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Unterwegs im Süden der Hohen Tauern Skitouren im Defereggental

Es gibt Täler in den Alpen, an denen die allgemeine touristische Entwicklung fast spurlos vorübergegangen ist und wo in den vergangenen Jahrzehnten eben nicht immer mehr Hotels, größere Lifte und Bahnen oder auch Straßen gebaut wurden. Gerade solche Orte sind für Wanderer und Bergsteiger oft besonders interessant, weil die Erlebnisse und Entdeckungen meist noch unverfälscht und persönlich sind. Ein solcher Ort ist das Defereggental in Osttirol. Südlich der großen Tauern-Gipfel wie dem Großvenediger gelegen, zieht es auch viele Skitourengeher magisch an.

Von: Georg Bayerle

Stand: 22.02.2020

Unterwegs im Süden der Hohen Tauern | Bild: BR; Georg Bayerle

In besserer Obhut kann man wohl kaum auf Tour gehen: Daniel Kleinlercher und Monika Steiner sind beide bei der Bergrettung im Defereggental. Monika wurde mehr oder weniger hineingeboren in dieses Metier, ihr kleiner gefleckter Australian Shepard ist auch noch ein Lawinenhund.

Im stillen Patscher Tal

Wir peilen einen Gipfel auf der stillen Nordseite des Defereggentals an. Die beliebtesten Gipfel liegen am Talschluss im Gebiet um den Staller Sattel. Hier dagegen herrscht Ruhe. Es ist das Haus-und-Hof-Gebiet von Daniel. Nach einer knappen Stunde durch den Wald erreichen wir freie Wiesenflächen. Die Wiesen werden von ihm nach alter Vätersitte gemäht, das Bergheu wird in den Schober eingebracht.

Pause nahe am Gipfel

Als wir nach gut 1200 Höhenmetern den Gipfel erreichen, stellt sich eine tiefe Zufriedenheit ein. Das nach dem böhmischen Bergsteiger und erstem Rodel-Europameister der Geschichte, Rudolf Kauschka, benannte Kauschkahorn ist so unbekannt wie der ganze Bergkamm. Schroff bricht der 2900 Meter hohe Gipfel ins nördlich gelegene Trojertal ab. Das gesamte Gebiet gilt als erstklassiges Skigelände und Geheimtipp.

Blick auf den Hochgall

Daniel, der mich längst abgehängt hat, treibt der jugendliche Übermut. Statt in eines der großen österreichischen Tourismuszentrenzu gehen, hat sich der junge Defereggentaler 2014 mit einer eigenen Freeride-Schule in seinem Heimatort selbständig gemacht. Ganz bewusst lebt er in einem Gebirgstal, das abseits der allgemeinen Wahrnehmung liegt und das sich gerade deshalb einen unverfälschten Naturcharakter bewahrt hat, den Touren- und Schneeschuhgeher suchen. Durch seine Nähe zu Südtirol begleitet das Panorama der Dolomitenzacken die Gipfeltouren im Defereggental. Wo das Tal im Norden an den Nationalpark Hohe Tauern grenzt, beginnt in der Winterwildnis ein weitgehend unberührter Lebensraum, den auch die Tourengeher respektieren.

Die Herrin mit ihrem Tourenhund

Bilder aus dem Defereggental zeigen wir auch morgen am Sonntag in Bergauf Bergab um 18.45 Uhr im BR Fernsehen.

Karte: Der Staller Sattel

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Karte: Der Staller Sattel


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