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Vom Salzwasser in den Pulverschnee Ski & Sail auf Spitzbergen

Vom Salzwasser mit einem Schritt in den Schnee auf Spitzbergen. Geht das? Vor allem dann, wenn man ein Segelschiff nimmt, um zum Einstieg der Skitour zu gelangen. Ski & Sail heißt das Outdoor-Abenteuer hoch im Norden Europas. Pulverschnee darf man allerdings auf dem sturmumtosten, arktischen Archipel nicht immer erwarten. Doch bis weit in den Mai hinein reicht der Schnee bis an die Küste hinab. Man kann direkt nach dem Ausbooten in die Tourenski-Bindung einsteigen. Wer ein unverdorbenes einsames Natur-Erlebnis in einer faszinierenden Landschaft sucht, der wird in Svalbard sicher fündig.

Von: Folkert Lenz

Stand: 17.04.2020

Vom Salzwasser in den Pulverschnee | Bild: BR; Folkert Lenz

Mit dem Motor-Schlauchboot geht es zur Skitour, jedenfalls, wenn man mit der „Rembrandt van Rijn“ in der arktischen Inselgruppe unterwegs ist.

Die „Rembrandt van Rijn“ wird zum schwimmenden Basislager.

Der blau-weiße Dreimaster liegt vor Anker im Fjord, während sich die Skitourengeher am Kiesstrand zum Landgang rüsten. Über einen frisch verschneiten Gletscher geht es mit dem Südtiroler Bergführer Stephan Andres auf den Jutulslottet, auf das „Schloss der Riesen“. Gerade mal 800 Meter spitzt die unbedeutend wirkende Schneepyramide über das Meer hinaus, doch man beginnt die Tour auf Seehöhe, weshalb es auch die niedrigen Berge in sich haben.

Die Berge auf Svalbard sind eher niedrig, die Touren starten aber auf Meereshöhe.

Wer sich mit Ski nach Spitzbergen aufmacht, der hat keine Extrem-Abfahrten oder Gewalt-Touren im Sinn. Schnell erliegen die meisten der Faszination der menschenleeren Wildnis, der Riesengletscher und der Einsamkeit. Besinnlichkeit ergreift fast alle, als die Gruppe sich gemächlich über Moränenschutt zum Gletscher hinüber arbeitet. Nur das leise Klackern der Tourenbindungen ist neben dem Pfeifen des ewigen Windes in der arktischen Stille zu hören. Nicht der sportliche Adrenalin-Kick zählt, sondern das Erlebnis der Natur.

Endlose Weite: Abstieg zum Skidepot

Für eine Woche wird die „Rembrandt van Rijn“ zum schwimmenden Basislager für die Skitourengeher. Das Segelschiff schippert dorthin, wo die Bord-Bergführer von „Oceanwide Expeditions“ den besten Schnee wittern. In den verschneiten und gefrorenen Buchten und Fjorden des arktischen Archipels unterwegs zu sein, das lässt kaum einen Mitfahrenden kalt. Auch für Kapitän „Ali“ Schmidt ist der polare Törn etwas Besonderes, denn er muss hier nicht nur das Wasser, sondern auch das Eis im Blick behalten. See-Eis kann hier an der Westküste in den Fjorden, wo es besonders ruhig und geschützt ist, schnell zufrieren und sich dann lange halten. Dazu kommt das Eis, das von den Gletschern abbricht und dann langsam durch die Fjorde hinaus ins Meer treibt und dort Eisberge bildet. Schollen klimpern an der Bordwand des Seglers, ein kleiner Eisberg dümpelt vorbei – es ist Polar-Frühling.

Überraschend gefunden: Powder bei der Abfahrt

Unterdessen hat die Gruppe von Stephan Andres die Spitze vom Jutulslottet erreicht. Kein Kreuz, kein Steinmann ziert den Gipfel, und das bleibt auch so. Denn die nachfolgenden Tourengeher sollen ebenfalls das exklusive Erlebnis spüren können, im arktischen Nirgendwo unterwegs zu sein. Ganz klein kommt sich der Mensch hier vor. Blendendes Weiß breitet sich vor einem aus, scheinbar bis zum Horizont. Aus dem glitzernden Tuch über der Landschaft ragen rostbraune Felsrippen und triangelförmige Bergspitzen heraus. Hier oben hat der Wind den Neuschnee noch nicht verblasen und in den Karen und Becken abgelagert. Stattdessen staubt das weiße Pulver bei der Abfahrt in weiten Bögen hinab zum Strand. Laut wird es dann erst wieder zum Ende der Tour, wenn es mit dröhnendem Außenborder zurück zum Mutterschiff geht.

Karte: Spitzbergen

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Karte: Spitzbergen


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