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Ein bayerischer Alpenfluss mit Lido, Klamm und Kieseln Die Partnach im Wetterstein

In unserer Rucksackradio-Sommerserie Alpenflüsse kommen wir heute Deutschlands höchstem Berg recht nahe. Manchmal ist das Wasser gewaltig und wild, ein anderes Mal wirkt die Szenerie eher lieblich und idyllisch - es geht um die Partnach im Wettersteingebirge.

Von: Manfred Wöll

Stand: 31.08.2019

Ein bayerischer Alpenfluss mit Lido, Klamm und Kieseln – Alpenflüsse im Bayern-2-Rucksackradio | Bild: BR; Manfred Wöll

Man kann sich den nur 11 Kilometer langen Fluss fast in voller Länge erwandern: Vom Skistadion in Garmisch-Partenkirchen durch die Partnachklamm bis hinauf ins Reintal und zum Ursprung der Partnach auf etwa 1440 Metern Höhe. Die reine Gehzeit beträgt hin und zurück immerhin sieben bis acht Stunden.

Gesicherte Wege führen durch die enge Klamm

Nach 20 Minuten Zustieg auf einer Teerstraße könnte der Wechsel der Umgebung kaum extremer sein: Es wird dunkler und laut, das Wasser rauscht, brodelt, spritzt und dampft - wir sind in der Partnachklamm. Ein in die Felsen gehauener schmaler, aber gut abgesicherter Steig führt nur wenige Meter über dem Wasser durch die beeindruckende Klamm. Mehrere Male geht es durch Tunnel, dann ragen über einem steile Felswände 80 Meter in die Höhe. Die Klamm selbst ist nur fünf bis zehn Meter breit, aber 700 Meter lang.

Die Felswände rechts und links sind bis zu 80 Meter hoch

Ein paar hundert Meter weiter fließt von links der Ferchenbach in die Partnach. An dieser Stelle ist das Bett breiter, etliche Wanderer sitzen auf ihren Rucksäcken, manche werfen kleine Steine ins Wasser. Einige Zeit später ist das Rauschen der Partnach weg, aber noch vor der Bockhütte trifft der Wanderweg wieder auf den reißenden Gebirgsbach. Martina Zollner, die junge Wirtin der Bockhütte, ist an diesem wunderschönen Platz aufgewachsen und kennt die Partnach bestens. Seit Kindesalter springt sie regelmäßig in die kalten Fluten. Sie muss sehr abgehärtet sein, denn den Wanderern schmerzt das eiskalte Wasser schon nach ein paar Sekunden. Von der Bockhütte aus verliert man dann nur noch einmal kurz den Kontakt zur Partnach, bis sie dann wieder in ihrer ganzen Pracht auftaucht. Vorbei am imposanten Partnachfall und an einigen Gumpen, die optisch einladend sind (wäre das Wasser doch nur zehn oder 15 Grad wärmer!), erreichen wir nach weiteren gut eineinhalb Stunden die Reintalangerhütte.

Die Wanderer erreichen die Reintalangerhütte (DAV-Schutzhaus)

Die Reintalangerhütte ist eine Alpenvereinshütte der Sektion München. Nachteil: Sie ist oft ausgebucht, weil sie für viele ein Übernachtungsstützpunkt ist auf dem Weg zur Zugspitze. Vorteil: Sie liegt wunderschön. Direkt an der Partnach stehen an beiden Seiten völlig ungeordnet Tische und Stühle. Wirtin Steffi Stimmer sagt, sie mische sich nicht in die Tischordnung. Das stehe alles so, wie sich die Wanderer das eben hinstellen. Hier lässt es sich aushalten! Das Rauschen des Wassers, die steil aufragenden Felswände gegenüber, die im Wind flatternden tibetischen Gebetsfahnen, ein kühles Weißbier …

An dieser gewaltigen Felsspalte entspringt die Partnach

Geht man noch eine Viertelstunde weiter, erreicht man den Ursprung der Partnach: keine kleine liebliche Quelle im Grünen, sondern eine gewaltige Felsspalte mit lautem Gluckern und Brodeln. Von oben läuft nur ein Rinnsal die Wände herunter. Einige Meter weiter unten aber sehen wir plötzlich einen tosenden Gebirgsbach. Die Partnach speist sich größtenteils aus dem Schneeferner, dem Gletscher auf dem Zugspitzplatt. Das Wasser verläuft unter der Erde und hier am Ursprung treten die Wassermassen plötzlich ans Tageslicht. Wir sind nah an den Felsen, stehen einige Meter oberhalb des Ursprungs. Vorsichtig steigen wir noch ein paar Meter ab, um noch näher hinzukommen. Nicht umsonst rät Steffi den Wanderern, die weiter zur Knorrhütte wollen, am Ursprung der Partnach vorbeizugehen. Es lohnt sich!

An dieser Stelle tritt das Wasser an die Oberfläche – der Ursprung der Partnach

Vom Partnach-Ursprung zieht es uns wieder zurück zur „Oase“ – so nennt die Hüttenwirtin der Reintalangerhütte den Platz vor dem DAV-Schutzhaus. Andere sprechen vom „Partnach-Lido“. Egal - diese Idylle hat ganz viel mit der Partnach zu tun, die hier oben ihren Anfang nimmt, die so laut und ungezähmt durchs Reintal fließt, sich später Respekt einflößend durch die Klamm wirbelt und die sich dann am südlichen Ortsrand von Garmisch-Partenkirchen mit der Loisach vereint.

Karte: Die Partnachklamm

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Die Partnachklamm


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