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Auf den Spuren des Barockbaumeisters rund um die Basilika Gößweinstein Der Balthasar-Neumann-Wanderweg

Einer der bekanntesten Barockbaumeister ist Balthasar Neumann. Er hat auch die Würzburger Residenz geschaffen, die zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Aber auch herausragende Kirchen zählen zu seinen Werken – nicht nur die Basilika Vierzehnheiligen im oberfränkischen Bad Staffelstein, sondern auch die Wallfahrtskirche in Gößweinstein in der Fränkischen Schweiz, die als bedeutendste Dreifaltigkeitskirche Deutschlands gilt. Dort gibt es zu Ehren des Barockbaumeisters auch den Balthasar-Neumann-Rundwanderweg, der herrliche Ausblicke auf die Basilika, die Burg und die Felslandschaft bietet.

Von: Ulrike Nikola

Stand: 02.04.2021

Auf den Spuren des Barockbaumeisters rund um die Basilika Gößweinstein | Bild: BR; Ulrike Nikola

Die Wallfahrtskirche zur Heiligen Dreifaltigkeit in Gößweinstein steht im Mittelpunkt dieser Wanderung, denn der Balthasar-Neumann-Wanderweg ist so angelegt, dass man das Barockjuwel von mehreren Aussichtpunkten und somit aus verschiedenen Perspektiven bestaunen kann.

Kreuzberg - Ziel der Pilger

Den Wanderern gefällt aber auch das Auf und Ab des Wegs und die Ruhe in der Natur. Burgberg, Kreuzberg, Gernerfels – über Stufen und Treppen, Pfade und kleine Straßen geht es rund um Gößweinstein auf den Spuren des Barock-Baumeisters Balthasar Neumann. Zum einen war er ein begnadeter Architekt, zum anderen hatte er das Glück, dass er zum Haus- und Hof-Baumeister des wohlhabenden Adelsgeschlechts der Schönborns auserwählt wurde - eine glückliche Verbindung von finanzstarken Auftraggebern und herausragendem Talent und Genie, wie der Basilika-Organist Georg Schäffner resümiert, der normalerweise auf Kirchen-Führungen vor seinen Konzerten den Besuchern von der Geschichte erzählt.

Jesus bittet, dass der Kelch an ihm vorübergehe

Mit der Wallfahrtsbasilika in Gößweinstein schuf Neumann den Idealtyp des barocken Sakralraumes. Das wird besonders deutlich in der Verschmelzung von Chorraum, linken und rechten Seitenraum. Im Grundriss ergeben diese drei Räume die Form eines dreiblätterigen Kleeblatts als Symbol für die Dreifaltigkeit. Auch die Kirchtürme und die in drei Felder gegliederte Fassade sind ein Sinnbild der Trinität. Im Innenraum gibt es – typisch für den Barock – eher konkav geschwungene Formen statt kantige Linien. 1729 – also vor rund 300 Jahren - war Balthasar Neumann vom Fürstbischof mit dem Neubau der Basilika in Gößweinstein beauftragt worden. Nach Ende des Dreißigjährigen Krieges kamen immer mehr Gläubige zur damaligen Marienkirche, die nur knapp halb so groß war wie die heutige Basilika und schnell zu klein wurde.

Unterwegs mit Georg Schäffner

Hinter der Wallfahrtskirche ragt der Kreuzberg empor. Er ist noch heute das Ziel vieler Pilger, die zuvor den Kreuzweg mit 14 Stationen hinauf beten. Hier führt auch der Balthasar-Neumann-Rundwanderweg entlang. Auf halbem Weg ist die Ölberg-Grotte zu sehen, die sich landschaftlich wunderschön in die hoch aufragenden Karstfelsen eingefügt, die für die Fränkische Schweiz so typisch sind. Die Ölberg Grotte erinnert an die biblische Szene von Jesus und den schlafenden Jüngern, als Jesus im Gebet war, kurz bevor er gefangen genommen und ans Kreuz geschlagen wurde. Der Engel oberhalb der Darstellung hatte früher einen Kelch in der Hand – gemäß dem Zitat „Möge der Kelch an mir vorübergehen“ aus dem Matthäus Evangelium. Allerdings wurde dieser Kelch gestohlen.

Ölberggrotte auf dem Balthasar-Neumann-Weg

Kamen die Pilger einst am Ende des Kreuzwegs an, machten sich viele an dem hohen Holzkreuz zu schaffen – nicht ohne Grund. So ist überliefert, dass herausgebrochene Holzstückchen bei wunden Zähnen als Zahnstocher verwendet wurden und die Zahnschmerzen geheilt haben sollen. Einem Pfarrer wurde dieses Treiben aber zu bunt, weshalb er um 1900 das Holzkreuz durch ein Kreuz aus Stahl ersetzen ließ. Vom stählernen Hochkreuz auf dem Kreuzberg hat man einen wunderschönen Blick auf die Wallfahrtskirche und die Burg Gößweinstein. Für den Rundwanderweg auf Balthasar Neumanns Spuren sollte man gut eineinhalb Stunden einplanen plus genügend Zeit, um die Basilika zu besichtigen und auch die besondere Spiritualität dieses Ortes auf sich wirken zu lassen.

Karte: Gößweinstein

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Karte: Gößweinstein


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