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Artenvielfalt und Klimawandel im Nationalpark Berchtesgaden Neues Forschungsprojekt zur Klima-Erwärmung

Der Nationalpark Berchtesgaden ist nicht nur ein Naturjuwel und eine beliebte Wanderregion. Schon immer wird in dem Gebiet oberhalb des Königssees auch geforscht. Seit 2020 besteht eine enge Kooperation mit der Technischen Universität München (TUM), und in diesem Jahr ist das erste große gemeinsame Forschungsprojekt gestartet. Es soll die Auswirkungen des Klimawandels auf die Artenvielfalt untersuchen.

Von: Angela Braun

Stand: 17.06.2021

Nationalpark Berchtesgaden: Malaisefalle“ im Hochgebirge - Forscherinnen und Forscher erheben auf ausgewählten Flächen die Biodiversität des Nationalparks Berchtesgaden. So genannte „Malaise-Fallen“ dienen der Erfassung der Insektenvielfalt | Bild: Nationalpark Berchtesgaden

Nirgendwo ist der Klimawandel so stark messbar wie im Alpenraum. Da sind sich alle Klimaforscher einig. In den Alpen sind die Temperaturen in den vergangenen 100 Jahren mit 2 Grad Celsius doppelt so stark angestiegen wie im globalen Durchschnitt. Das ist auch im Nationalpark Berchtesgaden messbar, sagt Sebastian Seibold. Er ist verantwortlich für das neue Forschungsprojekt. Schon jetzt sind starke mikroklimatische Unterschiede zwischen Norden und Süden festzustellen, was bedeuten kann, dass Arten von der Alpennordseite auf die Alpensüdseite wandern und nicht nach oben.

Heuer hat das Frühjahr spät angefangen, doch in den vergangenen Jahren war es oft schon viel früher sehr warm und trocken. Auch die Sommermonate werden immer heißer. In der Folge verschiebt sich die Vegetationsperiode, das heißt, die Pflanzen blühen früher als noch vor 50 Jahren. Tiere und Pflanzen reagieren empfindlich auf diese Veränderung und wandern zu oder ab. Das kann man im Nationalpark besonders gut feststellen. Zwar betrifft der Klimawandel alle Ökosysteme. doch gerade in den Bergen gibt es starke Klimaunterschiede in Folge der Höhengradienten und Nord-Süd-Unterschiede. An der TU München wurde für diese zukunftweisende Forschung sogar ein neuer Lehrstuhl geschaffen, und zwar für "Ökosystemdynamik und Waldmanagement in Gebirgslandschaften".

Kennzeichnung der 215 ausgewählten Forschungsflächen im Nationalpark Berchtesgaden

Dabei soll vor allem die Veränderung der Ökosysteme in den Bergen beobachtet werden. Nur so kann man auch Maßnahmen ergreifen, um die lebenswichtige Biodiversität zu schützen, sagt Forschungsleiter Sebastian Seibold. Nationalparke sind dabei wichtige Lernorte, weil es dort einige der wenigen Plätze gibt, wo sich die Natur und die Prozesse unter geringem Einfluss beobachten lassen.

„Malaisefalle“ - in dem Netzgespann verfangen sich Insekten, die dann bestimmt werden.

Die Forscherinnen haben 215 Flächen in unterschiedlichen Höhen im gesamten Nationalpark ausgewählt. Jede Fläche hat einen Durchmesser von 25 Metern. Diese Kreise werden in den kommenden zwei Jahren im wahrsten Sinne des Wortes „unter die Lupe“ genommen, denn Pilze, Bodenproben, Vegetation und Insekten geben einen guten Überblick über die Artenvielfalt. Nach dem Vorbild von Wetterstationen soll die Artenvielfalt halbautomatisch erfasst werden. Die Studierenden sind aber auch immer wieder im Gelände unterwegs zu den Forschungsflächen, leeren dort die Insektenfallen, überprüfen die Audiorekorder und dokumentieren die Pflanzenwelt. Auch mittlere und große Säugetiere sind Bestandteil des Monitorings.

Ziel ist es, eine breite Datenbasis zu schaffen: Welche Arten kommen in welcher Höhenstufe vor, welcher Vegetationstypen gibt es. Nur auf Basis dieser Datenerhebung lässt sich erkennen, ob es im Nationalpark Berchtesgaden langfristige Veränderungen gibt. Die Daten aus diesem und dem nächsten Jahr sind Grundlage für langfristige Untersuchungen zur Biodiversität. Wer im Nationalpark Berchtesgaden wandert, entdeckt vielleicht zufällig so eine Forschungsfläche. Sebastian Seibold bittet darum, die Flächen nicht zu betreten, damit die Messungen nicht verfälscht werden. Denn die Ergebnisse kommen schließlich uns allen zugute.

Karte: Nationalpark Berchtesgaden

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Nationalpark Berchtesgaden


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