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Skiroute statt Skipiste am Tegelberg Neues Skitourenkonzept im Ostallgäuer Königswinkel

In den Bayerischen Alpen liegt sehr viel Schnee. In den letzten Jahren aber war das oft nicht der Fall, sehr zum Leidwesen der Verantwortlichen in kleinen Skigebieten. Lohnt der Betrieb noch, hat sich da der ein oder andere gefragt. Der 1720 Meter hohe Tegelberg bei Schwangau im Ostallgäuer Königswinkel ist eines dieser kleinen Skigebiete. Dort haben die Verantwortlichen nun Konsequenzen aus den schneearmen Wintern gezogen und das Skigebiet zu Gunsten der Skitourengeher verändert.

Von: Kilian Neuwert

Stand: 26.01.2019

Neues Skitourenkonzept im Ostallgäuer Königswinkel | Bild: BR; Kilian Neuwert

Als Jörg Häusler am späten Vormittag durch dichten Bergwald nach oben steigt, ist er nicht der erste.

Auf dem Lehrpfad können sich Skitourengeher am Wegesrand weiterbilden

Eine Skispur zieht sich gut 20 Zentimeter tief durch den Pulverschnee. Ab und an muss sich Jörg Häusler unter einem Ast wegducken. Der Schnee lastet schwer auf den Bäumen. Im Winter ist er täglich hier unterwegs, es ist einfach ein Stück Heimat hier am Tegelberg – und sein Arbeitsplatz, denn der gebürtige Franke ist hauptberuflich für die Skiwacht und ehrenamtlich für die Füssener Bergwacht im Einsatz. Der Aufstieg führt über einen extra eingerichteten und markierten Lehrpfad für Skitourengeher. Verteilt auf dem Weg nach oben, säumen mehrere Hinweistafeln mit Bildern und Texten die Route, zum Beispiel mit Infos zur Schneedecke – eines der im Winter spannendsten Themen überhaupt.

Der Skitourenlehrpfad verläuft die meiste Zeit fast parallel zur Skiroute.

Während es den Lehrpfad schon eine Weile gibt, hat sich am Tegelberg in dieser Saison einiges geändert: Das kleine Skigebiet bei Füssen hat seine Hauptabfahrt umgewidmet. Aus der einstigen Skipiste wurde eine Skiroute, erklärt der Geschäftsführer der Tegelbergbahn, Frank Seyfried. Die Anforderungen an eine Skiroute sind geringer, denn man viel mehr Skitage für die Gäste garantieren, weil man keine perfekte Piste mit Markierung und Sturzraum braucht und somit viel Schnee für eine gute Präparierung. Bei einer Skiroute, so Seyfried, können wir alles machen, müssen aber nicht. Natürlich wollen wir trotzdem noch einen gewissen Service bieten und präparieren, so gut es geht, und haben auch den unteren Teil beschneit. Auf einer Skiroute unterwegs zu sein fordert von Pisten-Skifahrern wie Tourengeher eine erhöhte Aufmerksamkeit. Rücksichtnahme ist hier Pflicht. Tourengeher dürfen die Skiroute sowohl zur Abfahrt als auch zum Aufstieg nutzen – alternativ verläuft der Lehrpfad fast parallel nach oben. Für viele bietet der Tegelberg somit ideales Trainingsgelände bei knapp 900 Höhenmetern Aufstieg und einer Abfahrt, die meist weiter einer Piste ähnelt.

Einkehren ist am Tegelberg gleich mehrfach möglich. Unterwegs am Rohrkopf und oben am Tegelberghaus

Die Tour solle man dennoch nicht unterschätzen, rät Ski- und Bergwachtmann Jörg Häusler. Auch wenn die Skiroute vor alpinen Gefahren – also Lawinen – gesichert werden muss, sollte man Schaufel, Sonde und LVS-Gerät immer im Rucksack haben, wenn man sich in so einem Bereich bewegt, denn auch ein anderer könnte in Not geraten, mahnt Häusler. Die Aufstiegsspur führt ihn im oberen Drittel aus dem Wald heraus und direkt auf die einstige Piste. In Falllinie geht es nun steil hinauf. Der Blick schweift in die Weite, über das Ostallgäu und seine Seen hinweg. Im Tal ziehen die Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau den Blick auf sich. Die Tegelbergbahn will diese Ausblicke fortan auch Wanderern im Winter ermöglichen. Abschnitte der Wanderwege rund um die Bergstation werden deshalb geräumt. So versucht das kleine Skigebiet auch im Winter weiter bestehen zu können.

Karte: Der Tegelberg

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Karte: Der Tegelberg


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