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Ruhe über den Gipfeln Touristischer Lagebericht aus dem Allgäuer Corona-Winter

Die ganze Woche über wurde mit Schneefräsen und Lastwagen das Zuviel an weißer Pracht aus den Orten im Oberallgäu hinausgebracht, denn es hat so viel geschneit wie nur selten. Aber statt des üblichen Wintersportbetriebs stehen die Lifte still.

Von: Georg Bayerle

Stand: 23.01.2021

Touristischer Lagebericht aus dem Allgäuer Corona-Winter | Bild: BR; Georg Bayerle

Auch auf den Bergen war es ruhig in dieser Woche, vor allem, weil die Lawinengefahr erheblich war.

Blick aufs eingeschneite Bad Hindelang

So hatten und haben die Einheimischen ihre Region fast ganz für sich, und es sind ganz andere Wochen als man sie im Allgäu gewohnt ist. Auch der befürchtete Ansturm von Tagesausflüglern ist bis auf einige Spitzentage ausgeblieben. In Tourismus und Naturschutz versuchen die Verantwortlichen möglichst gut mit der Situation umzugehen.

Grasgehren-Lift in der Corona-Pause

Es ist ein seltener Anblick in diesen Wochen: Da schleppt ein grauhaariger Herr auf Langlaufskiern einen Buben auf Kinderskiern am Stock hinter sich her über den ansonsten menschenleeren Platz vor dem tief eingeschneiten Kurhaus in Bad Hindelang. Die Loipen wurden zwar gespurt, da gab es keine große Diskussion für Max Hillmeier, den Tourismusdirektor. Doch die Einheimischen erleben eine seltene Ruhe in der Winterlandschaft vor der eigenen Haustüre und nutzen die Möglichkeiten, auch wenn sie selbst von den Beschränkungen betroffen sind.

Tief verschneite Skipisten

Insgesamt aber sind Stimmung und Vorgehensweise hier wesentlich entspannter als in Oberbayern, zumal sich die Lage in den Bergen durch die ergiebigen Schneefälle bis ins Alpenvorland zusätzlich entzerrt. In den schneearmen Wochen um Weihnachten hat Henning Werth, der Naturschutzfachmann des Alpinzentrums Allgäu, noch bis zu 1000 Besucher am Tag auf dem Riedberger Horn gezählt. Ansonsten hat es eine besondere Überlastung durch Ausflügler nur selten gegeben.

Das Riedberger Horn in Winterruhe

Auch aus naturschutzfachlicher Sicht zieht Henning Werth bisher eine gute Bilanz. Die Fachleute vom Zentrum Naturerlebnis Allgäu, wie die neue Institution für naturverträglichen Tourismus in Obermaiselstein heißt, nutzen diese Wochen für die Feldforschung. Auf den beliebten Bergen messen Zählgeräte die Besucherfrequenz. Gleichzeitig untersuchen die Wildtier-Experten die genauen Verbreitungsgebiete der geschützten Arten. So kann die Nutzung der Naturräume noch besser gesteuert werden. Diese bisher erfreuliche Zwischenbilanz des Corona-Winters im Allgäu steht und fällt aber mit dem richtigen Grundverständnis aller Beteiligten, betont die Bürgermeisterin von Bad Hindelang, Sabine Rödel. Nur so kann es auch in den nächsten Wochen so entspannt und in Anbetracht der Bedingungen positiv weitergehen.

Karte: Die Hörner

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Karte: Die Hörner


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