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Vier-Tausender-Tour im Bayerischen Wald Eine Frühjahrs-Schneeschuh-Wanderung vom Arber zum Enzian

Auch der Bayerische Wald hat einen guten Winter hinter sich. Seit Dezember liefen die Lifte, die Loipen waren gespurt, Hotels, Hütten und Gasthöfe bestens gebucht. Noch immer liegt – zumindest in den Hochlagen des Arberlands zwischen Bodenmais und Zwiesel - so viel der weißen Pracht, dass Skitouren und Frühjahrs-Schneeschuhwanderungen bei besten Bedingungen möglich sind.

Von: Christoph Thoma

Stand: 28.03.2019

Arber: Gipfelbild mit Dame | Bild: BR/Christoph Thoma

Die Gondel der Arberbahn rumpelt wieder zu Tal. Die Pisten sind bestens präpariert, denn noch friert es jede Nacht. Von der Schneemenge her ist heuer der Betrieb bis Ostern gesichert. Wir verlassen die Bergstation und schnallen in gleißender Sonne die Schneeschuhe an. Kaum sind die Skifahrer weg, wird es ganz ruhig. Klaus Wölfl von der Sport-Alm Bodenmais kennt hier jeden Weg und jeden Steig. Zum 1465 Meter hohen Gipfel des Großen Arber führt für die Skifahrer ein Schlepplift, uns aber droht gleich ein Steilaufschwung. Der „König des Bayerischen Waldes“ hat eine fantastische Aussicht, sagt Wanderführer Thomas Weinberger. An guten Tagen reicht der Blick bis zu den Berchtesgadener Alpen - Arber grüßt Watzmann sozusagen. 

Klaus Wölfl kennt sich aus

Mit unterwegs auf der Tagestour über die vier Tausender vom Arber nach Schareben im Zellertal sind Monika und Reinhard aus Mainz, Stammgäste im Arberland, die seit vielen Jahren immer wieder kommen wegen der Landschaft, der Menschen und der vielfältigen Möglichkeiten zu wandern. Von den Antennenkugeln am Arbergipfel steigen wir gut 150 Höhenmeter hinunter in die Bodenmaiser Senke. Dass es hier – Ende März – noch immer fast zwei Meter Schnee hat, zeigen die Wegweiser, die für den Sommer gedacht sind und mit ihren Schildern nur knapp über die Harschkante lugen. Das „S“ für den „Goldsteig“ zeigt uns, dass wir auf der Königsetappe des Fernwanderwerges laufen, der sich durch den Bayernwald erstreckt. Seit 2018 gibt es auch eine böhmische Variante.

Der erfahrene Wanderführer Klaus Wölfl weist darauf hin, dass es ein wichtiger Beitrag zum Naturschutz ist, wenn wir uns mit den Schneeschuhen an die Route halten, die im Sommer der dann wieder sichtbare Wanderweg vorgibt. In diesen Korridoren sollen sich die Winterwanderer bewegen. Dem Auerhahn-Schutzgebiet am Arber ist es zu verdanken, dass die Population des vom Aussterben bedrohten Wappenvogels des Bayerischen Waldes wieder auf 240 Brutpaare angewachsen ist.

Die Chamer Hütte unterhalb des Kleinen Arber

Nach eineinhalb Stunden und einem durchaus steilen Aufstieg in Serpentinen durch den weichen und verblasenen Schnee, vorbei an der Jausenstation Chamer Hütte, erreichen wir den Gipfel des Kleinen Arber und rasten auf aperen Felsen in gleißender Sonne. Wir schauen auf der einen Seite hinaus in den Gäuboden, die Kornkammer Bayerns, und auf der anderen Seite ins Künische Gebirge, zu den Osser-Gipfeln und tief hinein nach Böhmen. Wenn man hier oben sitzt, auf dieser Aussichtskanzel, dann wird auch deutlich, dass Böhmerwald und Bayerwald früher eins waren - genauer gesagt, dass man nur vom Böhmerwald gesprochen hat. 

Immer am Grenzkamm Niederbayern-Oberpfalz entlang, stapfen wir rhythmisch über Schachten und Windwurf-Gelände auf den Enzian zu, unseren dritten Tausender. Der Berg hat den Namen von den Blumen, die hier nach der Schneeschmelze zu finden sind. Der Kleine Arber ist 1384 Meter hoch, der Enzian 100 Meter niedriger und der Heugstatt misst 1262 Meter. Zwischen den Bergen, das ist der sportliche Aspekt, geht es immer um die 150 Höhenmeter runter und rauf. Klaus Wölfl meint dazu, die Tausender im Bayerischen Wald seinen eben durchaus Berge, „die man sich erarbeiten muss“. Im Sommer gibt es sogar eine Tourenlinie über acht Tausender. Da ist man dann aber schon acht bis zehn Stunden unterwegs.

Die Bäume schlagen aus ... bald!

Immer wieder sehen wir gebogene Stämme und Bäumchen, bei denen sowohl Stamm als auch Wipfel (noch) im tiefen Schnee festgebacken sind. Beim Abstieg vom Enzian, den ein nagelneues Gipfelkreuz krönt, erklärt Thomas, woher eigentlich der Ausdruck kommt „Im Frühjahr schlagen die Bäume aus“. Im Frühjahr schnellen die Wipfel der jungen Fichten - vom Wind gebogen und von der Schneelast gebeugt - im Zuge der Schneeschmelze in ihre Ausgangsstellung zurück - sie schlagen also aus.

Blick weit hinaus ins Land

Nach fünf abwechslungsreichen und aussichtsreichen Stunden, die Gipfelrast am Kleinen Arber und Fotostopps eingeschlossen, sind wir am Ziel. Auf der Terrasse der vom Bayerischen Waldverein betriebenen, 1010 Meter hochgelegenen urigen Berghütte Schareben lässt es sich gut Bilanz ziehen: 11,5 Kilometer Strecke, 600 Höhenmeter im Auf- und Abstieg.

Von Bodenmais kann man die Talstation der Arber-Gondelbahn mit dem Linienbus erreichen. Von der Berghütte Schareben bzw. Drachselsried zurück nach Bodenmais kommt man mit Umsteigen ebenfalls „öffentlich“. Alle Informationen gibt es unter www.arberland-bayerischer-wald.de und  www.ostbayern-tourismus.de .

Karte: Bayerischer Wald

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Karte: Bayerischer Wald


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