterholz steht und der Weg schmal nach links führt.

Junger Mischwald

Nach etwas mehr als einer Stunde Aufstieg schluckt uns der Nebel. Blutweiderich oder Königskerzen wirken wie Wegweiser im den felsdurchsetzten Jungwald. Die Zeit der reinen Fichten- und Tannenwälder ist vorbei, die Stimmung mystisch. Man weiß ja nicht, wer einen gerade beobachtet: Hier oben, etwa 1000 Meter über dem Meer, gibt es den Luchs und drei Auerhahn-Paare. Der Luchs allerdings ist extrem scheu. Ihn zu treffen wäre ein ausgesprochener Glücksfall.

Biker kommen mit dem Lift

Nach eineinhalb Stunden und gut 400 Höhenmetern ist die Gipfelregion erreicht - und wieder ein entscheidender Abzweig. Man könnte zwar noch länger auf dem Wanderweg Nummer 4 bleiben und später zum Gipfel aufsteigen, doch die Route in Richtung Sessellift-Bergstation ist die kürzere und vor allem schönere. Noch eine viertel Stunde und wir hören das metallische Klappern des Sessellifts, der vor allem die passionierten Downhiller zum Startplatz Geißkopf bringt: Die Sessel haben einen Spezialhaken, in den das BIke gehängt wird. Beim Aussteigen nimmt ein Helfer dem Biker das Rad ab, und dann haben die Downhiller die Wahl zwischen mehreren – teils sehr anspruchsvollen - Talfahrten. Es gibt aber auch die Mountainbiker, die den Geißkopf-Lift konsequent ablehnen. Sie wollen sich plagen und freuen sich über das bayerwald-typische Bergauf-Bergab, wobei die Anstiege nicht endlos und meistens auch nicht zu steil sind.

Der Geißkopf-Aussichtsturm

Uns Bergwanderern fehlen jetzt noch 80 Stufen fehlen. Der hölzerne Aussichtsturm, von einer Schreiner-Meisterklasse als Abschlussprüfung gebaut, bringt uns auf über 1100 Meter. Der Geißkopf ist übrigens einer von insgesamt 18 „Tausendern“ im Arberland. Der Abstieg führt uns dann zunächst auf einem wilden Wurzelsteig in den Zauberwald. Hier befanden sich früher die Waldweiden des Dorfes Oberbreitenau. Gewaltige Schneelasten im Winter und der scharfe Böhmwind haben skurrile Baumgestalten geschaffen. In diese Märchenwelt wurden von zwei Holzhauern, die schon von Berufs wegen sehr gut mit der Kettensäge umgehen können, Tierfiguren gesetzt, die den Zauberwald zusätzlich beleben.

Das Landshuter Haus

Wir erreichen die Oberbreitenau, wo am Rande eines Hochmoors bis ins 20. Jahrhundert hinein das höchst gelegene Dorf des Bayerischen Waldes stand. 1930/35 wurden die letzten Häuser verlassen und die Bewohner zogen ins Tal. Nur noch die Grundmauern der alten Gehöfte erinnern an das Dorf. Jetzt ist es höchste Zeit für die Einkehr im „Landshuter Haus“. Wirt Peter Fischer empfiehlt den selbstgemachten Bienenstich, Pfifferlinge oder das im Bayerwald weltbekannte Glasl-Fleisch - gebratenes Schweinefleisch vom Nacken, das im eigenen Sud eingeweckt und im Einweckglas serviert wird. So gestärkt fällt der Abstieg leicht. Wir wählen den alten Kirchensteig von der Oberbreitenau über die Kapelle des Seligen Degenhart zur Talstation der Geißkopfbahn. Ganz nebenbei erzählt der Wirt uns beim Abschied noch, dass der Geißkopf seinen Namen daher hat, dass in der Gipfelregion einmal Geißen ausgesetzt wurden, die dann verwilderten.

Genaue Informationen über die vielen Outdoor-Sportmöglichkeiten am Geißkopf bei Bischofsmais gibt es unter www.bayerischer-wald.de  und www.arberland.de

Karte: Der Geißkopf

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Der Geißkopf


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