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20 Jahre Schiefe Welt von Sibratsgfäll Ein Hangrutsch und seine Auswirkungen bis heute

Vor genau 20 Jahren, am 18. Mai 1999, kam es in Sibratsgfäll bei Balderschwang zu einem gigantischen Erdrutsch. Am Rindberg setzten sich die Hänge in Bewegung und rutschten über Monate ins Tal. 17 Häuser wurden dabei zerstört, aber glücklicherweise niemand verletzt. Doch die Auswirkungen des Hangrutsches sind in der kleinen Gemeinde am östlichen Rand des Bregenzerwaldes bis heute zu spüren und zu sehen.

Von: Rupert Waldmüller

Stand: 18.05.2019

Ein Hangrutsch und seine Auswirkungen bis heute | Bild: BR; Rupert Waldmüller

Eine heftige Schneeschmelze und anhaltender Dauerregen waren der Auslöser für diese Naturkatastrophe.

Unmittelbar nach dem Hangrutsch 1999

Am Anfang waren nur ein paar Risse in den Almwiesen zu sehen, dann setzten sich die Hänge am Rindberg nach und nach mit voller Wucht in Bewegung. 30 bis 40 Zentimeter am Tag und über Monate hinweg rutschten die Erdmassen auf einer Fläche von 250 Fußballfeldern Richtung Tal. Häuser brachen auseinander, wurden verschüttet, den Hang hinabgeschoben oder in sich verschoben. Die kleine Kapelle am Rindberg rutschte sogar 180 Meter weit ab.  Am Rindberg kann man „Felbers schiefes Haus“ besichtigen und auf einer Georunde informieren mehrere Stationen über das dramatische Naturereignis.

Felbers schiefes Haus in Sibratsgfäll, Österreich im Mai 2019

Seit dem Hangrutsch wird Sibratsgfäll mit Mess-Stationen dauerhaft überwacht. Die Messungen haben ergeben, dass der Untergrund aus Flyschgestein in der 400-Einwohner-Gemeinde kontinuierlich in Bewegung ist: Die Kirche bewegt sich 1,5 Zentimeter im Jahr, das Feuerwehrhaus drei Zentimeter, einzelne Häuser rutschen sogar mehr als zehn Zentimeter jährlich. Immer wieder kommt es auch zu Schäden an Gebäuden. Die Sibratsgfäller aber haben gelernt, mit diesem Umstand zu leben. Heute bauen sie Häuser, die sich problemlos mit dem Hang mitbewegen können.

Die neue Rindbergkapelle in Sibratsgfäll, die ursprüngliche Kapelle wurde beim Erdrutsch vor 20 Jahren zerstört.

Am Rindberg wurde sogar wieder eine Kapelle errichtet – mit einer Besonderheit: Sie lässt sich innerhalb von zwei Tagen abbauen und abtransportieren.


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