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Lawinensicher unterwegs trotz steiler Grasflanken Skitour auf die Bleispitze im Außerfern

In der vergangenen Woche hat sich die Lawinengefahr in den Bergen deutlich entspannt, es gab ideale Bedingungen für Schneeschuh- und Skitouren. Als ganz besonderes Ziel lockt die Bleispitze bei Bichlbach, denn sie ist ein reiner Grasberg mit steilen Flanken, der sommers wie winters allen ins Auge fällt, die auf der Fernpass-Bundestraße zwischen Reutte und Lermoos unterwegs sind.

Von: Georg Bayerle

Stand: 26.01.2019

Lawinensicher unterwegs trotz steiler Grasflanken | Bild: BR; Georg Bayerle

Eigentlich wirkt der Berg im Winter mit den steilen Grasflanken eher abschreckend, aber er hat auch seine schwache Seite. Der Aufstieg beginnt bei zwei ganz speziellen Bergdörflein: Kleinstockach und Bichlbächle.

Dorfkirchlein vor Thanellerkulisse

Bei klirrender Kälte schafft Robert Hörbst am Morgen zwei blaue Tonnen in seinen Jeep in Bichlbächle. Kein Sonnenstrahl kommt jetzt hierher. Robert Hörbst ist Jäger und Gastwirt im nahen Nachbardorf Kleinstockach. In Bichlbächle gibt es auch ein Gasthaus: Wahrscheinlich stehen ausgerechnet in diesem winzigen Seitental die meisten Wirtshäuser pro Einwohner.

Überall sind Lawinen abgegangen

Es ist ein ganz besonderer Platz seitab im Berwangertal, wo sich wirklich nur die Bergsteiger hin verirren. Allein die Natureindrücke aber sind gewaltig: Zum Greifen nahe und hoch über den beiden Dörfchen steht die steile Flanke der Bleispitze – ein Lawinenhang der Sonderklasse, sehr gefährlich. Zu Dutzenden haben sich mächtige Lawinen schon jetzt im Januar kuhfleckenartig aus den braunen Grasflanken gelöst. Es schaut wild aus, ist aber gut für Gämsen und Tourengeher, wobei der steile Aufstieg in sicherer Entfernung zu den Lawinenhängen verläuft. Oben am Rücken führt die Route durch einen herrlichen Wintermärchenwald mit alten Kandelaberbäumen.

Mondlandschaftsartig

Der Gipfel und die Nachbarberge wirken in diesem reinen Weiß wie eine bleiche Mondlandschaft – viel eindrücklicher kann eine Skitour kaum sein, bis zu einer Panne am steilen Rücken: Die alten Felle haben schlecht geklebt, jetzt reißt auch noch eine Schnalle ab. Das führt zu einer unerwarteten Rucksackprüfung in Sachen Fellkleber – aber: Fehlanzeige. Glücklicherweise sind noch zwei andere Tourengeher unterwegs. Haben sie Fellkleber? Nein, aber Erste-Hilfe-Pflaster für die Felle von Norbert, DAV-Tourenführer aus Holzkirchen, der jetzt auf einer Höhe mit den Lawinenabrissen an der Bergflanke genau auf den Aufstiegsweg schaut. Erfahrung, Übung, Lawinen- und Geländekenntnisse sind an der Bleispitze immer und in jeden Fall nötig.

Kurz unterm Gipfel

Oben am Grat stehen wir dann in der Sonne mit dem besten Blick auf das Felsmassiv des Wettersteins. Am Gipfelhang haben auch die verpflasterten Felle nicht mehr gehalten. Weit reicht der Blick über die wie mit einem weißen Leintuch zugedeckte Landschaft. Es ist ein idealer Tag, auch für einen etwas anspruchsvolleren Gipfel wie die Bleispitze. Auf der Abfahrt kommt uns die schattige Nordseite wieder zugute, denn der Schnee ist noch pulvrig, das Gelände mit seinen Hängen und Mulden schön kupiert. Bei idealen Verhältnissen gibt es noch die vogelwilde Abfahrt durch den Tobel, der zurzeit aber haushoch von den Lawinen zugeschüttet und zu meiden ist.

Karte: Die Bleispitze

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Karte: Die Bleispitze


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