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Eine Kajaktour in Südschweden Von Insel zu Insel durch den Schärengarten

Es gibt ein paar Klischees, an die man sofort denkt, wenn es um einen Aktiv-Urlaub in Schweden geht – Mücken zum Beispiel, die einen auffressen, und unverschämt teures Bier. Stimmt, trotzdem ist es wunderschön dort. Die Moskitos muss man mit stoischer Ruhe ertragen und beim Bier zähneknirschend das Portemonnaie plündern. Doch die Insellandschaft an der schwedischen Südwestküste entschädigt für alles, vor allem lohnt sich eine Kajaktour durch den Schärengarten.

Von: Bern-Uwe Gutknecht

Stand: 30.08.2018

Kiefern und Granit- oder Gneisfelsen bestimmen das Bild im Schärengarten | Bild: BR/Bernd-Uwe Gutknecht

Zwei Familien aus Tübingen mit insgesamt vier Kindern haben sich vier Doppelkajaks ausgeliehen und sich vom Festland in Gryt in Richtung unbewohnte Inseln aufgemacht. Christian Swanson von „Ostkusten Kajak“ weist sie für die Paddeltour ein. Guides helfen zudem den Urlaubern, die Zelte auf den unbewohnten Inseln aufzubauen, bevor sie hier dann die Nacht allein verbringen müssen bzw. dürfen. Es ist erlaubt, pro Insel zwei Nächte zu campen, dann muss man auf die nächste Insel weiterziehen - und das gilt praktisch für alle schwedischen Inseln. Doch bei 6000 Inseln allein hier im Schärengarten findet man immer eine für sich allein. Die wichtigste Regel lautet: keinen Müll zurücklassen!

Viele der Schäreninseln bestehen vorwiegend aus Felsplateaus

Die Schären von Gryt sind ein Naturschutzgebiet, manche Inseln dicht bewaldet, vor allem mit Kiefern, andere wiederum ganz karg nur aus Gneis und Granit bestehend. Die Inseln heißen Väggö, Ekö, Hässelö, Ytterö oder Innerö. „Ö“ bedeutet Insel. Mit dem Schul-und Post-Boot geht es auf eine der abgelegensten, zugleich aber eine der wenigen bewohnten Inseln: Harstena. Dort lebt auch der 76 Jahre alte Fischer Kenneth Lindkvist. Jeden Tag ist er draußen auf dem Meer und genießt dort seine heilige Ruhe. Zwischen den Inseln sind keine großen Fischerei-Schiffe unterwegs, weil es zu eng für sie ist. Somit bleibt für die kleinen Fischer genug übrig, vor allem Hering, Barsch und viel Aal.

Mit dem Kajak fährt man dicht an den Fischerhäuschen vorbei

Auf Harstena leben nur zehn Menschen das ganze Jahr. Im Sommer kommen Ausflügler. Kenneths Sohn Magnus bietet Robben-Safaris an, betreibt eine kleine Bäckerei und verleiht Kajaks. In 12. Generation lebt die Familie auf der Insel, der Stammbaum reicht bis 1543 zurück. Magnus' Oma hatte einen kleinen Laden für Besucher hier und hat quasi mit dem Tourismus angefangen. Martin, der andere Sohn von Kenneth, sorgt für das Abendessen. In seiner kleineren Räucherei macht er den Fischfang vom Vater für die nächsten Monate haltbar. Lachs, Hering oder Flunder werden an die drei bis vier Stunden geräuchert. Räucherfisch ist sozusagen das Fast Food im Schärengarten.

Auf manchen dieser Schären steht nur ein einziges rot gestrichenes Holzhäuschen, ohne Strom und fließend Wasser, nur für Selbstversorger. Manche Inseln haben flache Kieselstrände, andere sind reine Felsplateaus oder haben steile Klippen. Zwei Stunden braucht man mit dem Kajak, um Harstena einmal zu umrunden, begleitet von Wildenten, Gänsen, Reihern, Kormoranen, Austernfischern, Möwen und Seeschwalben. Hier draußen auf den Inseln nerven übrigens kaum Stechmücken. Nur das Problem mit dem Bierpreis gibt es auch hier ...

Karte: Schärengarten Gryt

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Karte: Schärengarten Gryt


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