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150 Jahre Deutscher Alpenverein Wegebau und Ehrenamt am Beispiel des Waxriessteigs

30.000 Kilometer Wege und Steige unterhält der DAV in zum Teil schwierigstem Gelände. Zudem werden durch den Klimawandel und den damit verbundenen Rückgang des Permafrosts Steiganlagen unbegehbar. Doch schon der Unterhalt der normalen Wanderwege erfordert einen hohen Aufwand, den die Alpenvereinssektionen in vielen Fällen ehrenamtlich leisten. Was das konkret heißt, lässt sich am Waxriessteig am Predigtstuhl über Bad Reichenhall beobachten.

Von: Georg Bayerle

Stand: 10.05.2019

Waxriessteig: Blick über Bad Reichenhall | Bild: BR/Georg Bayerle

Die Westflanke des Predigtstuhls, durch die sich der Waxriessteig hinaufwindet, ist abschüssig und steil. Lawinen und Schneerutsche fegen über den Weg hinweg. Kaum geht der Schnee weg, tauchen die Schäden auf. Ludwig Müller von der Sektion Bad Reichenhall hat ein Dutzend Stellen gefunden, wo die Witterung den Wanderweg zerstört und den Hang hinabgerissen hat.

Arbeiten am Steilhang

Auf gut 15 Meter Länge setzt er mit vier Helfern Holzstämme ein, mit Winkeleisen werden Steine und Stufen verankert und Graswasen befestigt. Die vier Helfer kommen aus der Sektion Neu-Altötting und haben schon öfters bei den Nachbarn in Bad Reichenhall mitgeholfen. Es sind ältere Bergsteiger, für die solche Aktionen einfach dazugehören zum alpinen Alltag, und in Bad Reichenhall sind sie froh über die engagierte Nachbarschaftshilfe, denn die Sektion muss insgesamt 130 Kilometer Wanderwege betreuen. Derzeit findet zudem auch ein Generationenwechsel statt, das bewährte Wege-Team ist aus Altersgründen abgetreten. Neue Leute muss der Sektionschef Robert Kern erst einmal finden. Zu diesen Neuen gehört zum Beispiel Ludwig Müller. Der 21 Jahre junge Maschinenbaustudent hat sich auf einen Aufruf hin gemeldet und die Patenschaft für den Waxriessteig übernommen.

Junge Leute mit dieser Einstellung gibt es aber offenbar nicht oft in der Sektion, obwohl sie, wie der DAV insgesamt, in den vergangenen Jahren enorm gewachsen ist. Für Robert Kern zeigt sich genau hier der grundlegende Zwiespalt zwischen einem „Alpen-ADAC“ und einem Alpenverein, bei dem das Engagement aller den eigentlichen Kern bildet.

Eine komplett zerstörte Passage muss repariert werden.

Wie beispielhaft in Bad Reichenhall steht der DAV mit jetzt rund 1,3 Millionen Mitgliedern an einer entscheidenden Schwelle: Wie gut lassen sich alte Werte der Solidargemeinschaft ins Heute transportieren? Oder ist das überhaupt zeitgemäß? Sind die Wege nicht längst ein tourismuswirtschaftlicher Faktor und müssten dann eben auch professionell von der Tourismuswirtschaft finanziert werden? Ehrenamtliche wie der Sektionsvorstand von Bad Reichenhall wollen das Prinzip der freiwilligen Mitarbeit aber auf keinen Fall aufgeben und hoffen, dass sich noch mehr junge Mitglieder von Leuten wie Ludwig Müller anstecken lassen.

Bilder über die Wegearbeiten gibt es am Sonntag, 5. Mai, im BR-Fernsehen in der Sendung „Schwaben & Altbayern“ sowie in der Mediathek.

Karte: Predigtstuhl

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Karte: Predigtstuhl


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