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Fliegenfischen zwischen Großem Ahornboden und Vorderriß Der Rißbach im Karwendel

Im Naturparkhaus in Hinterriß im Naturpark Karwendel ist derzeit die Ausstellung „wild. gerade. Alpenflüsse“ des Deutschen Alpenvereins zu sehen, die auch schon im Alpinen Museum in München gezeigt wurde. Über den Lebensraum der Wildflüsse wie Sôca oder Lech und viele andere Flüsse, die wir schon in unserer Serie vorgestellt haben, kann man dort viel Wissenswertes erfahren. Direkt am Naturparkhaus vorbei fließt einer der schönsten und letzten noch unverbauten Alpenflüsse: der Rißbach.

Von: Barbara Weiß

Stand: 21.09.2019

Fliegenfischen zwischen Großem Ahornboden und Vorderriß – Alpenflüsse im Bayern-2-Rucksackradio | Bild: BR; Barbara Weiß

Sein rund 30 Kilometer langer Lauf führt vom Großen Ahornboden in der Eng bis nach Vorderriß, wo er in die Isar mündet.

Ob heute einer anbeißt?

Der Rißbach ist nicht nur ein Paradies für Fliegenfischer, sondern auch ein Stück Kanada oder Neuseeland vor der Haustüre im Karwendel. Er fließt ungezähmt, unbegradigt und unverbaut durch das Rißtal, dem er auch den Namen gegeben hat. Trotz der reißenden Strömung hält sich die Bachforelle darin ohne Mühe und frisst, was ihr vor das Maul geschwemmt wird - wenn der Fliegenfischer Glück hat, auch die künstliche Fliege an einer meterlangen Schnur, die er mit einem gekonnten Wurf vor dem Fisch auf dem Wasser platziert. Es gilt den Fisch zu überlisten, man muss schauen, welche Insekten gerade fliegen und muss dann die Fliege so platzieren, dass der Fisch den Betrug nicht merkt - das ist die Herausforderung beim Fliegenfischen in schnellfließenden Gewässern.

Geduld beim Fliegenfischen

Fliegenfischen ist ein sehr ursprüngliches Erlebnis. Mit der Wathose steht Martin Schoissengeier in der Strömung, bewegt sich ruhig und wird eins mit dem Fluss, denn nur so lassen sich Bachforelle und Bachsaibling täuschen. Martin hat den Rißbach gepachtet. Er ist Fliegenfischer aus Leidenschaft und Naturschützer zugleich. An anderen Flüssen setzen die Pächter Fische ein. Martin macht das nicht, nur die echten Rißbacher Forellen leben hier. Mutterfische und kleine Fische dürfen die Fischer darum nicht entnehmen. Gemeinsam mit dem Naturpark Karwendel will Martin Schoissengeier so die regionale Genetik schützen und vermehren. Dabei hält er sich an die Weisheit der Indianer, von der Natur nur so viel zu nehmen, dass man nicht merkt, dass man ihr etwas entnommen hat.

Alles naturbelassen

Der Rißbach soll ein Stück unberührte Natur bleiben, auch was den Flusslauf betrifft. Bei Hinterriß ist das Flussbett beispielsweise so breit wie das Tal: Inseln, Kiesbänke, Umlagerungsstrecken, Auwald, wildes Wasser, Dynamik. All diese Besonderheiten gilt es zu bewahren gilt, sagt Hermann Sonntag vom Naturpark Karwendel. So entstehen immer wieder neue Schotterbänke – ein wichtiger Lebensraum für viele Heuschreckenarten und die Deutsche Tamariske, die schon auf der Roten Liste stehen. Der Rißbach ist deshalb ein Juwel, das europaweit Bedeutung hat.

Herbststimmung

Blauer Himmel, erste Herbstfärbung – es ist ein echter Traumtag für Wanderer im Karwendel. Zum Fischen ist es allerdings fast zu windig. Da lässt sich die künstliche Fliege nur schwer auf dem Wasser platzieren. Aber beim Fliegenfischen geht es nicht nur ums Fangen, es ist vielmehr auch eine Art der Meditation und Entspannung.  Der Naturgenuss ist wichtiger als ein gut mit Fisch gefüllter Kübel für die Gefriertruhe. Während sich am Ahornboden ganze Busladungen an Menschen tummeln, ist man am Rißbach ganz allein – und es ist eine ganz besondere Stimmung, auch wenn man nicht fischt, sondern sich einfach auf eine Kiesbank setzt und auf das kristallklare Wasser blickt. Dann ist diese unglaubliche Kraft, unaufhörliche Bewegung und Veränderung des Wassers in aller Tiefe zu spüren.

Karte: Die Eng Alm

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Karte: Die Eng Alm


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