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Taptap-Ski aus dem Bayerischen Wald Unterwegs mit dem Brettlbauer Florian Hollmann

Wenn zum Tourengehen zu viel Schnee liegt, dann braucht man das passende Utensil. Das hat Florian Hollmann aus dem Bayerischen Wald erfunden und einen Kurzski entwickelt, wie ihn finnische Jäger schon vor Jahrhunderten benutzt haben. In seiner Ein-Mann-Werkstatt baut er aber nicht nur Skier, zusammen mit seiner tschechischen Frau führt er auch Naturtouren diesseits und jenseits der Grenze und betreibt den kleinen Skilift in Zwiesel.

Von: Georg Bayerle

Stand: 04.01.2019

Florian Hollmann mit den Taptaps, altfinnischen Jägerski | Bild: BR/Georg Bayerle

Von ihrem Haus auf 1000 Meter Höhe am Spitzberg, nur ein paar Kilometer von Bayerisch-Eisenstein entfernt, können beide direkt losgehen

Gelenkig schlängeln sich Paula und Florian mit ihren ein Meter langen Brettln an den Füßen durch Äste eines umgestürzten Baums, der den Weg blockiert. Auf den lautmalerischen Namen „Taptap“ hat Florian Hollmann seine Skier getauft. Sie sehen so ähnlich aus wie die Figln, die Firngleiter. Er hat sie als Alternative zu Schneeschuhen entwickelt und dann festgestellt, dass derartige Brettl von Jägern schon vor Jahrhunderten in Finnland benutzt wurden. Der Winterwanderer „tappt“ auf diesen etwa doppelt so breiten und halb so langen Skiern durch den Schnee. Die Felle auf der Unterseite geben Halt.

Die Hochflächen sind typisch, in Bayern heißen sie "Schachten".

Halb schreitend, halb gleitend lässt sich so im ständigen Bergauf Bergab auf den Höhen des Böhmerwalds gut Strecke machen. Auf der tschechischen Seite, im Nationalpark Sumava ist die Natur dabei noch etwas rauer und ungezähmter. Ein eiskalter Wind wirbelt Schneeflocken über die kahle Hochebene, auf der wir uns gerade befinden – Schachten heißen diese alten Weideflächen auf der bayerischen Seite. Dann geht es wieder durch den Wald – durch eine Märchenlandschaft, die viele aus dem Fernsehen kennen, denn hier wurde „Drei Nüsse für Aschenbrödel“ gedreht.

Der Einladung, die Landschaft wie im Märchen betrachten, sollte man folgen. Zwischen den auf der tschechischen Seite noch ziemlich menschenleeren Hügeln des Böhmerwalds bleibt viel Raum für die Fantasie.

Der Belag ist zugeschnitten

Florian Hollmann, der vom Tegernsee stammt, ist hier dank der Liebe zu Paula heimisch geworden. Beide betreiben den Skilift in Zwiesel und führen Naturtouren durch die Landschaft. Im alten Haus nahe der bayerisch-tschechischen Grenze baut Florian nicht nur die Taptaps, sondern alle Arten von Skiern, Snowboards und Wakeboards. Dabei kommt er dem Ideal eines Öko-Skis schon sehr nahe – ganz anders als die Kunststoff-Amalgamierungen der Industrie und ganz in der Tradition der Naturnähe, die am Spitzberg schon vor 100 Jahren in einem heute leerstehenden Belle-Epoque-Hotel gepflegt wurde: Es gab ein sonnenbeheiztes Freischwimmbecken und ein ganzheitliches Gesundheitstraining – ganz moderne „Wellness“, schmunzelt Paula.

Ins Schnaufen kommt man durchaus auf der Taptap-Tour durch den böhmischen Märchenwald. Das Wirtshaus „U Michala“ in Prasily ist noch ein Stück weit entfernt. Von den Livanzen aber, den im heimischen Blaubeerspiegel schwimmenden Küchlein träumen wir schon mal – im Land der böhmischen Märchen ist schließlich alles möglich und jede Geschichte geht am Ende gut aus!

Fernseh-Tipp

Auf Tour mit den Taptaps und ein Landschaftsbild rund um den Spitzberg zeigt das BR-Fernsehen in der Sendung „Zwischen Spessart und Karwendel“ am heutigen Samstag um 17.45 Uhr.

Karte: Zwiesel

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Karte: Zwiesel


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