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Paläontologische Wanderung über den Auerberg Austern und Haifischzähne am Schwäbischen Rigi

Er ist 1055 Meter hoch und genau über seinen Gipfel mit der Georgskirche verläuft die Grenze zwischen Schwaben und Oberbayern. Viele kennen den „Schwäbischen Rigi, den Auerberg zwischen Stötten im Ostallgäu und Bernbeuren in Oberbayern - ein toller Aussichts- und Wanderberg im Voralpenland, gerade jetzt im Frühling, und geschichtsträchtig dazu.

Von: Andrea Zinnecker

Stand: 05.04.2019

Paläontologische Frühlingswanderung über den Auerberg | Bild: BR; Andrea Zinnecker

Die Kelten, die Römer, die vielen Sagen – all das ist bestens bekannt. Dass der Auerberg aber auch eine spannende geologisch-paläontologische Seite hat, das wissen nur Insider wie zum Beispiel Tobias Klöck aus Kaufbeuren. Immer wieder mal führt der Geologe aus Leidenschaft eine paläontologische Wanderung über den Auerberg.

Der Weg ist nicht zu verfehlen

Wie heißt es doch in der Dreigroschenoper von Bert Brecht: „Und der Haifisch, der hat Zähne ..“ - und ein paar davon hat er auch am Auerberg verloren. Haifischzähne, Austern, Herz-, Venus-, Jakobs- und Stangenmuscheln – all das lässt sich in versteinerter Form bei einer Überquerung des Auerbergs von West nach Ost finden. Der „Hängende Stein“ bildet den westlichen Eckpunkt des Auerbergmassivs, direkt an der B 16 und besteht aus Oberer Meeresmolasse, die sich hier vor 20 Millionen Jahren abgelagert hat. Eine Besonderheit sind die versteinerten Rippelmarken, die in ihrer Wellenform an das einstige Meer erinnern. Mit etwas Glück und Gespür lassen sich auch am Hängenden Stein kleine schwarzglänzende Haifischzähne finden.

Links oben die markanten Riffelwellen

Vom Hängenden Stein geht es nun hinein nach Stötten und auf dem gut ausgeschilderten Römerweg hinauf nach Bachtal - ins Bacht’l wie die Einheimischen sagen - und zum kleinen Wasserfall des Hebrabachs. Der vom Auerberg herabfließende Bach hat sich schluchtartig in die weichen Sandstein- und Lehm-schichten eingegraben und oberhalb von Bachtal ein kleines paläontologisches Paradies geschaffen. Überall sind Steine mit fossilen Abdrücken zu sehen – eine wahre Fundgrube. Austern und Haifischzähne sind Boten der Vergangenheit, Buschwindröschen, Huflattich und Schlüsselblumen Boten des Frühlings.

Erste Schlüsselblumen bahnen sich den Weg

Sie begleiten die Wanderung hinauf zum Auerberg und auf dem Jägersteig hinab in Richtung Bernbeuren zur Ellensberger Wand am Ostabhang des Auerbergs - das paläontologische Highlight der Wanderung schlechthin. Das Ellensberger Muschelkonglomerat ist durchsetzt von Kieselsteinen und Muschelkalk. Von hier stammt auch der berühmte Haifischzahn, der heute im Stadtmuseum Kaufbeuren zu sehen ist und mit dem die paläontologischen Entdeckungen vor rund 100 Jahren am Auerberg begonnen haben. Auch Jakobsmuscheln sind in der Ellensberger Wand versteinert, auch wenn damals noch nicht absehbar war, das über den Auerberg einmal eine Variante des Jakobswegs führen wird.

Das Auerberg-Delta

Bei aller Leidenschaft für die stummen Zeugen der Vorzeit, sollte man aber nicht vergessen, den Blick vom Boden zu heben und das herrliche Panorama zu genießen, das sich von diesem einzigartigen Meeresmolassehügel namens Auerberg aus bietet: Es reicht vom Hörnle bei Bad Kohlgrub über die Ammergauer Gipfel und den Säuling bis hinein in die Lechtaler Alpen.

Blick ins südliche Ostallgäu

Zur Einkehr empfiehlt sich übrigens der Panorama-Gasthof direkt unter der Georgskirche am Auerberg. Er hat täglich von 10 bis 21 Uhr geöffnet und allein die opulenten Bauerntorten sind jede Sünde wert – Informationen unter www.auerberghotel.de. Informationen über Wanderungen, Führungen und viele Aktivitäten mehr am Auerberg gibt es auch bei der Interessen-gemeinschaft Auerberg unter www.auerberg.net

Karte: Der Auerberg

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Karte: Der Auerberg


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