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150 Jahre Deutscher Alpenverein Klettern wird olympisch – ein Ausblick

150 Jahre alt wird der Deutsche Alpenverein am 9. Mai. Erst 1984 hat der Deutsche Alpenverein das Sportklettern offiziell in sein Aktivitäten-Spektrum aufgenommen – es wurde die Trendsportart der Gegenwart. Heute gibt es rund 200 Kletterhallen und 2020 wird Klettern in Tokio olympisch. Kritiker fragen allerdings, ob das noch mit dem eigentlichen Zweck des Deutschen Alpenvereins zu tun hat.

Von: Georg Bayerle

Stand: 13.04.2019

150 Jahre Deutscher Alpenverein – Klettern wird olympisch | Bild: BR; Georg Bayerle

Im neuen Landesleistungszentrum in Augsburg turnt Mia Bachmann mit akrobatischen Bewegungen beim Training des Bayernkaders bis zum Sturz an den extrem montierten Gummigriffen. Eine „pumpige“ Tour, so ihr Fazit. Den letzten Zug hat sie mit viel Willen gemacht.

Elektronischer Topos

Es sind Kletterhallen entstanden, in denen optimale Trainingsbedingungen herrschen, sagt Landestrainerin Ines Dull. Seit vom IOC das Klettern als neue Disziplin bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio anerkannt wurde, hat der DAV professionelle Sportstrukturen mit Bundes- und Landestrainern aufgebaut. Gegner kritisieren diese Konzentration auf den Leistungssport – der Augsburger DAV-Vorsitzende Ulrich Kühnl rechtfertigt sie, denn auch in der olympischen Idee steckt seiner Meinung nach als Grundlage der Alpinismus.

Mia an einer "pumpigen" Stelle

Um diese Entwicklung mitzugehen, war der Deutsche Alpenverein schon 1995 dem heutigen Deutschen Olympischen Sportbund beigetreten. Sportverband oder Naturschutzverband – die Debatte hat eine lange Vorgeschichte. Unangenehm wurde es für den DAV, als er auf Initiative der DAV-Jugend die Olympiabewerbung von München ablehnen musste. Zuvor hatte sich schon 1989 der damalige DAV-Vorsitzende Fritz März mit der Grundfrage auseinandergesetzt, ob Wettkämpfe zum Leistungsgedanken des Bergsteigens passen. 1948 hatte der damalige Vorsitzende der Sektion Hochland, Konrad Klärner, diese Frage im Bayerischen Rundfunk noch ganz anders beantwortet:

„Sport hat für mich, mögen Sie mir anrechnen wie Sie wollen, immer den Beigeschmack von Rekord. Gibt es denn beim Bergsteigen einen Rekord? Ich glaube nicht. Die Höchstleistung ist wohl beim Bergsteigen immer vorhanden, doch ist hier das Wort Rekord nicht damit verwandt. Der Bergsteiger freut sich an den Blumen, die am Wege stehen, an den grünen Alm-Matten und nicht zuletzt an den bizarren Gipfeln, die ihn umgeben. Über Grate und Wände erreicht er nach hartem Kampf und äußerster Kraftanstrengung sein Ziel, den Gipfel. Sein Herz ist frei und all seine Wünsche sind in Erfüllung gegangen. Gleich einem Herrn steht er über den Tälern. Der Bergwind singt ihm sein Lied, er ist allein. Bergsteigen ist tiefstes Naturempfinden, Erlebnis, das den Bergsteiger zu dem formt, was er eben ist, zum Bergsteiger; zum Charakter, zum ganzen Menschen.“

Kletterhöhe bis 18 Meter

In der immer mehr ausdifferenzierten und spezialisierten Welt von heute ist dieser ganzheitliche Ansatz nicht nur sprachlich aus der Mode gekommen, sondern auch kaum mehr anzutreffen. Dagegen wird der positive Beitrag des Hallenkletterns zur Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen geschätzt, denn sie lernen, sich mit ihrer Angst auseinanderzusetzen, Schwierigkeiten zu meistern und für den Seilpartner verantwortlich zu sein. Ganz ähnlich hatte schon vor 25 Jahren der Sportmediziner Ludwig Geiger argumentiert, nachdem das Sportklettern aus der Hippie- und Anti-Ecke herausgekommen war.

Die Boulder-Arena

Am exponentiellen Mitgliederzuwachs des DAV im 21.Jahrhundert trägt das Sport- und Hallenklettern einen wesentlichen Anteil. Mit dem Klettern ist eine alpine Kerndisziplin aus der Natur in die Sporthallen der Städte gewandert. Seitdem feststeht, dass Klettern 2020 in Tokio mit Gold, Silber und Bronze geehrt wird, hat die Euphorie noch einmal zugenommen.

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