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Starke Seele 50 Jahre Nationalpark Bayerischer Wald

Als vor 50 Jahren der Nationalpark Bayerischer Wald gegründet wurde, hatten wahrscheinlich nur wenige geahnt, wie erfolgreich diese Idee Jahrzehnte später sein würde. Der Nationalpark ist inzwischen nicht nur ein Besuchermagnet geworden, er hat auch viel zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beigetragen und das Selbstverständnis der Menschen beeinflusst.

Von: Andreas Pehl

Stand: 02.10.2020

Bayerischer Wald: Kein gewohnt-regelmäßiger Wirtschaftswald ist hier zu erleben. | Bild: BR/Andreas Pehl

Das Verkehrskonzept für den Nationalpark Bayerischer Wald könnte auch für andere Gebiete beispielgebend sein: Das Auto steht zusammen mit vielen anderen am großen Parkplatz in der Spiegelau, denn die Straßen in den Nationalpark hinein sind gesperrt. Nur eine extra eingerichtete Buslinie, der Igelbus, fährt tagsüber halbstündlich ins Naturschutzgebiet des Nationalparks Bayerischer Wald und dabei die Ausgangspunkte der wichtigsten Touren an. Ausgerüstet mit einem günstigen Tagesticket kann man sich so die ganze Region erwandern.

Ordnung, die die Natur und nicht der Mensch schafft

Vor 50 Jahren wurden die Weichen gestellt für dieses Walderlebnis: Am 7. Oktober 1970 entstand mit dem Nationalpark Bayerischer Wald der erste Nationalpark Deutschlands. Der Wald ist hier anders als der Wald, den man meistens erlebt: Abgestorbene Bäume liegen kreuz und quer auf dem Boden und zwingen den Besucher indirekt, auf den vorgeschriebenen Wegen zu bleiben. Vom Borkenkäfer zerfressene Fichten stehen wie weiße Gerippe über grünen Lichtungen.

Der Tierarzt und Verhaltensforscher Bernhard Grzimek, der Naturschützer Hubert Weinzierl und der damalige Landwirtschaftsminister Hans Eisenmann waren maßgeblich daran beteiligt, dass der Nationalpark überhaupt gegründet werden konnte, denn Bedenken und Widerstände gab es genug: moderne Zeiten und moderne Gedanken ausgerechnet hier, ganz am Rand von Bayern, an der Grenze zu Tschechien , also in einer Gegend, die wie kaum eine andere das Klischee des Hinterwäldlers bediente.

Es war eine mutige Idee, gerade in dieser Region die Natur einfach Natur sein zu lassen, nicht einzugreifen und das Totholz liegen zu lassen, vor allem, als im Laufe der Jahre Stürme und der Borkenkäfer viele Hektar Wald vernichteten. Waldbesitzer und Naturschützer stritten heftig. Doch die Zeit gab den Gründervätern und allen, die sich für die Erweiterungen eingesetzt haben, Recht. Die gesamte Region verdankt der Nationalpark-Gründung nicht nur eine stabile wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch einen internationalen Bekanntheitsgrad. Vom abgelegenen, fast vergessenen Fleckchen Erde hat sich der Bayerische Wald zu einem beliebten Reiseziel entwickelt, die Region somit aufgewertet und auch das Selbstbewusstsein einer ganzen Region gestärkt.

Karte: Bayerischer Wald

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Karte: Bayerischer Wald


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