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Rucksackradio-Serie Wanderherbst Ein Tour zum Bodenschneidhaus

Viele Hütten im Hochgebirge schließen bereits jetzt. Andere – wie das Bodenschneidhaus über dem Schliersee bleiben noch geöffnet und bekommen gerade jetzt eine besondere Attraktivität. Wenn das Wetter nicht so toll ist, wenn es aus Kübeln schüttet – bis zum Bodenschneidhaus auf 1365 Meter schafft man es trotzdem. Aber Vorsicht: Montag ist Ruhetag!

Von: Georg Bayerle

Stand: 07.10.2017

Regentour zum Bodenschneidhaus | Bild: BR; Georg Bayerle

Überall rinnt und rieselt das Wasser

Die Dienstagswanderer

Grau, grauer, gräulich – ist das Wetter; ein vorgezogener Novembertag schon Anfang Oktober – ja, es kostet Überwindung aufzubrechen. Die oberbayerischen Seen – eigentlich ein Fest der Augen – von Regenschleiern verhüllt. Und es schüttet, als ich in Fischhausen am Bahnhof aufbreche. Überall rinnt und rieselt das Wasser. Nach einer halben Stunde kommen mir drei Herren von oben entgegen. Durch den Matsch eines kleinen Seitenwegs watet eine tropfnasse Wanderin – das war’s an Leuten auf dem Weg zum Bodenschneidhaus.

Zwei nasse Socken trocknen in der Hütte

Farbenspiele im Regen

Etwas passiert, wenn die Regentropfen nach ihrem Fall auf Blättern, Bäumen oder dem Waldboden aufschlagen: wie in tausenden Miniexplosionen setzen sie die herbstlichen Aromen frei. – Und da hat mich die Wanderin dann noch „arme Socke“ genannt – nasse Socke wäre treffender gewesen. Gleich zwei nasse Socken hängen dann später in der Hütte zum Trocknen. Zuvor aber hat die Almkönigin des Gebiets auf den letzten Metern Erbarmen mit der armen, nassen Socke und lädt mich in ihr abgewirtschaftetes weißes Auto – gleich zeigt sie mir in einer Wolkenlücke die Aussicht.

Nette Begegnung mit Marianne von der Unteren Krainsbergeralm

Die Almkönigin Marianne Schwab

An diesem Tag endet wieder ihr Almsommer – von denen Marianne mehr als 50 erlebt hat. Sie bringt die übrigen Gamswurzen und den Bergkäs zur Wirtin aufs Bodenschneidhaus. Solche Regentage hat sie unzählige erlebt und weiß: „ Wenn man verliebt war, hat einem der Regen überhaupt nichts ausgemacht, weil da hat man sich ja dann so richtig zusammengeschnuckelt. Und wir haben ja unter einem Regenschirm leicht Platz gehabt“.

Schad, da hab ich was verpasst! Und steh in der Tür des Bodenschneidhauses völlig durchnässt. „Wir nehmen auch nasse Leute“ – so begrüßt mich die Wirtin. Und so wird die Hütte zur Herberge: eine warme Suppe, ein Bier und das Gefühl bei Hildegard gut aufgenommen zu sein. An solchen Tagen trifft man die Leit und die Leit ham Zeit, nichts treibt, nichts drängt. Der „Malerherbst“ ist ein bissl melancholischer als an jenen goldenen Postkartentagen. Aber man spürt vielleicht viel mehr, was es heißt Da-zu-sein in den Bergen.

Weitere Schlechtwetterziele im Herbst

Verborgene Geschöpfe des Herbstes

Neben dem Bodenschneidhaus über dem Schliersee gibt es noch das Staufner Haus im Allgäu (bis 22.10.), die Kenzenhütte in den Ammergauer Alpen (bis 22.10.) oder das Spitzsteinhaus im Chiemgau (bis 4.12.), die noch offen haben und die man auch bei schlechtem Wetter wunderbar erreichen kann. Denn auch eine Bergtour im strömenden Regen hat was!

Wege zum Bodenschneidhaus

Vom Bahnhof in Fischhausen-Neuhaus gelangt man in maximal zwei einhalb Stunden zum Bodenschneidhaus. Zum Bodenschneidgipfel sind es nochmal dreihundert Höhenmeter – bei gutem Wetter hat man von hier einen wunderbaren Ausblick. Auf dem 128 Jahre alten Bodenschneidhaus kann man auch übernachten. 31 Lagerplätze gibt es auf der Alpenvereinshütte. Das Bodenschneidhaus hat den ganzen Winter über geöffnet. Vorsicht: Montag Ruhetag.

Das Bodenschneidhaus


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