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Die Urner Ski Haute Route Fünftägige Frühjahrsskitour von Realp nach Engelberg

Lange Zeit lag sie im Dornröschenschlaf, doch seit kurzem scheint sie wieder in Mode zu kommen: die legendäre „Urner Ski Haute Route“. In fünf Tagen führt die Skitour in der Zentralschweiz von Realp bei Andermatt hinüber nach Engelberg.

Von: Folkert Lenz

Stand: 14.04.2018

Eine fünftägige Frühjahrsskitour von Realp nach Engelberg  | Bild: BR; Folkert Lenz

Das ist schon deswegen ein Erlebnis, weil es durch eine äußerst wilde und hochalpine Berglandschaft geht. Der Allround-Skibergsteiger ist ganz schön gefordert, wenn er in dieser einsamen Hochgebirgsregion unterwegs ist.

Anstieg zur Albert-Heim-Hütte

Kaspar „Chäbe“ Reinhard hat ganz schön zu kratzen. Der Frühjahrsfirn ist über Nacht hartgefroren. Im frühmorgendlichen Anstieg hinauf zur Winterlücke muss der Bergführer jetzt eine Skispur in den Harsch hacken. Auf einem Felsgupf gegenüber streift das zartrosa Morgenlicht die Silhouette der Albert-Heim-Hütte. Es bleibt Zeit, die Ruhe dieses Moments zwischen Nacht und Tag zu genießen.

Von der Winterlücke über den Lochberg: Alpinistisch vielleicht die interessanteste Passage der Urner Haute Route

Fünf Tage von Hütte zu Hütte, fünf Tage unterwegs nur in Fels, Eis und Schnee – es ist wirklich eine hochalpine Gletscher-Tour, wie Chäbe schon beim Start angekündigt hat. Jenseits der 3000-Meter-Linie wird die Luft bald dünner. Für die Kraxelei über den Lochberg wandern die Ski auf den Rücken. Ein felsdurchsetzter Grat, garniert mit vereisten Grasbollern und schneeüberzuckertem Schutt, zieht sich bis zu der Felsnadel, die den Gipfel markiert – eine durchaus delikate Passage, die dann mit einer feinen Tiefschneeabfahrt belohnt wird. Schneegefüllte Mulden, mittelsteile Hänge und flachere Passagen reihen sich aneinander und lassen das Herz jedes abfahrtsfreudigen Skitourengehers schneller schlagen. Das 1200 Höhenmeter-Downhill-Vergnügen endet erst an der Staumauer vom Göscheneralpsee – mit brennenden Oberschenkeln!

Das ist ja wohl der Gipfel: das Sustenhorn

Abfahrten im Pulverschnee, Aufstiege an Sonnenhängen – das ist das Konzept der Urner Ski Haute Route. Deswegen sollte man die Tour auch tunlichst von Realp nach Engelberg machen und nicht umgekehrt, sagt Bergführer Kaspar Reinhard. Am Sustenhorn lockt ein coolen Hang zur Abfahrt, ebenso zuvor am Lochberg, und auch die Aufstiege bieten sich gut an, weil sie nicht allzu lang sind. Die Route führt einmal quer durchs Powder-Wonder-Land in der Zentralschweiz: fünf Tage, über 5000 Höhenmeter, drei Kantone. Die Traverse der Urner Alpen war einst ein Klassiker, der in Vergessenheit geraten war und jetzt ein Comeback erlebt. Die Etappe ab der Chelenalphütte führt hinauf zum Höhepunkt, dem über 3500 Meter hohen Sustenhorn. Steile Firnhänge, zugige Jöcher, sturmumtoste Gipfel und spektakuläre Skiabfahrten neben azurblauen Gletschereis machen den abwechslungsreichen Charakter der Tour aus. Ernsthaft und hochalpin sind auch die Passagen am Steingletscher, hinauf zum Fünffingerstock oder hinüber zur Sustlihütte. Am meisten aber beeindruckt die Einsamkeit in dieser alpinen Wildnis.

Am letzten Tag geht es auf einen der begehrtesten Schweizer Skitourengipfel, den Grassen. Die imposanten Felsabstürze von Titlis und Wendenstöcken grüßen auf der einen Seite, auf der anderen Seite fasziniert das Panorama von Susten und den Tierbergen. Zum krönenden Abschluss ziehen wir über gut 1600 Höhenmeter unserer Schwünge vom Firnalpeligletscher hinab ins Engelberger Tal.

Albert-Heim-Hütte


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