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Daunen-Recycling – eine Initiative der JDAV Nachhaltige Wiederverwertung zu Kleidung, Dämmung und Dünger

Wer sich in der Natur bewegt, braucht dazu oft Funktionskleidung oder wärmende Schlafsäcke, in denen Daunen stecken - ein Naturprodukt von Enten. Die Jugend des Deutschen Alpenvereins hat zu einer Daunen-Sammelaktion aufgerufen: 100 Tage lang wurden gebrauchte Daunenprodukte gesammelt, um wiederverwendet zu werden.

Von: Petra Martin

Stand: 05.07.2019

Alte Daunenprodukte | Bild: Mountain Equipment

Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind auf für Sportler und Wanderer wichtige Themen. Wer sich in der Natur bewegt, braucht dazu oft Funktionskleidung oder wärmende Schlafsäcke, in denen Daunen stecken - ein Naturprodukt von Enten. Die Jugend des Deutschen Alpenvereins feiert heuer ihr 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass engagiert sie sich auch für Nachhaltigkeit und Umweltschutz und hat gemeinsam mit dem Ausrüstungspartner Mountain Equipment zu einer Daunen-Sammelaktion aufgerufen: 100 Tage lang wurden gebrauchte Daunenprodukte wie Bekleidung und Schlafsäcke gesammelt, um danach aufbereitet und wiederverwendet zu werden.

Gerade bei Outdoor-Produkten sind die Eigenschaften der federleichten Daune gefragt: Sie wiegt fast nichts und der Daunen-Schlafsack oder Daunenanorak hält im Hochgebirge warm. Außerdem sind Daunen sehr langlebig. Wenn der Stoff der Jacke durchgewetzt ist oder beim Schlafsack der Reißverschluss nicht mehr funktioniert, ist das Innenleben noch voll funktionsfähig und viel zu schade zum Wegwerfen, sagt Thomas Strobl von Mountain Equipment. Im Vergleich zu Stoffen, die sich günstig produzieren lassen, ist die Daune ist ein sehr wertvolles und hochpreisiges Material.

Thomas Strobl (Mountain Equipment), Stefan Minnich (JDAV) und Eric Firmann (Re:Down)

Oft lohnt sich das Wiederverwerten von Textilien nicht, weil das Trennen der verschiedenen Materialien zu kompliziert ist. Bei Daunen aber ist das recht einfach: Man schneidet die Hülle auf, das Innenleben fällt in Reinform heraus und kann aufbereitet werden. Das macht zum Beispiel die Firma „Re:Down“ in Frankreich. Sie bekommt Bettwaren und Kleidungsstücke mit Daunen von Textilsammelstellen und eben auch aus der Aktion der DAV-Jugendarbeit. 1221 Kilogramm an Ware kamen bisher bei der JDAV-Sammlung zusammen, und noch ist nicht alles gewogen. Das Unternehmen verwertet 97 Prozent der Komponenten: Aus abgebrochenen Federkielen wird zum Beispiel Dünger hergestellt, aus den Oberstoffen Dämmmaterial gemacht. Die Daunen selbst werden gereinigt und sterilisiert. Dazu braucht man Wasser und Energie, doch es lohnt sich, sagt Eric Firmann von Re:Down: Man spart Wasser, weil kein Wasser für die Aufzucht der Tiere und für den Schlachthof benötigt wird. Im Vergleich zur Herstellung von Neudaunen lassen sich beim Recyceln 80% des sonst anfallenden Wasserverbrauchs einsparen. Der Reinigungsprozess ist ähnlich wie bei neuen Daunen, die vor allem von Blut und Fett gereinigt werden müssen, da sie ein Nebenprodukt der Fleischerzeugung sind.

Daunen-Qualitätssiegel garantieren, dass die Tiere weder gemästet noch lebend gerupft wurden. Bei der recycelten Daune gibt es so ein Siegel allerdings nicht, weil sich im Nachhinein nicht mehr nachvollziehen lässt, woher die gesammelten Daunen ursprünglich stammen. Dafür aber muss kein weiteres Tier sein Leben lassen, und die Daunen haben dieselbe Qualität wie Neuware. Thomas Strobl erklärt, dass die Qualität nach "cuin" klassifiziert und für Neuware die Qualität 700 eingekauft wird, die auch die recycelte Daune hat.

Info

Mit "cuin" wird die Bauschkraft der Daune angegeben. Das gibt an, wie gut die Daune, nachdem sie komprimiert wurde, wieder ihren ursprünglichen Zustand einnimmt. Das wird in der Volumeneinheit "Kubik Zoll" angegeben: Im Englischen cubic inches = cuin. Daunenjacken sind ab ca. 500 cuin brauchbar, bis 650 cuin ist es schon richtig gute Qualität.

Auch wenn nachhaltige Funktionskleidung hoch im Kurs steht, ist sie noch immer ein Nischenprodukt. Mit der Daunen-Sammelaktion hat die Jugend im DAV auf diese Möglichkeit zum Umweltschutz hingewiesen. Stefan Minnich aus Miesbach ist stellvertretender Bundesjugendleiter beim JDAV und freut sich über den großen Erfolg der Sammelaktion – ein Zeichen, dass damit etwas angestoßen wurde. Schließlich gilt es, die Nachhaltigkeitsdiskussion weiter nach außen zu tragen, denn die Ressourcen auf der Erde sind begrenzt und recycelte Daunen ein weiterer wichtiger Beitrag zur besseren Nutzung der Rohstoffe.


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