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Skitour auf den Piz Boé in der Sella Frühlingsimpressionen zwischen Gran Valacia und Val Mesdí

In den Alpen bringt dieses Wochenende den Wetterwechsel: Nach Frühlingstagen im Hochwinter soll es nochmals schneien. Doch die frühlingshaften Temperaturen der letzten Tage haben das Herz vieler Skitourengeher höherschlagen lassen. Vor allem südlich des Alpenhauptkamms war so manche Tour möglich, die traditionell oft erst im April unternommen wird, zum Beispiel eine Winter-Überschreitung des Piz Boé in der Sella. Im Sommer gilt die höchste Erhebung des Sellastocks als leicht zu habender Dreitausender. Eine Überschreitung mit Skiern aber ist eine ebenso spannende wie reizvolle Unternehmung.

Von: Kilian Neuwert

Stand: 01.03.2019

Skitour Piz Boè: Wer sich schon am Ziel wähnt, hat noch den Gipfelhang vor sich. Der ist steiler, als er aus der Ferne wirkt. | Bild: BR/Kilian Neuwert

In einer nach oben hin schmaler werdenden Rinne geht es bergauf. Geteilt wird die Rinne von einem mächtigen Felsblock, unter dem wir die Harscheisen angelegt haben.

Konzentriert setzen wir Ski vor Ski. Fast folgt eine Spitzkehre auf die nächste. Mindestens 40 Grad steil ist die Rinne, in der wir stehen, auch bekannt als Pigolerzrinne zieht sie rund 120 Meter zwischen den steilen Wänden am Piz Boé empor. Direkt gegenüber thront die Königin der Dolomiten die Marmolada.

Kleine Menschen vor großer Kulisse.

Es ist 7 Uhr früh, als der Stuttgarter Simon Niethammer sein LVS-Gerät aus der Tasche zieht. Sein Auto ist das einzige, das auf dem Parkplatz am Campolongo-Pass abgestellt ist. Noch, denn in zwei Stunden wird es Skitouristen aus den Hotels in Arraba und Corvara hierherziehen. Simon faltet eine Karte auf. Die Aufstiegsroute führt zunächst über Pisten, dann über steiler werdende Latschenhänge. Vor Simon ziehen Spuren durch den Schnee, die wirken, als wären sie schon einige Tage alt. Einsam steigen wir auf und lassen die Pisten hinter uns. Steigeisen und Pickel sind dabei – für alle Fälle. Eigentlich gilt die Tour als klassische Frühjahrstour. Doch mitten im Februar ist hier von Hochwinter keine Spur und die Lawinengefahr gering.

Zwei breite Terrassen gliedern die Südostflanke des Piz Boé. Wer vom Campolongo-Pass oder vom Rifugio Plan Boé aus aufsteigt, gelangt je durch eine Rinne eine Etage höher. Bis zum Gipfel sind es mindestens 1300 Höhenmeter. Die Route ist vielleicht eine der ehrlichsten und reizvollsten Aufstiegsvarianten, lässt sich der Boé doch auch allzu leicht mit der Zuhilfenahme von Seilbahnen oder Liften besteigen. Die Abfahrt führt durch das Mittagstal bis nach Kolfuschg oder gar Corvara. Doch die Verhältnisse für diese Unternehmung müssen äußert sicher sein, mahnt Gebietskenner und Bergführer Renato Bernhard aus Campitello di Fassa. Der 3152 Meter hohe Piz Boé zählt zu Renatos Hausbergen. Sein Heimatort liegt am Fuß der Sella. Gern führt er Gäste auf ihren höchsten Gipfel, der Aussicht wegen, die vom Zuckerhütl bis zur Pala reicht.

Weiter oben ist jedoch Abschnallen oft ratsam

Simon Niethammer trennen noch etliche Höhenmeter von diesem Ausblick. Mit den Harscheisen unter der Bindung steigt er über die erste Terrasse des Piz Boé auf. Unter steilen Felswänden aus grau-gelbem Dolomit wirkt ein einzelner Bergsteiger wie er fast verloren. Gut zur Hälfte lässt sich die Rinne bequem mit Skiern begehen. Dann teilt sie ein großer Block. Zu Fuß ist der Aufstieg nun leichter, zumindest an diesem Tag. Doch wer mit der Pigolerzrinne die schwierigste Passage der Route überwunden hat, darf sich noch lang nicht am Ziel wähnen: Der Gipfelhang ist steil und oft abgeblasen. Auch die Abfahrt fordert Konzentration. Bis zu 45 Grad steil sind die Hänge im Val Mesdì, dem berühmten Mittagstal. Doch der Abfahrtsrausch ist der Lohn für alle Mühen.

Karte: Piz Boé

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Karte: Piz Boé


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