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150 Jahre Deutscher Alpenverein Die Gruttenhütte im Wilden Kaiser - was aus alten Hütten wird

Der Deutsche Alpenverein feiert heuer sein 150-jähriges Bestehen. Eine Hauptaufgabe des DAV waren von Anfang an die Berghütten. Viele der Hütten haben ein stattliches Alter und die Renovierungen sind aufwändig. Eine Rundum-Erneuerung hat die Gruttenhütte im Wilden Kaiser bekommen.

Von: Georg Bayerle

Stand: 28.03.2019

Gruttenhütte auf ihrer Balkonlage | Bild: Coco Minakawa

323 DAV-Hütten gibt es, immer wieder wurde und wird darüber diskutiert, welchen Standard sie haben sollen – Stichwort Luxussanierung. Viele der Hütten haben ein stattliches Alter auf dem Buckel. Die Renovierungen sind schon allein wegen der meist besonderen Örtlichkeiten im Hochgebirge aufwändig. Eine Rundum-Erneuerung hat die kleine und unbekannte Sektion des Turner Alpenkränzchens an der beliebten Gruttenhütte im Wilden Kaiser durchgeführt. Die neue Hütte hat ihre erste Saison im Vorjahr erfolgreich hinter sich gebracht und zeigt, dass das Thema Komfort auf den Hütten nichts an seiner Bedeutung eingebüßt hat.

Günter Lang und die Hüttenwirtin

Günter Lang ist der Sektionsvorsitzende des Turner Alpenkränzchens. Das Kranzl war 1872 von Turnern des Vereins 1860 München gegründet worden. Neben dem Rotwandhaus errichtete die kleine Sektion im Jahr 1900 auch noch die Gruttenhütte unter der Ellmauer Halt im Wilden Kaiser. Ein gutes Jahrhundert später musste das alte Schutzhaus nun runderneuert werden. Günter Lang, der erst 2012 in die Sektion eingetreten war, musste nun als Sektionschef, unterstützt von Experten des DAV, die Hüttenrenovierung leiten.

Eine Baustelle in luftiger Höhe

Zwei alte Nebengebäude wurden abgerissen, das Haupthaus wurde vergrößert: neue Zimmerlager, Küche, Dach und Schindelverkleidung, viel Holz, große Fenster und zwei Duschen. Die Frage, wieviel Komfort gehört auf eine Berghütte, hat sich auch hier gleich in der ersten Saison als zuverlässiges Konfliktthema erwiesen. Die aus dem Tal hochgepumpte Trinkwassermenge ist genauso begrenzt wie der Strom. Eine weitere Konsequenz der beschränkten Ressourcen: Es gibt keine Steckdosen auf dem Zimmer. So steht die rundum erneuerte Gruttenhütte beispielhaft für eine alte Frage, die sich mit dem neuen Boom des Hüttenwanderns wieder verschärft stellt: Wie sollten Berghütten heute gebaut und ausgestattet sein?

Gruttenhütte: alt und neu in einem Bauwerk

Die Gruttenhütte ist ein Musterbeispiel für eine geschmackvolle, aber einfache Renovierung. Mit 1,3 Millionen Euro blieb der Umbau im Kostenrahmen. Für die 2.000 Mitglieder der Sektion des Turner Alpenkränzchens und ihren Vorsitzenden war es eine Riesen-Herausforderung. Mit der hölzernen Fassade erhebt sich das alte neue Schutzhaus in einer Logenlage unter dem Felsriegel der Kaisergipfel. Es passt zur Umgebung und zeigt, dass eine Modernisierung auch ohne zusätzlichen Landschaftsverbrauch möglich ist. So gibt die Hütte auch ein Gefühl dafür, dass Konsumerwartungen, an die sich viele gewöhnt haben, im Gebirge nicht erfüllt werden können und sollen, und das ist eine wertvolle Erfahrung, die in der hochalpinen Naturlandschaft dazugehört. Mehr Informationen gibt es unter www.gruttenhuette.at .

Karte: Gruttenhütte

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Karte: Gruttenhütte


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