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Bergbauhistorische Tour im Fichtelgebirge Auf den Spuren der Bergleute im oberen Steinachtal

Neues erfahren und dabei eine schöne Wanderung machen - das gefällt Kindern ebenso wie Erwachsenen. Im oberen Steinachtal im Fichtelgebirge findet man noch zahlreiche Spuren des ehemaligen Bergbaus, der im 16. und 17. Jahrhundert seine Blüte erlebt hat. Ein gut ausgeschilderter Wanderweg führt zu den einstigen Stollen am Mittelberg, zu Versorgungswegen und Abraumhalden.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 08.11.2019

Auf den Spuren der Bergleute im oberen Steinachtal | Bild: BR/Ulrike Nikola

An den verschiedenen Stationen erklären Schautafeln alles Wissenswerte, so dass man den rund zweistündigen Rundwanderweg auch allein gehen kann - oder man nimmt an einer sachkundigen Führung teil, die von Vertretern des Warmensteinacher Verschönerungsvereins angeboten wird.

Blick in einen Stollen

Die Namen einiger Berge weisen schon auf den Bergbau hin, zum Beispiel der Dürrberg, der früher Thüringer Berg hieß, weil die Thüringer führend im Bergbau waren. Auch der „Eisenberg“ gibt einen Hinweis auf den Bergbau, ebenso der Mittelberg, über den der heutige Wanderweg auf den Spuren der Bergleute verläuft. An der Übersichtstafel am Freizeithaus in Warmensteinach beginnt die Tour mit Manfred Hensch vom Verschönerungsverein. Zunächst geht es entlang des ehemaligen Mühlgrabens vom Dorstschen Hammerwerk, wo früher das Erz kleingeschlagen wurde. Nächste Station ist das Löchleinstal - wie der Name schon sagt, gibt es dort zahlreiche Löcher, und dazu Unmengen Pingen und Ansätze von Stollen, so genannte Röschen.

Norbert Hedler, ebenfalls vom Verschönerungsverein, ist einer der Väter des bergbauhistorischen Wanderwegs. Bis das Projekt jedoch verwirklicht werden konnte, mussten viele zusammenhelfen: der Verschönerungsverein Warmensteinach, der Gemeinderat, der Naturpark Fichtelgebirge, der Forstbetrieb sowie der Geopark Bayern-Böhmen. Anhand von Schautafeln wird sichtbar, was man sonst leicht übersehen würde, zum Beispiel Hügel mitten im Wald, ehemalige Abraumhalden. Wo eine Abraumhalde ist, muss auch ein „Loch“ also ein Bergwerk sein.

Die Bergbauzeichen dienen als Wegmarkierung.

Am plätschernden Moosbach vorbei steigen wir hinauf auf den Mittelberg und folgen dabei den Wegweisern mit dem Bergbauzeichen - Schlegel und Eisen verkehrt herum, weil es ja keinen Bergbau mehr gibt. An der fünften Station kann man einen rekonstruierten Tagstollen betreten. Im Schein der Taschenlampe sieht man das Gestein, einen schmalen Erzgang und den Flussspat, den man hier abgebaut hat. Die Bedingungen für die Bergleute waren widrig, der Stollen ist 1.30 Meter hoch und nur 60 bis 80 Zentimeter breit – alles also eine mühsame Knochenarbeit.

An der nächsten Station dreht Norbert Hedler an einer Kurbel, einer so genannten Haspel mit Seil. Weil man den Abraum irgendwann nicht mehr über Leitern herausbringen konnte, musste er hochgekurbelt werden. Die Bergleute hatten dafür sogenannte Haspelknechte. Um die Stollen abzustützen, brauchte man Holz, und um das Erz zu schmelzen Holzkohle. Deshalb wurde der Wald zu Zeiten des Bergbaus abgeholzt wie man noch auf alten Zeichnungen sieht. Dank der Aufforstungen seit dem 19. Jahrhundert führt der Wanderweg heute wieder zwischen Lärchen und Fichten hindurch. Auch malerische Hohlwege durchziehen den Mittelberg. Hier haben sich die Räder der Pferde- oder Ochsen-Fuhrwerke tief in den Boden gegraben, wenn sie früher das Erz und Holz den Berg hinab und die Holzkohle hinauf transportiert haben. Der Spruch „Hals und Beinbruch“ soll von den Fuhrleuten kommen, denn ihre Tätigkeit war fast noch gefährlicher als die Arbeit unter Tage. Wir bewältigen zum Glück ohne Hals- und Beinbruch den bergbauhistorischen Wanderweg im Fichtelgebirge.

An den Stollen fühlen sich Feuersalamander wohl.

An der vorletzten Station, dem oberen Stollen Kropfbachtal, entdecken wir dann noch zwei Feuersalamander. Die freigelegten Stollen bieten einen guten Unterschlupf für Fledermäuse, Insekten, Blindschleichen und eben Feuersalamander. Nach rund zwei Stunden sind wir voll neuer Eindrücke wieder zurück am Ausgangspunkt in Warmensteinach.

Karte: Oberes Steinachtal

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Oberes Steinachtal


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