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Der Cami de Ronda an der Costa Brava Wandern von Bucht zu Bucht an der katalanischen Küste

Das „Mallorca-Prinzip“ gilt auch im Hinterland von Barcelona: Kaum ist man weg von den berüchtigten Bettenburgen an der Costa Brava, den Beton-Ghettos, schon folgt eine malerische Bucht der anderen, führen stille Pfade der Fischer und Schäfer durch üppig blühende Macchia aus Ginster und Zistrosen. Das Zauberwort heißt Cami de Ronda.

Von: Christoph Thoma

Stand: 16.03.2018

Der Cami de Ronda  | Bild: BR; Christoph Thoma

Auf diesem noch weithin unbekannten Küstenwanderweg an der Costa Brava findet man Strand-Schönheiten mit weiß gewürfelten Dörfern und mittelalterlichen Klosterburgen. Der Cami de Ronda verbindet die katalanische Ortschaft Portbou gleich hinter der französischen Grenze mit dem fast 200 Kilometer entfernten Ferienort Blanes in der Provinz Girona. Cami – das ist das katalanische Wort für Camino, also Weg.

Bergführer Natxo Carreras - ein Katalane

Die uralten Traumpfade entlang der Mittelmeerküste nutzten Fischer schon vor Jahrhunderten, um weltabgeschiedene Buchten und Nachbarorte auf dem Landweg zu erreichen. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts nutzte auch die Guardia Civil die Wege über den Klippen, um Schmugglern das Handwerk zu legen. Bergführer Natxo Carreras deutet auf die Felsküste hinter Cadaqués und auf Cap de Creus, den östlichsten Punkt Spaniens. Hier beginnt auch die Transpirenaica quer durch und über die Pyrenäen zum Atlantik. Die Felsen hier heißen Kamel, Adler, Löwe, Schildkröte, ihrer bizarren Gestalt geschuldet. Während der GR11 ins Land hinein zielt, bleibt der Küstenwanderweg Cami de Ronda am türkisgrünen Wasser und führt immer an und über den malerischen Buchten entlang.

Palastartige Villen und prächtige Gärten

Wir wandern wie Indianer hintereinander auf schmalem Pfad, weißrot markiert, drei Tage lang durch ein Paradies aus Kakteen, Steineichen, Oliven- und Mandelhainen. Erste Station ist der malerische Fischerort Port de la Selva. Weiße Häuschen schmiegen sich eng aneinander, so als würden sie gemeinsam vor dem Tramuntana-Wind Schutz suchen. Wenig später liegt uns die Steilküste des Massivs von Begur zu Füßen. Wir erreichen Calella de Palafrugell, eines der ursprünglichsten Pueblos der Costa Brava.

Am Cap de Creus - am Rande Spaniens

Anna Maria Dahm, Journalistin aus Köln, hat ihr Herz hier verloren, und sie empfiehlt bei der Mittagseinkehr in einer Strandbar unter bunten Markisen frische Calamari, kleine frittierte Fischchen oder – die Spezialität des Dorfes – Seeigel. Gut gestärkt geht es weiter, der Weg ist technisch einfach, weist aber viele Stufen auf. Steil ist der Anstieg zum Leuchtturm von St. Sebastian. Der Far de San Sebastià liegt etwas versteckt auf dem Berg Sant Sebastià de la Guarda, der die Buchten Llafranc und Tamariu trennt. Von oben hat man einen herrlichen Blick auf das Meer und die Strände. Der alte Festungsturm, der früher als Wachturm gegen mögliche Angriffe der Piraten Bedeutung hatte, dient heute als Aussichtsturm.

Von Traumbucht zu Traumbucht

Am Übernachtungsplatz Tamariu gibt es palastartige Villen mit prächtigen Gärten, die sich reich gewordene Heimkehrer aus Südamerika gebaut haben. Sie passen in diese Postkarten-Landschaft aus Pinienhainen, Macchia und Fischerbooten. Tamariu erhielt seinen Namen von den Tamarindenbäumen. Die beschauliche Promenade entlang des Strandes wird von aufgestockten, ehemaligen Fischerhäusern gesäumt. In der Bucht von Aiguablava, am Blauen Wasser, beginnt der letzte Anstieg. Die Küste ist tief eingekerbt, zerklüftet, wild. Überall finden sich Spuren der alten Iberer und von Archäologen ausgegrabene Befestigungen. Überall scheint Meer zu sein. Der Pfad schlängelt sich von Traumbucht zu Traumbucht - und egal ob man nun auf dem Hauptweg bleibt oder sich Abstecher vornimmt, etwa zum Benediktiner-Kloster Sant Pere de Rodes aus dem 9. Jahrhundert, der Cami de Ronda ist sicher einer der schönsten Küstenwanderwege im Mittelmeerraum.

Kloster Sant Pere de Rodes - die Gottesburg

Wandersaison auf dem Cami de Ronda ist fast ganzjährig. Im Hochsommer kann es allerdings sehr heiß und im Winter auch empfindlich kalt werden. Kultur-Wanderungen auf dem Cami de Ronda veranstaltet die kleine Agentur „Luna Trails“ von Anna Maria Dahm und Natxo Carreras in Verbindung mit „Guides Pyrenäen“ (www.guidespyrenaeen.com). Weitere Informationen gibt es unter www.camideronda.com

Portbou und Blanes


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