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Auf den Spuren des „Müllner-Peter“ Sachrang feiert den 250. Geburtstag des Heilers, Musikers und Bürgermeisters

Der BR-Fernseh-Dreiteiler „Sachrang - Eine Chronik aus den Bergen“ machte 1972 das Priental im Chiemgau berühmt. Und spätestens seit dem Roman „Der Müllner-Peter von Sachrang“ kennt man Peter Huber, der am 29. Juni 1766 in Aschach bei Sachrang als fünftes Kind einer Müllersfamilie geboren wurde. Die Großgemeinde Aschau, zu der Sachrang gehört, feiert den 250. Geburtstag des Heilers, Musikers und Bürgermeisters, der – überdurchschnittlich begabt und gebildet – mehr war als ein Lokalheld.

Von: Christoph Thoma

Stand: 02.07.2016 | Archiv

Sachrang ist ein Bergdorf an der Landesgrenze zu Tirol. Blumen geschmückte Bauernhöfe umgeben die Pfarrkirche St. Michael, eine der schönsten barocken Dorfkirchen Oberbayerns. Links neben dem Hauptportal liegt Bürgermeister Peter Huber begraben, der „Müllner-Peter“, der in Weyarn oder Herrenchiemsee eine höhere Schulbildung erfahren hat. Seine Briefe, seine Notensammlung und seine Bibliothek beweisen, dass er weit mehr war als ein einfacher Müller.

Martina Glatt ist Müllner-Peter-Expertin

Martina Glatt ist „Müllner-Peter-Expertin“. Sie führt im Museum und draußen. Sie kennt sich auch mit Heilpflanzen aus, wie der Müllner-Peter seinerzeit. Auf den Spuren des Heilkundigen, des Gemeindevorstehers und des Kirchenmusikers folgt man dem Öko-Kultur-Weg, eine Zwei-Stunden-Runde, die viele Erinnerungspunkte berührt. Der „Müllner-Peter“ setzte sich für seine Mitbürger ein. Er war ein Kind der Aufklärung und durchaus rebellisch, wenn es um die Rechte der Bauern ging. Unter seiner Amtsführung als Bürgermeister und mit seiner persönlichen Spende wurde eine feste Lehrkraft für die bereits gelegentlich betriebene Schule in Sachrang eingestellt.

Wiesenweg zur Ölberg-Kapelle

Peter Huber war Müller und Bauer. Eigentlich. Erst mit 48 Jahren heiratete er die 31-jährige Nachbarstochter Maria Hell, das Marei. Die begabte Möbel-Malerin und Musikantin starb 1824 tragisch bei einem Prien-Hochwasser. Eine typische Bäuerin oder Müllerin war sie nicht. Und es gab viel Gerede im Dorf, weil die Ehe kinderlos blieb. Aber sie war die passende Gefährtin für den Chorleiter und Organisten Peter Huber.

Der Zugang zur Kapelle ist offen

Ein paar Treppenstufen, ein hölzernes Geländer. Die Stützen eines Schlepplifts, der im letzten Winter nur an wenigen Tagen gelaufen ist. Dann wieder ein Bach. Er fließt in den Inn. Hahnenfuß, Johanniskraut, Sauerampfer. Der Öko-Kultur-Weg folgt dem sich dahinschlängelnden Wiesenpfad. Plötzlich steht man vor dem Gotteshaus, das immer am 3. Sonntag im September Ziel der Bayerisch-Tiroler Wallfahrt ist, heuer zum 45. Mal. Das Unglück seiner Frau hat den „Müllner-Peter“ vermutlich veranlasst, die vom Verfall bedrohte Ölbergkapelle zu restaurieren.

Das Geburtshaus des Müller-Peter

Der Öko-Kultur-Weg führt über die Grenze nach Tirol, zum Wildpark Wildbichl und auf der anderen Talseite zurück nach Sachrang. Das Geburtshaus des „Müllner-Peter“ ist ein in die Wiesen geduckter behäbiger Bauernhof, in dem sich Wanderer und Bergsteiger auch ganz authentisch einmieten können. Der Öko-Kultur-Weg ist die Basisrunde. Abstecher nach oben gibt’s genug, zum Beispiel in Richtung Geiglstein oder Spitzstein. Für viele Bergkräuter musste er ja hoch hinaus, der „Müllner-Peter“.

Der Heilkräutergarten neben der Alten Schule

Der Müllner-Peter hat handschriftliche Rezeptsammlungen hinterlassen, eine kleine Apotheke und die dazugehörige Literatur. Der Heilkräutergarten neben dem Museum ist Anlaufpunkt für Feriengäste, die sich Anregungen für eigene Touren holen wollen. Jetzt noch kurz ins Museum selbst geschaut, das Original-Exponate aus der Zeit des Müllner-Peter zeigt, aber auch einen Kräuterkasten, der zum Riechen und Fühlen einlädt. Zum Jubiläumsjahr 2016 wurde das liebenswerte Museum – auch mit Hilfe der Sparkasse Rosenheim – grundlegend renoviert, erneuert und erweitert.

Der Kräuterkasten im Museum

Der Müllner-Peter von Sachrang. Man kann sich ihm über die Musik nähern, die er gesammelt und komponiert hat. Als Wallfahrer oder als Wanderer eben. Mit Blick für Bergblumen und Kräuter. Man muss nur einfach losgehen.

Informationen:

Auf den Spuren des Müllner-Peter unterwegs

Sachrang, wo vor 250 Jahren das Universalgenie Müllner-Peter geboren wurde, feiert. Viele Veranstaltungen prägen das Jubiläumsjahr.

Am Donnerstag, 14. Juli, findet z. B. um 10.00 Uhr eine Führung zu den Drehorten des bekannten Films „Sachrang. Eine Chronik aus den Bergen“ statt. Treffpunkt ist das für sich sehenswerte „Müllner-Peter-Museum“ in der Alten Schule von Sachrang. Anmeldung ist nicht nötig. Weitere Infos gibt’s unter: www.muellner-peter-museum.de

Karte: Sachrang

Interaktive Karte - es werden keine Daten von Google Maps geladen.

Karte: Sachrang


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