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Der Lenz ist da! Frühlingserwachen im Faulenbacher Tal

Das Faulenbacher Tal bei Füssen hat viele Fassetten. Die Mönche des Benediktinerklosters Sankt Mang haben hier einst Gips abgebaut. Als „Tal der Sinne“ bietet es einen Erlebnisparcour zum Fühlen, Sehen, Hören und Schmecken. Entlang der Faulenbacher Seen gibt es einen Land-Art-Pfad mit Kunstobjekten.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 25.02.2021

Frühlingserwachen im Faulenbacher Tal | Bild: BR, Andrea Zinnecker

Am oberen Ende des Faulenbacher Tals liegt der geheimnisvolle Alatsee, und die schon von den Römern genutzte Schwefelquelle – der „faule Bach“ - hat dem Tal seinen Namen geben. Und jetzt riecht es hier auch nach Frühling! Das spezielle Mikroklima im Faulenbacher Tal sorgt dafür, dass die Frühlingsboten hier früher als anderswo zu finden sind.

Blick über den Alatsee zum Tegelberg

Die Berge tragen eine schneeweiße Emaille-Glasur, die historischen Gipsweiher am Beginn des Faulenbacher Tals sind bereits aufgetaut, doch auf dem Alatsee im oberen Talschluss schwimmt noch Eis. An den Rändern allerdings beginnt das Eis zu tauen und in den Sträuchern am Ufer fühlt sich ein Eichelhäher sichtlich wohl. Nicht nur ihn beflügelt der nahe Frühling - es raschelt und zwitschert überall im Bergwald: Buchfinken, Zilp-Zalp, Rotschwanz und diverse Meisenarten sind nicht zu überhören. Der Schwarzspecht hat sich dagegen einige Baumstämme vorgenommen und die Rinde sorgsam geschält. Allerdings hält er nun seinen Schnabel - und das ist auch gut so, gilt der Schwarzspecht doch als Schlechtwetter-Prophet. Nun steht dem Sonnenschein nichts mehr im Wege. Wer den Frühling sucht, der findet ihn. Tatsächlich streift ein laues Frühlingslüftchen durch das Faulenbacher Tal hinauf zum Alatsee. Die Natur ist im Aufwind – und im „Aufbruch“ wie das Beispiel der zartvioletten Soldanellen zeigt, die sich regelrecht durch dünne Eis- und dicke Laubschichten bohren.

Es gibt viele Wanderwege

Auf dem Weg zum Alatsee geht’s im Faulenbacher Tal bald rechts hinauf in eine Steilflanke und weiter zum Hahnenkopf mit dem Zweiseenblick auf Weissensee und Alatsee und einem fantastischen Blick hinüber ins Ammergebirge sowie auf die Pfrontener Berge. Beim Abstieg vom Hahnenkopf zum Alatsee tauchen in den besonnten Südhängen die ersten Leberblümchen und Krokusse auf, dazu Seidelbast und Schneeheide. Schnee ohne Heide liegt dagegen noch auf der Schattseite des Alatsees nahe der österreichischen Grenze. Hier verlaufen auch die alten Schwärzerwege zwischen Bayern und Tirol. Nahezu alles wurde hier nach dem ersten Weltkrieg geschmuggelt, von Pferden über Tabak bis zur Nähmaschine. Höchstpersönlich soll damals sogar der Pfarrer von Vils in Tirol bei den Schmugglern eine Nähmaschine für seine Haushälterin „bestellt“ haben.

Am Ufer taut das Eis

Von ganz anderen dunklen Zeiten erzählt eine Betonplatte am Ostufer des Alatsees. Sie erinnert an Unterwasserschleppversuche für Ein-Mann-U-Boote, Torpedos und Raketen, die hier am abgelegenen Alatsee von einer Forschungsgruppe um Wernher von Braun in den 1940er-Jahren getätigt wurden. Im Gästebuch des Hotels Alatsee hat sich Wernher von Braun, der in wenigen Tagen seinen 100.Geburtstag feiern könnte, eingetragen. Bis 1950 war der Alatsee militärisches Sperrgebiet, da nach Kriegsende auch die US-Armee dem Treiben der Nazis im Alatsee auf die Spur kommen wollte.

Viele mysteriöse Geschichten kursieren rund um den Bergsee. Bis heute hat sich der über 30 Meter tiefe Alatsee jedenfalls eine geheimnisvolle Aura bewahrt. Kein Geheimnis aber ist die Krötenwanderung am Alatsee. Schon bald werden die Kröten ihren Frühlingsgefühlen freien Lauf lassen und von der Salober-Wiese herab ins Wasser rutschen - hinein in den Alatsee und in den faulen Bach mit seinen Schwefelquellen.

Karte: Faulenbacher Tal

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Faulenbacher Tal


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